Das christliche Medienmagazin

Der Spiegel erklärt die Bibel

Die neue Ausgabe das Magazins Der Spiegel Geschichte widmet sich der Bibel. Das Heft bietet gute Informationen über die Welt des Alten und Neuen Testaments, Methoden der Bibelforschung und kann ein Augenöffner sein. Ein Plädoyer für den christlichen Glauben sollte der Leser aber nicht erwarten. Eine Kritik von Swanhild Zacharias
Von PRO
Der Spiegel betrachtet die Bibel vom rein wissenschaftlichen Standpunkt aus. Hilfreich kann das aber trotzdem sein
Der Spiegel betrachtet die Bibel vom rein wissenschaftlichen Standpunkt aus. Hilfreich kann das aber trotzdem sein
Auf fast 150 Seiten erläutert das Spezialmagazin des Spiegel die Welt der Bibel. Viele Bilder von biblischen Orten, historischen Funden und Personen sind zu finden. Das macht die Texte anschaulich. Schon beim Lesen der ersten Seiten fällt auf: Obwohl es ein wissenschaftliches Magazin ist, sind die Inhalte auch für Laien gut verständlich. Vorkenntnis zur Bibel sind nicht von Nöten. Um Schauplätze und Begriffe zu verstehen, bietet das Magazin zum Beispiel zwei Karten zur Übersicht des Alten und des Neuen Testaments und ein Glossar im Anhang. Darin finden sich die wichtigsten Namen und Begriffe in der Bibel und vom alten Israel. So werden unter anderen die Begriffe Apokryphen, Jahwe, Messias oder Tora erklärt. Im ersten Kapitel dreht sich alles um „Das Buch der Bücher“ im Allgemeinen. Es ist sozusagen eine Einführung in die Welt der Bibel mit einer Auflistung aller biblischen Bücher plus deren Inhalt und Hinweise über die Entstehung der Bibel und deren Bedeutung für heute. Das abschließende Fazit des Autors ist erfreulich: „Viele Mitteleuropäer ahnen kaum noch, welchen Reichtum das ‚unordentliche Buch mit 50.000 Textvarianten‘, so sarkastisch der Schriftsteller Arno Schmidt, zu bieten hat, wenn man nur wieder einmal darin stöbert.“ Darauf folgt ein Interview mit dem Bibelwissenschaftler Ernst Axel Knauf über die Entstehung der Bibel und deren Historizität. Knauf spricht als historisch-kritischer Wissenschaftler und so ist es kaum erstaunlich, dass er viele Begebenheiten und Personen des Alten Testaments für unglaubwürdig hält. Ein Hinweis auf die Fiktionalität des Altens Testaments sieht er zum Beispiel darin, „wenn Leute 900 Jahre lang leben.“ Das könne man nicht für „bare Münze“ nehmen. Da es für vieles wie die Schöpfungsgeschichte oder auch für den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten kaum Belege gäbe, folgert er: „Von Genesis bis Josua, als zu angeblichen Landnahme, würde ich gar nicht nach Fakten fragen. Es gab historische Kerne, aber in der Erzählung wurde einfach hinzu gedichtet.“ Eine Gegenposition zu Knauf findet sich im Magazin nicht.

Mose: „Gottes Zeuge“ ohne historische Indizien

Im Weiteren wird Israels Urgeschichte beschrieben und wissenschaftlich beleuchtet. Dass der Exodus mit der Wanderung Israels durch die Wüste und die Eroberung Kanaans nicht historisch belegbar sei, findet sich auch hier. Doch die Autorin gesteht durch das Zitat einer Bibelwissenschaftlerin ein, das Alte Testament wolle „kein Kompendium der Geschichte Palästinas sein“. Es gehe stattdessen um einen „‚Geschichtskommentar‘ eines theologischen Entwurfs, der Material gezielt ausgewählt habe, ‚um die Gründe für den Untergang der Staaten Israel und Juda anzugeben und die Fundamente für den erwarteten oder erhofften Neubeginn zu legen.“ Im Kapitel, das sich der Bibel als Heilige Schrift der Juden widmet, wird auch die Geschichte Moses angezweifelt – historisch nicht eindeutig belegbar. Es gebe zwar keinen Beweis, dass Mose in Ägypten war. Dass der Name „Mose“ jedoch ägyptisch und in der Überlieferung nicht abgeändert worden sei, könne aber darauf hindeuten, dass dieser existiert habe. Seine Bedeutung als „Gottes Zeuge“ vermittle Moses‘ Geschichte jedoch auch ohne belegbare Indizien. Auch dem Neuen Testament widmet sich das Magazin. Ein weiterer Artikel liefert einen Überblick über die vier Evangelisten und charakterisiert jeden einzelnen kurz. Das ist hilfreich und lässt zum Beispiel leichter verstehen, warum die vier Evangelien unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Auch auf Widersprüche zwischen den Texten von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes geht der Autor des Artikels ein und erkennt: Für die Bedeutung der biblischen Botschaft seien diese Widersprüche unwichtig. Im Gegenteil: Die Vielzahl der Evangelien mit unterschiedlichen Schwerpunkten sei eher nützlich: „Jedes bringt die Botschaft von Jesus einem anderen Publikum nahe.“ Ähnlich liest sich auch ein Exkurs zum Verständnis der Gleichnisse, die Jesus erzählte. „Die Evangelisten betrieben keine Geschichtsschreibung […]. Ihr Motiv war die Mission, sie waren gewissermaßen PR-Leute des verstorbenen Lehrmeisters“, heißt es.

Geschichts-Magazin: Der Name ist Programm

Neben der Welt des Alten und Neuen Testaments erklären die Autoren des Wissensmagazins auch die Entwicklung und Bedeutung der Bibel im Mittelalter und zur Zeit der Reformation. Der Hintergrund zum Marienkult der Katholiken wird erklärt und kritisch beleuchtet. Auch Martin Luther und der Bedeutung der Reformation für die Christen heute widmet die Zeitschrift sechs Seiten. Abschließend findet sich noch eine Geschichte über eine junge Amerikanerin aus dem sogenannten „Bible Belt“, die ihre konservativen Wurzeln kritisch hinterfragt und das Leben einer Frau zur Zeit des Alten Testaments ein Jahr lang praktisch ausprobierte. Sie wolle damit „gegen die männerdominierten Lesarten der Bibel streiten“ und dafür kämpfen, „dass Frauen in ihren Gemeinden mehr Einfluss bekommen und Vorbilder werden.“ Im Gegensatz zu den historisch-kritischen Texten auf den vorigen Seiten, kommt hier eine überzeugte Christin zu Wort, die dem Leser ein Stück näher bringt, was hinter dem persönlichen Glauben an Jesus Christus steckt. Der Spiegel Geschichte Die Bibel ist ein hilfreiches Heft für Leser, die mehr über den historischen Kontext und die Entstehungsgeschichte der Bibel aus wissenschaftlicher Sicht erfahren wollen. Gemäß dem Schwerpunkt „Geschichte“ des Magazins orientieren sich die Texte an historischen Fakten und nehmen die Bibel wissenschaftlich auseinander. Der Leser muss sich dessen bewusst sein und darf kein Plädoyer für oder wider den Glauben an Jesus Christus erwarten. Unter dieser Voraussetzung kann das Magazin aber ein Augenöffner für die historische Welt der Bibel sein und zum Nachdenken über den eigenen Glauben anregen. (pro)
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