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Der schöne Schein des Pietismus

In Nagold, mitten im Schwarzwald, blüht der evangelikale Pietismus. Lehrer Gabriel Stängle entwickelte hier seine Homosexualitätspetition. Dass der Ort tatsächlich einiges an Toleranz zu bieten hat, fand Zeit-Autor Christian Bangel heraus.
Von PRO
Hinter de Fassade des beschaulichen Örtchens Nagold steckt mehr, als man zuerst vermutet, fand Die Zeit heraus
Hinter de Fassade des beschaulichen Örtchens Nagold steckt mehr, als man zuerst vermutet, fand Die Zeit heraus
In Württemberg und besonders in Nagold wohne der evangelikale Pietismus, schreibt Die Zeit im Artikel „Das Tal der Evangelikalen“ über die Region. Dabei könne der Ort eigentlich viel erzählen: „Über Toleranz, scheinbare und echte. Und über Homophobie, scheinbare und echte. Doch auf den Straßen Nagolds laufen keine Fernsehreporter herum und befragen Menschen. Es gibt keine öffentlichen Diskussionsrunden und keine schwulenfeindlichen Graffitis. Nagold fährt das Auto in die Waschanlage und danach zum Elternabend.“ So besuchte Zeit-Autor Christian Bangel Pastor Markus Schübel aus Beihingen. Der sagt über Homosexuelle: „Es steht mir nicht zu, Schwule zu verurteilen. Ich akzeptiere ja Homosexuelle. Dafür erwarte ich aber Toleranz für meine Position.“ In der Bibel stehe, dass Homosexualität eine Sünde sei. Menschen, die sich nicht an Gott orientierten, hätten ihren Platz in der Hölle. Der Lehrer Gabriel Stängle, der eine Petition dagegen verfasste, dass die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg „sexuelle Vielfalt“ in den Schullehrplan einbaut, war für Die Zeit nicht zu sprechen. Seine Petition haben bereits mehr als 160.000 Menschen unterzeichnet. Die meisten Unterstützer kämen aus dem Schwarzwald.

Spott über Sexualmoral und Verklemmtheit

Doch in Nagold war auch Pfarrer Steffen Poos eine zeit lang tätig. Er ist homosexuell. Im Juli 2011 verließ er den Ort und wechselte nach Hessen, wo er seitdem öffentlich mit seinem Partner zusammenleben kann. In Nagold habe das heimlich geschehen müssen, schreibt Die Zeit. Als er sich der Landeskirche offenbart habe, habe ein Kirchenoberer ihm geraten, seinen Lebenspartner als einen Freund einziehen zu lassen, nicht als seinen Freund, wird Poos zitiert. Als er noch jung war, habe er gehofft, noch heterosexuell zu werden. Denn Homosexualität galt in seiner Heimatregion als „der Freifahrtschein zur Hölle“. Bis zu seinem Abschied habe er deshalb ein Doppelleben geführt. Als er sich schließlich auch der Gemeinde offenbarte, seien die meisten Gläubigen schockiert gewesen, dass die Kirche ihn deshalb gehen ließ. Viele wollten, dass er bleibt. Am Abend besucht Autor Bangel ein Theaterstück im Ort. In „8 Frauen“ sei es um Homosexualität gegangen, zwei Frauen hätten sich geküsst. Es spotte über „Sexualmoral und Verklemmtheit“. Die Schauspieler bekamen jubelnden Applaus. Der Ort wirke nach außen bieder und konservativ. Die Petition von Lehrer Stängle und die Aufregung über mehr „sexuelle Vielfalt“ an Schulen interessiere zumindest in der Kneipe nicht viele Menschen, fand Bangel heraus. Eine junge Frau, die er mit den Ansichten von Pastor Schübel konfrontierte, habe sogar gesagt: „Ich will eh in die Hölle. Da wäre ich wenigstens unter meinen Freunden.“

Abgestempelt als „Perverse“

Die Tageszeitung (taz) widmete sich einem ähnlichen Thema. Sie berichtet über den homosexuellen Lehrer Peter F., der an einer kleinen Schule unterrichtet, ebenfalls in der pietistischsten Gegend Baden-Württembergs. Außer ein paar Vertrauten wisse niemand über F.s sexuelle Orientierung Bescheid. Er fürchte, ein Coming-Out könnten seine Schüler ausnutzen. Und er fürchte die Angst der Eltern. „Man muss in der Höhle des Löwen überleben“, zitiert ihn die taz. Obwohl sich sogar viele Politiker bereits geoutet hätten, würden Homosexuelle in seinem Ort immer noch als „Perverse“ dargestellt und zur Pädophilen-Ecke gezählt, bemängelt Peter F. Das Klischee, dass über Homosexuelle verbreitet werde, verwirre auch seine Schüler. Peter F. wünscht sich mehr Sensibilisierung für das Thema. Früher sei er sogar Ministrant gewesen, mit 30 dann aber zur evangelischen Kirche übergetreten. Für ihn geht es darum, „den Menschen anzunehmen wie er ist“ und authentisch zu leben. Ein paar Schüler ahnten sicher auch, dass er homosexuell sei. Gefragt habe ihn aber noch niemand danach. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/fernsehen/detailansicht/aktuell/swr-nachtcafe-am-freitag-schwul-lesbisch-hetero-wirklich-selbstverstaendlich/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/mehr-toleranz-und-weniger-ideologie-waeren-hilfreich/
https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/homosexualitaet-medienkonsens-gegen-andersdenkende/
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