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Deutsche finden Einwanderungspolitik zu lasch

Begriffe wie „Asyltourismus“ polarisieren in der gegenwärtigen Debatte um die Migration. Jetzt fragt eine Studie nach der Meinung des Volkes. Ergebnis: Die Mehrheit findet die deutsche Einwanderungspolitik zu nachgiebig. Die Deutschen sehen Europa in der Bringschuld.
Von PRO
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Die meisten Deutschen finden, Deutschland nehme zu viele Flüchtlinge auf
Die meisten Deutschen finden, Deutschland nehme zu viele Flüchtlinge auf

Die meisten Deutschen halten die Einwanderungspolitik der Bundesregierung für zu lasch. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Es befragte rund 6.700 Einwohner von fünf europäischen Ländern rund um das Thema Migration.

Demnach finden 72 Prozent der Deutschen, die deutsche Einwanderungspolitik sei zu nachlässig. Das ist europäischer Spitzenwert. Auf dem zweiten Platz folgt Schweden, wo 64 Prozent selbiges von ihrer Regierung denken. Nur fünf Prozent der Deutschen findet die Regelungen zur Migration zu streng, 12 Prozent bewerten sie als „genau richtig“.

Deutsche sehen Europa in der Bringschuld

Auch im europäischen Vergleich sehen die Deutschen ihr Land als Ausreißer. 62 Prozent meinen, Deutschland übernehme im Verhältnis zu anderen EU-Staaten überproportional viel Verantwortung bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Sieben Prozent sprechen von zu wenig Verantwortung, 13 Prozent halten das deutsche Engagement für angemessen.

Dagegen sehen viele Deutsche andere EU-Länder in der Bringschuld. 53 Prozent etwa finden, Großbritannien müsse mehr Verantwortung übernehmen, mit Blick auf Finnland denken das 42 Prozent. Griechenland und Italien dagegen – die beiden Mittelmeerstaaten – betrachten immerhin gut ein Drittel der Deutschen (Italien 39 Prozent, Griechenland 35 Prozent) als „engagierter als angemessen“. Am ehesten die Waage hält sich die Meinung über Frankreich – immerhin 23 Prozent meinen, der Nachbar übernehme das richtige Maß an Verantwortung. Auch ihn bewerten allerdings noch 34 Prozent als zu wenig engagiert.

Briten am selbstkritischsten

Die Studie stellt heraus, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinandergehen. So sehen die Umfrageergebnisse in anderen Ländern teilweise deutlich anders aus. 65 Prozent der Schweden etwa denken, ihr Land übernehme mehr Verantwortung als angemessen. Nur 14 Prozent der Deutschen teilen diese Meinung. Bei anderen europäischen Staaten ergibt sich ein ähnliches Bild – sie schätzen sich allesamt verantwortungsbewusster ein, als ihre Mit-Europäer ihnen das zubilligen würden.

Am geringsten ist die Diskrepanz in Großbritannien, wo die öffentliche Meinung laut der Studie am zersplittertsten scheint. 53 Prozent der Briten meinen, Großbritannien übernehme zu wenig Verantwortung – und 37 Prozent der anderen Europäer stimmen ihnen zu. 39 Prozent der nicht-deutschen Europäer denken, Deutschland übernehme zu viel Verantwortung. Auch das ist ein Spitzenwert – aber an die Selbstwahrnehmung der Deutschen, von denen 62 Prozent so denken, kommt diese Einschätzung nicht heran.

Von: Martin Jockel

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