Das christliche Medienmagazin

Der Lohn der Ehrlichkeit

Den Skandal um den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff nimmt das Wochenmagazin "Focus" zum Anlass, nach dem Wert der Ehrlichkeit zu fragen. Auf elf Seiten widmet es sich dem Umgang mit Krisensituationen und kommt zu dem Ergebnis: Ehrlichkeit mag kurzfristig weh tun, zahlt sich langfristig aber meist aus.
Von PRO

Foto: Looking Glass, CC BY-SA

In der jüngsten Zeit erlebte Deutschland, wie eine Reihe von Personen aufgrund ihres Fehlverhaltens von hohen Ämtern zurücktrat. Ob ihr Fehlverhalten langfristige negative Konsequenzen hat, liegt laut "Focus" vor allem an dem Umgang mit den Fehltritten. Wer seine Fehler schnell, offen und ehrlich eingesteht, nimmt zwar kurzfristig Schaden, kann aber längerfristig ein höheres Ansehen erlangen.

"Meine christliche Grundhaltung hat mir geholfen"

Als positives Beispiel nannte der "Focus" das Verhalten von Norbert Pfeiffer. Der Arzt war Chef des Mainzer Uniklinikums, in dem im August 2010 drei Frühchen aufgrund einer Infektion starben. Pfeiffer entschied sich, von Anfang an ehrlich mit der Situation umzugehen und die Öffentlichkeit über den Vorfall zu informieren, anstatt zu vertuschen. Zuerst habe er einen Fluchtimpuls gespürt, dann aber die eigenen Befindlichkeiten und die Sorge um sein Amt zurückgestellt. "Geholfen hat mir, dass ich eine christliche Grundhaltung habe", schreibt Pfeiffer im "Focus". Dies bedeute zum einen ein Bewusstsein, dass niemand ohne Fehler ist. Und zum anderen, dass Vergebung möglich ist. Da die Mitarbeiter gewusst hätten, er würde niemandem den Kopf abreißen, hätten sie ihrerseits offen zur Aufklärung des Falles beigetragen.

Die Deutschen sind mit den Ehrlichen

Ganz anders liegt der Fall bei Karl-Theodor zu Guttenberg. Der ehemalige Verteidigungsminister brachte es nicht fertig, sich für offenkundige Fehler in seiner Doktorarbeit zu entschuldigen. Von seinem Amt trat er zwar zurück, plante aber, nach einem Intermezzo in den USA wieder in die deutsche Politik einzusteigen, was jedoch misslang. "Das Comeback ohne Gel und Sehhilfe stolperte über mangelnde Aufrichtigkeit des Büßers", lautet das Resümee des "Focus".

Die Beispiele sollen zeigen: Nicht die Fehler lassen eine Person scheitern, sondern der falsche Umgang mit ihnen. Und das deutsche Volk scheint mit den Ehrlichen zu sein: Laut einer Emnid-Umfrage im Auftrag des "Focus" fühlen die Deutschen weder Mitleid noch Verachtung oder Schadenfreude, wenn jemand einen Fehler eingesteht. Im Gegenteil empfinden 88 Prozent der Deutschen "Hochachtung".

Entschuldigung wirkt mehr als eine Entschädigung

Eine Entschuldigung ist oftmals mehr wert als eine bloße Entschädigung. Der "Focus" nennt das Beispiel eines Internetverkäufers, dem Kunden eine schlechte Bewertung gegeben haben. Der Verkäufer bot an, eine bestimmte Summe zu zahlen, damit die Kunden ihre Bewertung ändern. Darauf gingen jedoch die wenigsten ein. Erst als der Verkäufer kein Geld, sondern eine Entschuldigung anbot, war fast die Hälfte der Kunden dazu bereit, ihre schlechte Bewertung zurückzuziehen.

Ehrlichkeit braucht Vorbilder

Die Art, wie Wulff oder zu Guttenberg mit ihren Fehlern umgegangen seien, würde auch dazu führen, dass Jugendliche ein zynisches Verhältnis zur Politik entwickeln, erklärt der Pädagoge Bernhard Bueb. Bei einem Politiker mit reiner Weste würden sie glauben, man habe die Fehler nur noch nicht entdeckt. Der Wert der Wahrheit würde im Alltag in Zweifel stehen.

Kindern Ehrlichkeit beizubringen, sei eine "immens schwere Aufgabe", so der Pädagoge weiter. Die Erwachsenen müssten hier eigentlich eine Vorbildfunktion einnehmen. "Beispiele, wie sie Wulff oder Herr zu Guttenberg geben, sind für die Pädagogik eine Katastrophe. Die Selbstverständlichkeit, mit der in Politik und Wirtschaft gelogen und betrogen wird, ist erschreckend." (pro)

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