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Den Kirchen gehen die Pfarrer aus

Die Kirchen haben ein Personalproblem. Für die jüngere Generation ist der Pfarrerberuf nicht mehr attraktiv. Schuld ist vor allem die Arbeitsbelastung.
Von Norbert Schäfer
In Deutschland werden pro Jahr nur noch zwischen 60 und 70 Priester geweiht
In Deutschland werden pro Jahr nur noch zwischen 60 und 70 Priester geweiht

Die Zahl der Kirchenmitglieder ist rückläufig. Eine Studie des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg vom Mai dieses Jahres hat ergeben, dass die Kirchen bis 2060 49 Prozent ihrer Mitglieder verlieren werden. Aber auch um das Personal ist es schlecht bestellt. Den Kirchen gehen die Pfarrer aus. Das berichtet der Nachrichtensender n-tv am Mittwoch. Demnach sinkt die Zahl der Pfarrer und Priester seit Jahren. In Deutschland werden nach Angaben des Berichtes in Deutschland pro Jahr nur noch zwischen 60 und 70 Priester geweiht. Das reiche nicht aus, um vakante Stellen – wegen Ruhestand und Tod – zu besetzen.

Bei vielen jungen Katholiken sei der Zölibat ein „Knackpunkt“, sich gegen das Priesteramt zu entscheiden. Jedoch werden dem Bericht zufolge beide Kirchen von Nachwuchssorgen geplagt. Die EKD, dort können Männer und Frauen, verheiratet oder nicht, Pfarrer werden, kämpft mit dem gleichen Problem. Als Grund führt n-tv in dem Bericht an, dass vor allem die hohe Arbeitsbelastung den Beruf unattraktiv macht.

Neues Finanzierungsmodell

Auch bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ist der Pfarrermangel am Mittwoch ein Thema. „In der römisch-katholischen Kirche kann von einer engmaschigen Versorgung der Gemeinden aufgrund des Priestermangels schon längst keine Rede mehr sein”, schreibt Reinhard Bingener unter dem Titel „Das gerissene Netz”. Und weiter: „Das alte Ensemble aus Pfarrer, Kirchturm und tausend mehr oder minder frommen Seelen findet man insbesondere im Osten Deutschlands nirgends mehr.”

Bingener schildert am Beispiel der Stadt Bad Düben das Schicksal vieler Kirchengemeinden. In dem Ort mit rund 8.000 Einwohnern ist die evangelische Pfarrstelle verwaist. Um das Pfarrhaus wieder mit Leben zu füllen, hat sich ein privater Förderverein gebildet und sammelt Geld. Mit 100.000 Euro will der Verein wenigstens für drei Jahre eine halbe Pfarrstelle finanzieren. 23.000 Euro hat der Verein dazu schon gesammelt, damit die Stadt wieder einen eigenen Pfarrer bekommt.

2030 fehlen 14.000 Geistliche

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus vom November 2018 zufolge werden den beiden Kirchen bis zum Jahr 2030 insgesamt rund 14.000 Geistliche fehlen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, ging davon aus, dass bis 2030 etwa 7.000 der aktuell rund 13.500 Priesterstellen in den katholischen Bistümern nicht mehr besetzt werden können. Ähnlich ist die Lage bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Pfarrerverband erwartet, dass von derzeit rund 21.000 Pfarrstellen bis zum Jahr 2030 ebenfalls rund 7.000 Stellen nicht mehr besetzt werden können.

Von: Norbert Schäfer

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