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Deutsche betrachten Medien kritisch

Medien sagen die Unwahrheit – das glaubt laut einer Studie des Bayerischen Rundfunks eine Mehrzahl der Bürger. Ob die Medien ihrer demokratischen Kontrollfunktion nachgehen, stellen sie auch in Frage.
Von PRO
Die deutsche Berichterstattung in der Flüchtlingskrise förderte die Skepsis gegenüber den Medien unter den Bürgern
Die deutsche Berichterstattung in der Flüchtlingskrise förderte die Skepsis gegenüber den Medien unter den Bürgern
Medien schreiben vor, was man denken soll. Das meint knapp die Hälfte aller Befragten in der repräsentativen Glaubwürdigkeitsstudie des Bayerischen Rundfunks (BR). Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid hatte im Auftrag des BR 1.000 Menschen in den vergangenen Wochen befragt. 60 Prozent der Teilnehmer glauben demnach: Medien blenden berechtigte Meinungen aus, die sie für unerwünscht halten. 55 Prozent glauben sogar, dass Medien häufig absichtlich die Unwahrheit berichten. Auch glaubt die Mehrheit der Befragten, dass Medien von Interessengruppen wie der Regierung, von Konzernen, Parteien, Kirchen oder NGOs gelenkt würden. Die Leiterin der BR-Abteilung für Medienforschung, Birgit van Eimeren, die für die Studie verantwortlich ist, erklärt sich das Misstrauen vieler Menschen gegenüber den Medien folgendermaßen: „In dieser Skepsis drückt sich auch ein generelles Unbehagen gegenüber Politik und Wirtschaft aus.“ Die Mehrheit der Menschen nähme die Medien als „Teil des Systems“ wahr.

Fehler in der Flüchtlingskrise gemacht

Markus Behmer, Professor für Kommunikationswissenschaft der Universität Bamberg, betrachtet das Ergebnis als „bitteren Befund“. Der verbreitete Glaube, dass es ein Kartell der Medien gebe, die ihre Berichterstattung aufeinander abstimmten, hält der Bamberger Professor für „pure Polemik, die sich Bahn bricht“. Er sieht aber auch Fehler, die Journalisten in der Flüchtlingskrise gemacht und damit die medienskeptische Haltung befeuert hätten. „Viele Journalisten haben zu Beginn nur die Chancen der Integration darstellen wollen“, sagt Behmer. Die Sorgen und Ängste der Bevölkerung seien dabei vergessen worden. Die Kluft zwischen der eigenen und der von den Medien vermittelten Lebenswirklichkeit sei zu groß gewesen. Der Medien- und Kommunikationsforscher Matthias Kohring, der an der Universität Mannheim lehrt, hat in den Medien während der Flüchtlingskrise auch eine „vielfach mangelnde Toleranz“ gegenüber abweichenden Meinungen festgestellt. In Kohrings Augen hätten die Medien nur zwei Reaktionsmöglichkeiten zugelassen: Entweder sei das die Willkommenskultur gewesen. Alle, die sich dagegen stellten, seien „ein bisschen in die schmuddelige Ecke“ gestellt worden. „Ein großer Teil der Mitte der Bevölkerung, die Fragen und berechtigte Zweifel hatte, ist so einfach nicht mitgenommen worden“, sagt Kohring. Laut der Umfrage hat die kritische Einstellung der Menschen gegenüber den Medien auch mit einer deutlich spürbaren veränderten Weltlage zu tun. Drei von vier Befragte können nachvollziehen, dass manche Mitbürger die Werte Deutschlands in Gefahr sehen. 72 Prozent der Deutschen glauben nicht, dass die etablierten Parteien die wichtigsten Probleme im Griff haben. 70 Prozent sehen ihre Wünsche und Gedanken von den Politikern ignoriert. Der Mannheimer Medienforscher Kohring spricht von einer „großen Verunsicherung in der Bevölkerung“.

Transparenter werden

Der Geschäftsführer der Organisation „Reporter ohne Grenzen“, Christian Mihr, glaubt dem aktuellen Trend entgegenwirken zu können, indem Journalisten die Sorgen der Menschen mehr berücksichtigen: „Es hilft nur, transparenter zu werden und die Diskussionen mit den Bürgern über Soziale Medien wie Facebook und Twitter zu suchen.“ Dabei haben die Medien in der Demokratie eine wichtige, kontrollierende Funktion. Das sagen 85 Prozent der Befragten, die auch froh darüber sind, dass die etablierten Medien ihnen Orientierung in der heutigen Informationsvielfalt bieten. Die höchste Glaubwürdigkeitsrate erreichen die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender (75 Prozent), dicht gefolgt von den „Qualitätszeitungen“ (73 Prozent) und dem öffentlich-rechtlichen Hörfunk (67 Prozent). „Die Leitmedien genießen relativ hohes Vertrauen in der Öffentlichkeit“, resümiert der Bamberger Professor Behmer. Bei der Umfrage fällt auf, dass im Vergleich zu den alten Bundesländern Privatsender in den neuen Bundesländern vermehrt als Informationsquelle benutzt werden. Die Glaubwürdigkeit der Privatsender wird demnach in den neuen Bundesländern höher eingeschätzt. Als möglichen Grund sehen die Forscher, dass einige Bürger die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit den DDR-Staatsmedien gleichsetzen und dadurch kritischer betrachten. Die Umfrage-Teilnehmer differenzierten in ihrer Wertung zwischen Journalisten und den Verlagen und Sendern, bei denen sie arbeiten. Vier von fünf Deutsche bewerten den Beruf des Journalisten als positiv, bescheinigen dem Berufsstand ein gutes Handwerk und loben die Verständlichkeit der Sprache. Zwei Drittel der Befragten glauben auch, dass sich Journalisten mit der Lebenswirklichkeit auskennen. 65 Prozent aller Befragten denken allerdings auch, dass Journalisten wegen ihres Arbeitgebers oft nicht das sagen dürfen, was sie wirklich denken. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/detailansicht/aktuell/sarrazin-und-die-sorge-um-deutschlands-zukunft-95856/
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/deutschland-verliert-bei-pressefreiheit-an-boden-95776/
https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/das-leben-ist-nicht-gerecht-95818/
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