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Der doppelte Exot

Sollen sich alle Christen politisch engagieren? „Eindeutig ja“, sagt der SPD-Politiker und bekennende Christ Ingo Rust. Doch nicht alle Christen müssten gleich Politiker werden. Welche Probleme und Möglichkeiten die Verbindung von Glaube und öffentlichem Amt mit sich bringt, erklärte der Staatssekretär aus Baden-Württemberg im Bibelkonferenzzentrum Langensteinbacher Höhe.
Von PRO

Foto: pro

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn, denn wenn es ihr wohl geht, dann geht es euch auch wohl.“ Diese Aufforderung aus dem biblischen Buch Jeremia nimmt für Ingo Rust jeden Christen in die Pflicht, für das Gemeinwesen einzutreten. Bemerkenswert sei, dass Gott diese Forderung an das Volk Israel stellte, als es im Babylonischen Exil war. „Wenn Gott das zu seinem Volk in Gefangenschaft gesagt hat, wie viel mehr muss das für uns heute gelten, wenn es um das Beste für unser Gemeinwesen geht.“

Beim Suchen aktiv werden

Wie das geschehe, sei offen. Fest stehe aber: „Suchen ist ein aktiver Prozess.“ Dies beginne bereits, indem sich Menschen über die Vorgänge in Politik und Gesellschaft informieren. Auch das Gebet spiele eine wichtige Rolle: „Das Gebet für das Gemeinwesen ist die ‚schärfste Waffe‘, die wir als Christen haben. Egal, ob uns die Politiker passen oder nicht.“ Rust wies darauf hin, dass Christen auch für den römischen Kaiser Nero beteten, der sie verfolgt hatte.

Ob zu dem politischen Engagement auch der Eintritt in die Politik gehöre, müsse jeder Christ selbst vor Gott prüfen. Letztlich gehe es darum, dass Gott einen Menschen dort einsetzt, wo dieser mit seinen Talenten gebraucht werde. Als Politiker und Christ habe man zwar viele Möglichkeiten, sich für christliche Werte in der Gesellschaft einzusetzen. Doch die Verbindung von Glaube und Politik bringe auch Probleme mit sich.

Zwischen den Welten

So fühle er sich als Politiker und Christ wie ein „doppelter Exot“. Zum einen sei man in der Kirche als Politiker in der Minderheit und werde dort kritisch beäugt: Der Verdacht komme bei manchen auf, man zeige sich nur um der Wählerstimmen willen als Christ. Umgekehrt gehöre er als bekennender Christ in der Politik zu einer Minderheit. „Weder Brüder und Schwestern noch Genossinnen und Genossen machen es einem einfach“, sagte Rust.

Eine weitere Schwierigkeit sei die Frage, wie offen man mit seinem Glauben umgehe. Man dürfe einerseits nicht den Eindruck erwecken, seinen Glauben zu Wahlkampfzwecken einzusetzen, andererseits sollte man diesen nicht verstecken. Als Politiker sei es schwierig, in der Kirchengemeinde etwa bei der Seelsorge oder bei Bibelabenden offen zu sein. „Man läuft immer Gefahr, dass das Gesagte gegen einen verwendet wird.“

Kritisch werde es auch bei den sogenannten „Gewissensentscheidungen“ in der Politik. So habe er im Landtag im Gegensatz zu seiner Fraktion und den meisten Parlamentariern aus Glaubensgründen gegen einen verkaufsoffenen Sonntag gestimmt. Bei solchen Entscheidungen gelte aber auch: „Wenn man es gut begründet, dann akzeptieren das die Kollegen.“ Repressalien müsse er nicht fürchten, und auch für seine weitere Karriere sei dies kein Hindernis gewesen.

Das politische Leben als Christ

Zum Leben als Politiker und Christ gehören nach Rusts Ansicht aber auch viele hoffnungsvolle Aspekte. Als Christ wisse er, dass Gott einen Plan für sein Leben habe. „Wenn ich das ernst nehme, dann sehe ich mein Wirken als Dienst an. Dann weiß ich, dass Gott alles in seiner Hand hält, auch wenn es mal schlecht läuft.“ Daher müsse er sich nicht vom Ehrgeiz zerfressen lassen, der oft in der Politik vorherrsche. Auch brauche er andere Politiker nicht zu denunzieren, um selbst gut dazustehen.

Ein weiterer Vorteil sei, dass er sich von Betern begleitet wisse. Eine gute Einrichtung sei auch das monatliche Gebetsfrühstück im Landtag nach dem Vorbild des amerikanischen „National Prayer Breakfast“. Rund 40 Abgeordnete treffen sich zum gemeinsamen Austausch, einem geistlicher Impuls und zum Gebet. Dies trage zu einem besseren Klima unter den Abgeordneten bei. Rust wirbt auch unter seinen Kollegen für den Glauben, zwei von ihnen seien der Kirche wieder beigetreten.

Rust ist seit 2011 Staatssekretär im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg. Im Jahr 1996 trat er der SPD bei und zog 2003 in den baden-württembergischen Landtag ein. Seit 2006 ist der gelernte Maschinenbau-Ingenieur kirchenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Der 35-Jährige ist Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Jugend-Bibel-Bildung des Evangelischen Jugendwerks Württemberg. Außerdem ist er Vorsitzender des Kirchengemeinderates in Abstatt im Landkreis Heilbronn und Vorsitzender der Bezirkssynode des Kirchenbezirks Marbach. (pro)

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