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Die Angst vor der Unwissenheit

Dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière keine genaueren Informationen zur Absage des Länderspiels in Hannover nannte, hat viele Bürger enttäuscht. Warum er trotzdem richtig handelte und die Öffentlichkeit nicht alles wissen muss. Ein Kommentar von Swanhild Zacharias
Von PRO
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Bundesinnenminister Thomas de Maizière steht in der Kritik, weil er sich zur Bedrohungslage in Hannover nach Absage des Länderspiels bedeckt hielt Foto: pro/Lutz
Bundesinnenminister Thomas de Maizière steht in der Kritik, weil er sich zur Bedrohungslage in Hannover nach Absage des Länderspiels bedeckt hielt
„Ein Teil dieser Antworten könnte die Bevölkerung verunsichern.“ Diese Antwort, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nach der Absage des Spiels Deutschland – Niederlande Journalisten gab, sorgte am Tag danach für Spott im Netz. Unter dem Hashtag #DoItLikeDeMaiziere wurden auf Twitter hunderte Fragen um seine Antwort gebastelt, zum Beispiel: „Was gibt es heute in der Kantine?“, „Liebst du mich?“ oder „Gibt es dich wirklich, lieber Gott?“. In der Bevölkerung und in den Medien hatte man sich genauere Informationen über die Bedrohungslage rund ums Stadion gewünscht. Was hätte passieren können? So löste die Antwort des Ministers vor allem das Gegenteil dessen aus, was sie wohl bewirken sollte: Unsicherheit und Angst gegenüber einer Bedrohung, die nicht greifbar ist. Wenn man seinen Gegner kennt, dann hat eine diffuse Angst ein konkretes Ziel. Kennt man ihn nicht und erhält man keine Informationen, bleibt eine große Verunsicherung. Dass de Maizière keine Hintergründe lieferte, enttäuschte nicht nur mich, die ich die Ereignisse in meiner Heimatstadt im Live-Ticker angespannt verfolgte. Ich wünschte mir entweder die Mitteilung über einen konkreten Fund im Stadion oder die Nachricht, es handele sich um Fehlalarm. Auf jeden Fall, dass die Lage im Griff sei. Dass diese Nachricht ausblieb, ließ mich genauso wie den Rest der Bevölkerung enttäuscht, hilflos und unsicher zurück. Die Medien sahen sich außerdem in ihrem Recht, Auskunft von den Behörden zu erhalten, beschnitten.

Wer über Wissen verfügt, muss damit auch umgehen

Trotzdem bin ich aus zwei Gründen überzeugt, dass De Maizière richtig gehandelt hat und den Spott in den Sozialen Netzwerken nicht verdient. Erstens: Der Innenminister begründete seine Antwort damit, eine genaue Auskunft über die Ereignisse würde vermutlich zukünftige Hinweisgeber verunsichern und könne zukünftige Sicherheitseinsätze gefährden. „Ein Innenminister darf und muss nicht alles sagen, was er weiß“, sagte De Maizière am Mittwoch im ZDF. Diese Antwort scheint plausibel. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit der Bürger wahrscheinlich kaum abschätzen kann, wie der Sicherheitsapparat arbeitet. Zweitens: Wer über umfassendes Wissen verfügt, muss mit diesem auch umgehen. Natürlich haben Medien und Bevölkerung ein Recht darauf, informiert zu werden. Könnten wir aber ohne das nötige Hintergrundwissen die Informationen, die uns de Maizière nicht wissen ließ, richtig einschätzen und bewerten? Ich glaube nicht. Wahrscheinlich würde uns dieses Wissen tatsächlich „überfordern“, wie es der Innenminister bezeichnete, würde unsere Angst und Unsicherheit nur vergrößern. Seine Antwort hatte neben dem Sicherheitsaspekt noch eine gute Absicht: Er wollte die deutsche Bevölkerung nicht mit Informationen belasten, von denen er wusste, sie würden ohne das nötige Hintergrundwissen nicht zu einer angemessenen Bewertung des Sachverhalts führen. Vielleicht hätte er andere Worte wählen sollen und sagen, er könne wegen laufender Ermittlungen keine Informationen weitergeben. Doch wer kann ihm angesichts der herausgeforderten Situation, in der er sich befand, dieses Versäumnis verübeln? De Maizière wünschte sich von den Deutschen einen „Vertrauensvorschuss“. Den sollten wir ihm gewähren. Die Öffentlichkeit sollte akzeptieren, dass die Politik in besonderen Situationen Informationen nicht, nur teilweise oder später liefern kann. Wir sind zwar daran gewöhnt, dass Informationen immer und überall verfügbar sind. Trotzdem gilt es, diese Unwissenheit zumindest eine gewisse Zeit lang auszuhalten. Als Christen brauchen wir aber nicht nur aushalten, wir können auch etwas tun: Für unsere Politiker beten. Darum, dass sie ihre Entscheidungen mit Weisheit und Weitsicht treffen und dem täglichen Druck standhalten. (pro)
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