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„Der Pietismus hat die Welt verändert“

August Hermann Francke gilt als einer der wichtigsten Pietisten überhaupt. Heute, am 22. März 2013, jährt sich sein Geburtstag zum 350. Mal. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte dazu in ihrer heutigen Ausgabe ein Interview mit dem Pietismus-Experten Udo Sträter, der auch Rektor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist. Noch heute könne man von Francke lernen.
Von PRO
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Foto: Wikipedia / Thorsten Schleese

August Hermann Francke sei „eine der interessantesten Persönlichkeiten seiner Zeit“ gewesen, sagte Sträter im Interview. Vieles in der Pädagogik, Theologie und im Sozialen sei heute noch von seinem Schaffen beeinflusst. „Es ging um eine Erneuerung von Kirche und Gesellschaft“, so Sträter. Vor allem habe sich Francke, der vor allem in Halle an der Saale wirkte, von der lutherischen Lehre distanziert, dass alle Verheißungen der Bibel schon erfüllt seien. Er habe den christlichen Glauben „verlebendigen“ wollen, daher sei der Hauptkritikpunkt an der Reformation gewesen, dass sie „im Grunde nur als Erneuerung der Lehre erfolgreich gewesen sei, dass aber nächste Schritt noch ausstehe: eine Reformation des Lebens“.

Zunächst habe Francke versucht, die Menschen durch „Kirchenzucht“ zu verändern, durch „strikte Heiligung des Sonntags“ und Strafen durch Ausschluss vom Abendmahl, nach Sträter „soziale Stigmatisierung“. Damit sei Francke aber nicht erfolgreich gewesen und habe stattdessen einen anderen Weg eingeschlagen. Er habe bei den Kindern angesetzt, so sei „ein großes Bildungsprogramm zur christlichen Erziehung“ entstanden. Armen-, Arbeits- und Waisenhäuser habe es zwar vorher auch schon gegeben. Neu sei allerdings gewesen, dass dies nicht von Obrigkeiten initiiert worden sei, sondern dass Francke es „selbst in die Hand“ genommen habe. In seinen Schulen seien am Ende über 2.000 Kinder gewesen, in seinem berühmten Waisenhaus seien es hingegen nie mehr als 150 Kinder gewesen. Seine Finanzen habe er hauptsächlich von Freunden und Sympathisanten erhalten.

Von Franckes Schulprogrammen habe auch Preußen profitiert. Francke habe „sozusagen als Privatunternehmer ein ganzes Schulsystem hingestellt, das den preußischen Staat gar nichts oder nur sehr wenig kostete.“

Der hallesche Pietismus sei der „Vorreiter der lutherischen Mission überhaupt“ gewesen. Mission und Missionsfeste seien zu zentralen Anliegen der Erweckungsbewegungen geworden. Noch heute könne man von Franckes Reformimpulsen lernen, erklärte Sträter: „Die Selbsttätigkeit, das Schaffen in der Gemeinschaft, das Anpacken, das Ideal, die Welt zu verändern, indem man den Menschen bildet. Und das Ganze mit der Zuversicht, dass man das auch hinbekommt.“ Der Interviewer Johan Schloeman hatte im Einleitungssatz folgerichtig festgestellt: „Der Pietismus hat die Welt verändert.“

Am morgigen Samstag wird es anlässlich des 350. Geburtstags von August Hermann Francke in Halle eine Jubiläumsausstellung geben. Bundespräsident Joachim Gauck wird sie eröffnen. Nach Angaben der Veranstalter, den Franckeschen Stiftungen zu Halle, werden über 300 wertvolle, teil herausragende Objekte aus Zeit Franckes zu sehen sein. (pro)

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