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Demokraten brauchen Twitter nicht

Grünenchef Robert Habeck twittert nicht mehr und Deutschland tut so, als verabschiede er sich damit von der Demokratie an sich. Dass das nicht stimmt, zeigt ein Blick in das Soziale Netzwerk: Bei allen Vorteilen des schnellen Informationsflusses ist Twitter vor allem das Instrument der Populisten und Verkürzer. Ein Kommentar von Anna Lutz
Von Anna Lutz
Robert Habeck steigt bei Twitter aus.

Foto: Dennis Williamson, www.williamson-foto.de

Robert Habeck steigt bei Twitter aus.

Robert Habeck ist nicht dafür bekannt, sich verbale Ausrutscher zu leisten. Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass er von manchen als nächster Kanzler gehandelt wird. Habeck ist verlässlich, gilt als Stimme der Vernunft, und ist noch dazu sympathisch – eine Mischung, die bei den Grünen nicht allzuoft vorkommt. Dennoch hat er sich auf Twitter gleich zweimal in Ton und Wortwahl vergriffen. Am Sonntag erklärte er, Thüringen zu einem demokratischen Land machen zu wollen. Im Oktober bestritt er, dass es unter dem damaligen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer Demokratie in Bayern gegeben habe.

Habeck bereute seine jüngste Äußerung öffentlich, glaubhaft und umgehend. Er zog eine Konsequenz, die nun von allen Seiten und politischen Richtungen kritisiert wird: Er stieg bei Twitter und Facebook aus. Seine Begründung: Twitter sei ein „sehr hartes Medium, wo spaltend und polarisierend geredet wird“. Das färbe auf ihn ab. Die Kritik an seinem Schritt folgte ebenso schnell: Rückwärtsgewandt nannte etwa der Focus die Entscheidung. Der Sender n-tv verordnete Habeck in einem Kommentar Demokratienachhilfe anstelle des Twitterabschieds. „Ein Schriftsteller und Politiker muss in der Lage sein, mit Worten richtig und verantwortungsvoll umzugehen. Auch bei Twitter und Facebook“, urteilt der Deutschlandfunk. Twitter dürfe nicht Donald Trump und Co überlassen werden.

Doch genau hier liegt das Missverständnis. Wer Twitter zum unverzichtbaren demokratischen Instrument erhebt, schätzt die Macht von Social Media-Blasen und Fake News zu gering ein. Ja, jeder kann in Sozialen Medien fröhlich mitreden und das ist gut so. Doch erfolgreich sind vor allem jene Player, die Inhalte verkürzt wiedergeben und auf die großen Schlagzeilen setzen. Wer komplexe Inhalte vermitteln will, scheitert bei Twitter, wer schnelle News generieren möchte, hat es leicht. Damit ist die Plattform das perfekte Instrument der Populisten und Verkürzer. Nicht umsonst nutzen Politiker der AfD es mit Vorliebe und geraten so immer wieder in die Schlagzeilen.

Robert Habeck muss es nicht machen wie Donald Trump oder Beatrix von Storch. Es gibt andere Kommunikationskanäle. Angela Merkel hat Twitter nie bedient. Das Generieren der schnellen News hat nichts mit politischer Stärke zu tun. Von letzterer zeugt es eher, wenn sich ein Verantwortungsträger Zeit nehmen kann, um das Tagesgeschehen zu reflektieren. Der Twitterschwarm fordert automatisch die schnelle Antwort, den griffigen Kommentar, das eindrückliche Zitat – dazu gehören auch die dort aufmerksam mitlesenden Journalisten. Gute Politik aber wird so nicht gemacht. Nur die schnell- und kurzlebige Nachricht.

Von: Anna Lutz

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