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Die Facebook-Gemeinde

Die Kirchen können es sich nicht leisten, Plattformen wie Facebook zu ignorieren. Zu diesem Schluss kommen die Autoren des Informationshefts „Virtuelle Welten“ der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW).

Von PRO

Foto: pro

Facebook und Kirche – eigentlich verträgt sich das nicht, findet der Soziologe Christian Ruch. Er ist neben seiner Kollegin Elke Hemminger einer der Autoren des neuesten EZW-Heftes zum Thema Onlinewelten. Wer sich bei Facebook äußere, heische im Grunde nur nach Aufmerksamkeit, zu mehr als „eitler Selbstbespielung“ diene die Plattform nicht – „und diese Selbstbespielung ist im Prinzip nichts anderes als eine Form säkularisierter Selbsterlösung“, schreibt Ruch. Dennoch gebe es bei Facebook Gruppen mit Titeln wie „I love Jesus“ oder „Jesus loves you“ – allesamt mit mehreren Millionen Mitgliedern.

Deshalb kommt der Autor zu dem Schluss, dass sich Religion künftig vermehrt in Foren wie Facebook abspielen wird. „Die Kirchen täten bei allem Widerwillen gut daran, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen.“ Als positives Beispiel nennt er den ersten katholischen Facebook-Gottesdienst, der im Jahr 2012 stattfand.

Religion im Computerspiel

Das Thema Religion durchziehe auch zahlreiche Computerspiele. Im 2001 erschienenen „Black & White“ schlüpfe der Spieler zum Beispiel in die Rolle eines Gottes, der seine Welt bösartig oder gutmütig führen kann. Doch auch in Spielen, die sich eigentlich nicht mit Religion beschäftigten, gebe es allerhand religiöse Motive als Beiwerk, etwa Zauberei in „World of Warcraft“ oder die Ideenwelt der Tempelritter in „Assassins’s Creed“. In der virtuellen Welt des „Second Life“ gebe es sogar Freikirchen wie die amerikanische „Life Church“, die 2007 einen virtuellen Campus eröffnete. „Somit haben sich virtuelle Welten als wichtiger Handlungsspielraum auch für kirchliche Angebote gezeigt.“ Dennoch sei Religion meist nur als Beiwerk in Spielen vorhanden. Spezifisch christliche sei sie zudem selten.

Das Internet hat die Welt verändert. Und auch das Sexualleben. So schreibt Ruch in einem weiteren Beitrag über eine durch das Netz allgegenwärtige Pornografie, deren Erreichbarkeit sich „zu Gunsten des Konsumenten, damit aber auch zu Ungunsten des Jugendschutzes verschoben“ habe. Weil immer öfter auch reale Paare Videos ihrer Sexualpraktiken ins Netz stellten, vermischten sich Realität und Phantasie immer mehr. Somit habe eine tief greifende Veränderung der „sexuellen Umwelt“ junger Menschen stattgefunden.

Veralteter Rundumschlag

„Virtuelle Welten“ versucht sich in einem Rundumschlag mit eben jenen zu beschäftigen. Dabei sind die soziologischen Betrachtungsweisen nicht uninteressant. Dem durchschnittlichen christlichen Leser, der sich über Für und Wider moderner Lebenswelten informieren will, nützt das allerdings wenig. Zudem sind gerade die im Heft betrachteten Spiele auffällig alt. Onliner werden beim Namen „Second Life“ wohl schmunzeln, gilt die Plattform doch längst als abgeschrieben. So beweist das Heft selbst unfreiwillig, was die Autoren feststellen: Die Kirche sollte sich fürwahr mehr mit virtuellen Welten beschäftigen, um nicht den Anschluss zu verlieren. (pro)

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