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„Den Menschen fehlt Empathie“

Unsere Gesellschaft braucht mehr Mutmacher, findet Mentaltrainer David Kadel. Deswegen hat er mit 35 prominenten Persönlichkeiten ein Buch mit Mutmach-Geschichten geschrieben. Die dazugehörige Lesereise findet in Kinderkliniken statt.
Von PRO
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David Kadel auf seiner Mutmacher-Tour

Foto: privat

David Kadel auf seiner Mutmacher-Tour

Gemeinsam mit 35 prominenten Persönlichkeiten wie Samuel Koch, Heiko Herrlich oder Andreas Adenauer hat der Mentaltrainer David Kadel das Buch „Wie man Riesen bekämpft“ geschrieben. In verschiedenen Kurzgeschichten berichten die Prominenten von schwierigen Lebenssituationen und mutmachenden Erlebnissen.

pro: Herr Kadel, wie ist Ihr „Mutmach-Projekt“ entstanden?

David Kadel: Bereits 2019 habe ich mit prominenten Fußballprofis und Trainern Gefängnisse besucht, um den Insassen Mut zuzusprechen. So verstehe ich übrigens auch mein persönliches Christsein. Jesus sagt: „Ich war krank und ihr habt mich nicht versorgt. Ich war im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.“ (Matthäus 25,36). Für 2020 habe ich deshalb beschlossen, zu schwerkranken Kindern und Jugendlichen zu gehen. In den Bereichen wird vor allem finanziell viel geholfen. Aber das reicht nicht. Ein Onkologe sagte mir einmal, dass vier von fünf erkrankten Kindern durch die Medizin gerettet werden können. Das Fünfte stirbt jedoch, weil es an der Diagnose zerbricht. Dort will ich ansetzen.

Warum ist das so?

Wir sind keine Mutmacher-Gesellschaft. Uns fehlt die Empathie. Spendengelder sind wichtig, aber helfen einem schwerkranken Kind nicht, mit der Situation fertigzuwerden. Die Menschheit kann zum Mond fliegen, aber ist nicht in der Lage, diesem fünften Kind zu helfen? Das ist ein Problem.

Wie kam es schließlich zur Idee, das Buch „Wie man Riesen bekämpft“ zu schreiben?

Auf einer Kinderstation im Warteraum habe ich einen Flyer gefunden. Dort waren Sätze abgedruckt wie: „Halte durch!“ oder „Alles wird gut!“. Das hat mich schockiert. Als Mentaltrainer wurde mir klar, wie ohnmächtig wir als Gesellschaft sind, Mut zu machen. Dem wollte ich etwas entgegensetzen. So ist die Idee entstanden, gemeinsam mit Prominenten Mutmach-Geschichten zu schreiben.

War es schwierig, die vielen prominenten Gastautoren für Ihr Projekt zu gewinnen?

Die Promis zu gewinnen war nicht schwierig. Herausfordernd war für viele dagegen der Prozess des Schreibens. Das war für mich eine wichtige Erkenntnis. Den Menschen fällt es unglaublich schwer, Mut zu machen, ohne oberflächlich wie die Krankenhausbroschüren zu sein.

Gemeinsam mit Promis, die an dem Buch mitgearbeitet haben, besuchen Sie Kinderkliniken und Jugendpsychiatrien. Wie läuft ein solcher Besuch ab?

So ein Mutmach-Event dauert meist anderthalb Stunden. Begleitet werde ich von einem Fußballprofi als Überraschungsgast. Die Vereine der Profis geben oftmals Fan-Utensilien als Geschenke mit. Wir nehmen uns dann einfach Zeit und reden mit den Kindern und deren Eltern. In den Gesprächen geht es nicht um die aktuellen Fußballergebnisse, sondern vielmehr darum, was dem Profi Mut macht. Die Kinder oder Eltern können natürlich auch Fragen stellen. Einmal haben wir spontan mit dem Torhüter von Saarbrücken ein Elfmeterschießen gemacht. Ein Stoffball und zwei Stühle als Tor – mehr brauchte es nicht. Und natürlich hat er keinen Schuss gehalten …

Gibt es ein Erlebnis im Krankenhaus, das Ihnen ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ja. Einmal hat ein zwölfjähriger Junge von seinem Gehirntumor erzählt. Es war mucksmäuschenstill im Raum. Er ist aufgestanden und hat zu den anderen Kindern gesagt: „Wir müssen kämpfen. Es ist wichtig, zu kämpfen. Die Fußballer kämpfen ja auch.“ Er hat uns alle zu Tränen gerührt. Dieser Junge war extrem mutig und überzeugt, dass er es schafft, den Krebs zu besiegen. Er hat uns allen gezeigt, wie man eine gute Einstellung bewahrt und kämpft.

Was braucht es, um ein Mutmacher zu sein?

Empathie. Man muss sich in andere Menschen hineinversetzen können und Mitgefühl für andere entwickeln. Menschen, die sich ernsthaft für das Wohl anderer interessieren, sind in unserer Gesellschaft aber eine Ausnahme. Wir leben in einer Ich-Gesellschaft. Je mehr wir uns mit toten Dingen wie Smartphones beschäftigen, desto mehr verlieren wir unsere Empathiefähigkeit.

Smartphones, Bildschirme und viele andere tote Dinge sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Was empfehlen Sie?

Wir müssen diese Dinge natürlich nicht aus unserem Leben verbannen. Aber wir brauchen doch zum Beispiel abends nicht drei verschiedene Krimis oder ständig Sondersendungen zu Corona im Fernsehen. Es gibt Millionen Menschen, die vereinsamen und mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Statt Bildern von Leichen und anderen destruktiven Inhalten benötigen sie etwas Mutmachendes. Das wäre auch eine riesige Chance für ARD und ZDF. Sie könnten die „Mutmacher-Sender“ sein und Millionen von Menschen helfen. So könnten sie auch ihrem Bildungsauftrag gerecht werden.

Vielen Dank für das Gesrpäch!

David Kadel ist Buchautor, Kabarettist und arbeitet als Mentaltrainer in der Fußball-Bundesliga. Darüber hinaus tritt er als Führungskräfte-Coach auf und berät Unternehmen mit seinem Programm H.E.R.Z.E.N.S.-Coaching.

Die Fragen stellte Martin Schlorke

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