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Der IS als terroristisches Medienunternehmen

Der Islamische Staat hat viele Gemeinsamkeiten mit innovativen Medienformaten. Diesen Vergleich zogen zwei Blogger am Mittwoch auf der Netzkonferenz re:publica in Berlin. Es gebe fast nichts aus dem Arsenal der modernen Unterhaltungskommunikation, auf das die Propaganda der Terrororganisation nicht zugreifen könne.
Von PRO
Sascha Stoltenow und Thomas Wiegold erklärten auf der re:publica in Berlin, wie der IS als Marke aufgebaut ist

Foto: pro/Schubert

Sascha Stoltenow und Thomas Wiegold erklärten auf der re:publica in Berlin, wie der IS als Marke aufgebaut ist
Mit dem Islamischen Staat (IS) habe ein „terroristisches Start-up“ die Bühne betreten. Das sagte der Blogger und ehemalige Fallschirmjäger Sascha Stoltenow am Mittwoch in Berlin. Er hat sich gemeinsam mit dem Journalisten und Blogger Thomas Wiegold die „Unternehmenskommunikation“ des IS angeschaut. Beide schreiben über sicherheitspolitische Themen. Mit dem „Alhayat Media Center“ habe der IS sein eigenes Medienhaus aufgebaut. Für den IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi könne die Bezeichnung „aggressivster Mann im Internet“ gelten, sagte Wiegold. Das Branding, der Aufbau einer Marke, sei erfolgreich. Der IS habe sich von der Terrororganisation Al-Kaida gelöst und sich selbst und die eigene Bezeichnung etabliert. Die Medien hätten weitgehend die Namen IS oder ISIS übernommen, das Weiße Haus spreche von ISIL.

„Es geht darum, Angst und Schrecken zu verbreiten“

Beim Terrorismus gehe es nicht darum, möglichst viele Menschen zu töten, erklärte Stoltenow. Sondern: „Es geht darum, […] Angst und Schrecken zu verbreiten“ – und schreckliche Bilder zu zeigen. Die Terrororganisation habe die Berichte der Journalisten, die sich auf ihrem Gebiet aufhalten und über sie erzählen, „stark unter Kontrolle, die Bilder sind gesteuert“, erklärte Stoltenow. Als die Terrororganisation begann, Kulturgüter zu zerstören, habe das in Europa „eine neue Erregungswelle ausgelöst“. Die Terroristen drehten ein Video fürs Internet davon, wie sie die Stätten von Ninive zerstörten oder anderes Kulturgut sprengten. Aus Marketinggründen seien solche Aktionen gute „Fotomöglichkeiten“. Wiegold fügte hinzu, dass Al-Kaida diese Möglichkeiten nicht genutzt und derartige Videos nicht produziert habe. Die Rekrutierungsart von IS-Kämpfern sei mit Sprüchen wie „Brother, rise up!“ (Bruder, steh‘ auf!) sehr männlich geprägt. Dies gleiche der Mitarbeiteranwerbung großer Unternehmen.

Das „Kundenmagazin“ der Terrororganisation

Der IS habe zudem seine eigenen Publikationen. Die Zeitschrift Dabiq bezeichneten die Referenten als das „Kundenmagazin“ der Terrororganisation, der IS Report sei hingegen „eher für intern“, befasse sich etwa mit dem Thema Verbraucherschutz. Zudem veröffentliche der IS einen jährlichen Bericht, der Zahlen und Statistiken etwa über die Waffennutzung bei Anschlägen aufführt. Es gebe sogar eine Art Reiseführer mit dem Titel „Hijrah to the Islamic State“ (Reise/Auswanderung in den Islamischen Staat) für die Reise zum Islamischen Staat. Vergangenes Jahr habe es zudem einen nutzerorientierten Führer für Frauen gegeben. Darin sei ihnen empfohlen worden, Hygieneartikel und Still-BHs für eine Reise in das Gebiet mitzubringen. Ein relativ neues Video des IS zeigt den „Islamic State Health Service“. In dem im „Emergency Room“-Stil gedrehten Clip stellt sich der IS als fürsorglich dar, die Einsatzkräfte kümmern sich um Kranke, Hilfsbedürftige und Kinder. Mit dem Video wolle der IS den Anspruch erwecken, ein eigener Staat zu sein, meinte Stoltenow. Wiegold ergänzte, dass eingesetzte Kämpfer auch versorgt werden müssten.

„Schaut euch keine Enthauptungsvideos an“

Die IS-Enthauptungsvideos liefen ähnlich ab wie Pornofilme, sagte Stoltenow. Erst würden die Akteure präsentiert, später komme es zum Höhepunkt, der detailliert gezeigt werde. Auch wenn die grausamen Videos im Internet verfügbar wären, wenn auch nicht auf den großen Videoplattformen wie YouTube, warnte der Blogger: „Schaut euch diese Videos nicht an!“ Das Anschauen könne dazu führen, dass der Zuschauer psychische Schäden erleide und Hilfe in Anspruch nehmen müsse. Um gegen den IS vorzugehen, sei es der falsche Ansatz, ihn pauschal schlecht zu machen. „Die zentrale Ressource eines Unternehmens ist Glaubwürdigkeit“, sagte Stoltenow. Deswegen sei die Analyse und Aufklärung durch den Journalismus und die Wissenschaft über die Terrororganisation vielversprechender. Mit gefährdeten Jugendlichen und Erwachsenen zu sprechen und sich um sie zu kümmern, sei der beste Weg, um ihnen zu helfen, dass sie gar nicht erst dem IS verfallen. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/republica-sucht-nach-der-wahrheit-91943/
https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/detailansicht/aktuell/wieviel-shitstorm-ist-erlaubt-91947/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/detailansicht/aktuell/isil-isis-oder-is-89772/
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