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Der Kunde im Gottesdienst

Einen klassischen Gottesdienstbesucher kann man durchaus aus „Kunden“ sehen, der beim Besuch einer Kirche alle Fürs und Widers abwägt. Das findet Folkert Fendler vom Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und führte eine entsprechende Umfrage durch. Ein Ergebnis: 20 Prozent der Befragten haben keine Probleme mit dem Kundenbegriff.
Von PRO
Wie zufrieden ist der "Kunde" eines Gottesdienstes? Das sollte eine Umfrage des Zentrums für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst herausfinden
Wie zufrieden ist der “Kunde” eines Gottesdienstes? Das sollte eine Umfrage des Zentrums für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst herausfinden

Das in Hildesheim ansässige Institut der EKD hatte vom 30. April bis zum 22. Juli 2013 zusammen mit Sozialpädagogen der Hildesheimer Universität eine Online-Umfrage zur „Einstellung und Erwartung gegenüber dem evangelischen Gottesdienst“ durchgeführt. Es wurden knapp 2.000 Fragebogen ausgefüllt; an die 90 Prozent der Teilnehmer fühlten sich überwiegend oder ziemlich verbunden mit der evangelischen Kirche.
„Die Auswertungen stehen noch ganz am Anfang“, teilte Folkert Fendler gegenüber pro mit. Doch als ein erstes Ergebnis steht fest: 20 Prozent der Befragten haben keine Probleme mit dem Kundenbegriff und können ihn offensichtlich unbefangen auf den Gottesdienst anwenden. Dabei sei das Wort „Kundenorientierung“ im Zusammenhang mit Gottesdiensten durchaus umstritten. Sofort witterten die Gottesdienstverantwortlichen den „Verrat des eigentlichen kirchlichen Auftrags, ein ‚Den Leuten nach dem Munde-Reden‘ und eine Anpassung an den Zeitgeist“. Dies beruhe auf einem veralteten Verständnis vom Begriff des Kunden, bei dem es nur noch um die ökonomische Komponente des Warentauschs und bedingungslose Bedürfnisbefriedigung gehe, erklärte Fendler. Der Kundenbeziehung hafte immer etwas von Berechnung, Vorteilsnahme, Anbiederung und Unehrlichkeit an. Dabei könne man den Begriff viel weiter fassen, etwa auf den Non-Profitbereich. Bedürfnisorientierung, Nutzen, Zufriedenheit, Demokratisierung, Wahlfreiheit, Partizipation, Qualität und Ökonomie seien auch im Zusammenhang mit Gottesdienstbesuchen relevant.

Gottesdienst „um Kraft zu tanken“

Die meisten Gottesdienstbesucher gaben an, in die Kirche zu gehen, weil ihnen „danach zumute ist“. Die wenigsten stimmten der Aussage zu, sie gingen in die Kirche, um sich dort sehen zu lassen: 50 Prozent gaben an, dieser Grund treffe für sie „überhaupt nicht zu“. Bei der Aussage, man gehe in den evangelischen Gottesdienst, „weil ich es als meine religiöse Pflicht empfinde“, gaben ungefähr jeder Dritte an, dass dies „überhaupt nicht“ für sie zutreffe. Für rund 10 Prozent trifft dies aber durchaus „voll und ganz“ zu.
Die wenigsten gehen laut Umfrage in den Gottesdienst, „um zu entspannen“. In der Kirche „mit Gott in Beziehung treten“ will eine Mehrheit von über 40 Prozent. Für jeden dritten Befragten trifft die Aussage, er gehe in den Gottesdienst, um etwas zum Nachdenken zu bekommen, voll und ganz zu. Der Aussage „Die Pastorin / den Pastor kritisiert man nicht“ stimmten fast 60 Prozent „überhaupt nicht zu“, kaum jemand vertrat diese Ansicht.
Viele wählten einen Besuch in einer Kirche nach der Musik oder dem predigenden Pastor aus, sagte Fendler am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Etwa die Hälfte der Befragten gab an, den Gottesdienstbesuch vom Prediger abhängig zu machen. Nur ein Viertel lehnte diese Aussage ab.
Die meisten wollen aus ihrer Lebensroutine aufgerüttelt werden und Gott mit ihrem Alltag in Beziehung setzen. Besonders hoch war der Wunsch, „Kraft zu tanken“ und „etwas zum Nachdenken zu bekommen“. Nur wenige suchten dagegen im Gottesdienst eine Zeit für Entspannung. Auch technische Aspekte sind für den durchschnittlichen Gottesdienstbesucher nicht unwichtig: Ob die Lautsprecher oder Heizung funktionierten, sei durchaus ausschlaggebend dafür, ob sie sich im Gottesdienst wohlfühlten, erläuterte Fendler. Parkplätze und Toiletten seien vielen ebenfalls wichtig, für eine deutliche Mehrheit von über 60 Prozent ist es zudem wichtig, dass es eine Garderobe gibt.
Die Kirchen könnten das gewonnene Wissen nutzen, um die Wünsche der Menschen differenziert wahrzunehmen. Besonders bei kirchlichen Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Beerdigungen würden die Bedürfnisse der Menschen immer individueller. (pro)

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