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Der Bergwerk-Prediger

Das Minenunglück in Chile im Jahr 2010 hielt die Welt in Atem. Erst nach zwei Monaten konnten die 33 verschütteten Kumpel gerettet werden. Einer von ihnen, José Henríquez, nutzte das Unglück in besonderer Weise für ein Zeugnis seines Glaubens: Erst leitete er seine Kollegen im Gebet, danach bekundete er sein Gottvertrauen vor der ganzen Welt. In einem Buch hat er nun seine Erlebnisse festgehalten.
Von PRO

Foto: Church Mission Society (CMS), CC BY-NC-ND 2.0

Der 5. August 2010 begann für den Bergwerkarbeiter José Henríquez als normaler Arbeitstag. Zusammen mit 32 Kumpeln fuhr der damals 54-jährige Bohrmeister 700 Meter tief an seinen Arbeitsplatz, eine Kupfer- und Goldmine in der chilenischen Atacamawüste. Um zwei Uhr kam es zu einer Gesteinsexplosion, die die Eingänge der Mine verschüttete. Erst zehn Wochen später erblickten die Bergleute nach einer aufwendigen Rettungsaktion wieder das Licht der Welt.

"Die Zeit dort unten veränderte uns für immer", schreibt Henríquez rückblickend in seinem Buch "70 Tage unter der Erde". Während dieser Zeit fanden 22 der 33 Bergbauleute zum Glauben (zurück). Einen großen Anteil daran hatte Henríquez. Der evangelikale Christ leitete seine Kollegen im Gebet, hielt Predigten und ermutigte sie, auf Gottes Rettung zu vertrauen. Mit vielen kam er über den Glauben ins Gespräch.

Ein normaler Lebensweg

Sein Buch hat Henríquez geschrieben, um zu verdeutlichen, dass Gott einen einfachen Christen wie ihn gebrauchen möchte, um Großartiges zu tun. Sein Lebensweg bis zum Unglück verlief nicht außergewöhnlich: Eigentlich wollte er Schiffsmechaniker werden, fand aber keine Stelle. Um eine Familie gründen zu können, fing er 1974 als Tagelöhner beim Bergbau an und arbeitete in verschiedenen Minen in Chile.

Dieses Leben bezeichnet er als gut, er habe aber keine Erfüllung gespürt, schreibt er. Das habe sich geändert, als er durch seinen Großvater, der als Prediger in Chile von Dorf zu Dorf zog, zum Glauben kam. Im Buch beschreibt er, wie der Glaube sein Leben veränderte. Er hörte etwa auf zu rauchen oder gebrauchte keine "Kraftausdrücke" mehr. Der Vater von Zwillingstöchtern besuchte eine Gemeinde und engagierte sich dort auch.

Vorbereitung für den Dienst für Gott

Rückblickend sieht Henríquez seine Lebensstationen als Vorbereitung auf das, was er beim Minenunglück durchmachen musste. Die mediale Aufmerksamkeit rund um die Rettungsaktion nutzte er, um die Welt mit seinem Glauben bekannt zu machen. Mit Erfolg: Aufgrund seiner weltweiten Bekanntheit luden ihn ranghohe Politiker, darunter US-Präsident Barack Obama, ein. So konnte er vor Tausenden Menschen von seinem Glauben an Jesus Christus erzählen.

Dabei wird er auch von den Dingen erzählt haben, die er als rettendes Eingreifen Gottes erlebt hat. Als das Unglück geschah, sei er nicht wie üblich an seinem Arbeitsplatz bei den Maschinen gewesen, sondern habe ein defektes Teil zur Reparatur gebracht. Ein Ingenieur habe später gesagt, die Bohrung, die die Männer schließlich fand, sei eigentlich vom Kurs abgewichen, und es gebe dafür keine Erklärung. "Nie zuvor war ein Bohrer so weit abgewichen. Und gerade darin liegt das Wunder."

Etwas schade ist, dass Henríquez in seinem Buch zum Teil eine "geistlich verbrämte" Sprache bemüht, die für Nichtchristen nicht leicht zu verstehen sein wird. Da die Ereignisse unter Tage oft im Lichte der Rettung geschildert werden, wirkt der Bericht mitunter positiv überzeichnet. Kritik an den mangelnden Sicherheitsvorkehrungen oder negative Aspekte an der Gemeinschaft der 33 Kumpel werden nur am Rande erwähnt.

Als Demutsbekenntnis – nicht er habe irgendetwas bewirkt, sondern Gott habe durch ihn gewirkt – ist das Buch jedoch ein eindrucksvolles Glaubenszeugnis. Es ermutigt, in schwierigen Zeiten Gott zu vertrauen und am Gebet festzuhalten: "Das Gebet spielte in unserer Geschichte die allerwichtigste Rolle", resümiert Henríquez. (pro)

José Henríquez, 70 Tage unter der Erde, Brunnen-Verlag 2012, 12,99 Euro, 152 Seiten, ISBN 978-3-765511875

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