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Deutsche Islamkonferenz 2013: Schwerpunkt Jugendliche

Am Dienstag traf sich das Plenum der Deutschen Islamkonferenz (DIK) in Berlin. Schwerpunktmäßig ging es darum, wie islamischem Extremismus, Muslimfeindlichkeit und Antisemitismus vorgebeugt werden kann. Die Arbeitsgruppe „Präventionsarbeit mit Jugendlichen“ beschäftigt sich seit 2010 mit der Frage, Jugendliche für das Thema Islam zu sensibilisieren. Ihre Ergebnisse stellte die Initiative im Rahmen der Konferenz vor. Von SPD und muslimischen Verbänden kam scharfe Kritik.
Von PRO

Foto: DIK

Junge Menschen sollten dazu angeleitet werden, sich kritisch mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen und sich für ein friedvolles Miteinander einzusetzen. Außerdem müsse die Sensibilität in Bezug auf das Thema Muslimfeindlichkeit gefördert werden, heißt es in den Ergebnissen der Initiative. Um diese Ziele zu erreichen, schlägt die Arbeitsgruppe unter anderem mehr politische Bildung für Jugendliche, interreligiöse Jugendbegegnungen und vermehrt positive Angebote im Internet vor, welche die jungen Menschen selbst gestalten. Die Initiative wünscht sich außerdem Fortbildungen für Lehrer, Jugendleiter und Sozialarbeiter zum Thema Islam und Lebenswelten muslimischer Jugendlicher.

Ein Förderkreis des DIK werde sicherstellen, dass diese Maßnahmen zur Förderung Jugendlicher auch umgesetzt würden, heißt es in einer Mitteilung zur Islamkonferenz. Mitglieder dieses Kreises sind das Bundesministerium des Innern, jenes für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Auswärtige Amt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und die Bundeszentrale für politische Bildung. Außerdem beteilige sich die Robert Bosch Stiftung an der Arbeit des Förderkreises.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich lobte die Arbeit der Deutschen Islamkonferenz im vergangenen Jahr. Er betonte besonders den Leitfaden zur Imam-Fortbildung oder die Erklärung gegen häusliche Gewalt und Zwangsverheiratung, welche die Konferenz herausgegeben hatte. Für die Zukunft müssten aber auch Fragen der Lebenshilfe, Lebensberatung und Wohlfahrtspflege verstärkt behandelt werden, forderte Friedrich. Außerdem wünscht sich der Minister eine stärkere Verankerung der Ergebnisse der Islamkonferenz vor Ort. „Dies ist eine der strukturellen Aufgaben insbesondere der nächsten Legislaturperiode“, sagte er.

Zu viele Sicherheitsthemen

Kerstin Griese, Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion, und Aydan Özoguz, SPD-Beauftragte für Integration, beklagten, dass sich Friedrich zu wenig um einen „echten Dialog“ mit Muslimen gekümmert habe. Die Islamkonferenz, dessen Vorsitz Friedrich hat, sei zu einer „Sicherheitskonferenz“ verkommen, heißt es in einer Mitteilung der SPD. Durch Gewaltprävention und die Diskussion über Sicherheitsfragen im Innenministerium würden Ängste vor dem Islam gefördert. Nach Ansicht von Griese und Özoguz sei der Islam Teil der Gesellschaft und die islamische Religion gehöre deshalb nach Deutschland. Beide forderten deshalb, den Schwerpunkt auf interreligiösen Dialog zu legen.

Auch von den Muslimverbänden erntete Friedrich Kritik. Ein Mitglied der Organisation Ditib ist ebenfalls der Meinung, dass Sicherheitsfragen zu sehr im Fokus gestanden hätten. Außerdem bestimme der Staat in zuviel allein in Sachen Islam-Fragen. Die Konferenz aus dem Innenministerium ausgegliedert werden, forderte Ali Dogan, Generelsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschland. Er bezeichnete die Haltung des Innenministers als "unglücklich". Friedrich hatte den Vorsitz der Islamkonferenz im Jahr 2011 übernommen. Damals hatte er Zweifel geäußert, ob der Islam wirklich zu Deutschland gehöre und gefordert, dass Staat uns Muslime zusammen gegen islamischen Extremismus vorgehen sollten. Die muslimischen Vertreter fühlten sich bereits damals unverstanden. Dogan ist der Ansicht, der Innenminister habe die Aufgabe "aufgedrückt" bekommen und sei mit zu wenig Einsatz dabei.

Zu wenig Gefühl

Das bemängelt auch die Türkische Gemeinde Deutschland. Friedrichs Vorgänger Schäuble und de Mazière seien "gefühlvoller" auf die Muslime eingegangen, sagte Kenan Kolat, Bundesvorsitzende der Gemeinde. Auch sie kritisierte, dass der Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz zu sehr auf Sicherheitsthemen gelegen hätte.

Friedrich wies die Kritik zurück. Sicherheitsthemen auszuklammern, mache keinen Sinn. Als Erklärung für die Kritik führte er den anstehenden Wahlkampf an. Außerdem kündigte er an, "differenziert" mit der Kritik umzugehen. (pro)

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