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Die „Demo für alle“, der Hass und die Medien

Ein Tag auf dem Symposium der „Demo für alle“ bringt die Erkenntnis: Der Hass der Gegendemonstranten ist rational nicht erklärbar. Ebensowenig die unausgewogene Berichterstattung der Medien. Ein Kommentar von Moritz Breckner
Von PRO
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Demonstranten vor der Kongresshalle riefen unter anderem „Wir sind der Genderwahn“ und „Eure Kinder werden so wie wir“.
Demonstranten vor der Kongresshalle riefen unter anderem „Wir sind der Genderwahn“ und „Eure Kinder werden so wie wir“.

Schon auf der Autobahnabfahrt steht ein Polizeiwagen quer. Durchgelassen wird nur, wer das konservative Symposium „Öffnung der Ehe – Folgen für alle“ nahe Frankfurt besuchen will. Linksradikale hatten den Teilnehmern ein „zweites Stalingrad“ angedroht, also eine Vernichtungsschlacht. Die Betreiber der kleinen Kongresshalle, eine türkische Familie, wurde im Internet unter Druck gesetzt, 20 Polizisten mussten an der Halle übernachten, die vielen Mannschaftswagen am Samstag kann man kaum noch zählen. Linksradikale haben sich zu einer kleinen Störaktion nahe des Eingangs gesammelt, jemand fotografiert die ankommenden Teilnehmer bereits in ihren Autos. Das Ziel: Einschüchterung. „Sind Sie auch Nazis?“, pöbelt eine Demonstrantin ein älteres Ehepaar an, das zum Eingang läuft.

Ein Bruchteil der Polizeiwagen vor Ort. Ein Großaufgebot an Polizisten musste die Veranstaltung schützen. pro
Ein Bruchteil der Polizeiwagen vor Ort. Ein Großaufgebot an Polizisten musste die Veranstaltung schützen.

Auf Twitter ist im Zusammenhang mit der „Demo für alle“ permanent von „Nazis“ und „Schwulenhassern“ die Rede. Die Lokalzeitung Frankfurter Rundschau (FR) berichtete im Vorfeld von „einschlägig bekannten Protagonisten vom rechten Rand“. Vereine und Parteien führen in der Frankfurter Innenstadt eine Gegendemo für „bunte Vielfalt“ durch. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erklärt dort, Frankfurt sei eine tolerante Stadt. „Aber wir haben keinen Platz, keine Toleranz und kein Verständnis für homophobe Gruppen, Diskriminierung und Ausgrenzung.“

Gegner wären überrascht gewesen

Nazis und Leute vom rechten Rand, die andere diskriminieren wollen – treffen diese Anschuldigungen auf die Teilnehmer oder Veranstalter des Symposiums zu? Organisatorin Hedwig von Beverfoerde erteilt dem Hass auf Homosexuelle zu Beginn eine deutliche Absage und betont, jeder solle sein Leben so gestalten dürfen, wie er es für richtig halte. Teilnehmer etwa von der rechtsextremen NPD waren laut von Beverfoerde nicht anwesend und würden auch nicht zugelassen.

Der große Hass auf das Symposium der „Demo für alle“ ist rational nicht mit dem in Übereinstimmung zu bringen, was auf der Veranstaltung passiert. Gegner wären überrascht gewesen, hätten sie einfach mal teilgenommen. Sie wären auf freundliche Ehepaare älteren Semesters getroffen, die Referate über Verfassungsrecht und Reproduktionsmedizin anhören. Die Ethikerin Stephanie Merckens hielt einen empathischen Vortrag über Menschenwürde und die Ausbeutung von Frauen in der Dritten Welt, verwies auf feministische Gruppen und Aktivistinnen wie Alice Schwarzer, die deswegen die Leihmutterschaft ablehnen. Auch die, die gegen diesen Vortrag demonstrierten, dürften weite Teile des Inhaltes teilen.

Zeitungsbericht gibt Rätsel auf

Der schlechte Ruf der Veranstaltung liegt natürlich auch an der Presse. Die schon erwähnte FR machte im Vorfeld Stimmung gegen das Symposium und berichtete gleichzeitig überaus wohlwollend über die Demonstration für „bunte Vielfalt“, wo man übrigens das Motto „Queer, pervers und arbeitsscheu“ skandierte.

Der Artikel der FR über das Symposium selbst gibt manches Rätsel auf. Eines davon ist das Fazit am Textende, wo die Journalistin Katja Thorwarth behauptet: „Beachtenswert, dass sich auf diesem Symposium niemand auf mögliche Bedürfnisse der Kinder bezogen hat.“ Der Satz wirkt fehl am Platze, denn erst wenige Absätze zuvor empört sich die Autorin lang und breit über den Kinderpsychiater Christian Spaemann, dessen einziges Thema die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen waren. Auch die Autorin Birgit Kelle stellte bei der Veranstaltung Fragen zum Kindeswohl in den Raum, etwa welche seelischen Spuren es bei einem Kind hinterlässt, wenn es erfährt, von einer Leihmutter ausgetragen und verkauft worden zu sein.

Natürlich wurden auf dem Symposium konservative Meinungen zum Ausdruck gebracht, natürlich gab es die ein oder andere populistische Spitze. Das kann man inhaltlich ablehnen. Den Gegnern der „Demo für alle“ geht es aber nicht um den inhaltlichen Diskurs, das machen die Einschüchterungen der Störer genauso deutlich wie die Äußerungen des Frankfurter Oberbürgermeisters. Es geht ihnen darum, unerwünschte Meinungsäußerungen zu diskreditieren, zu vertreiben, und schließlich ganz zum Verstummen zu bringen.

Von: Moritz Breckner

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