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Dem Zweifel Raum geben

Der Fall Relotius hat für Veränderung in der Arbeit von Journalisten mit sich gebracht. Das ging aus den Podiumsgesprächen auf der Fachtagung zu den Täuschungsfällen in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing hervor. Seminare an den Journalistenschulen allein helfen nicht, sagte die Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, Henriette Löwisch.
Von Jörn Schumacher
Ulrike Heidenreich, leitende Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, Isolde Fugunt, Studienleiterin am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München, Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, Gianna Niewel, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung (v.l.r.)

Foto: pro / Jörn Schumacher

Ulrike Heidenreich, leitende Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, Isolde Fugunt, Studienleiterin am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München, Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, Gianna Niewel, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung (v.l.r.)

Auf der Tagung „Jetzt mal ehrlich! Was Journalismus aus den Täuschungsfällen lernen muss“ bei der Akademie für Politische Bildung in Tutzing warnte die Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, Henriette Löwisch: „Mit noch mehr Seminaren zu Medienethik ist das Problem nicht gelöst.“ Sie gebe dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier Recht und plädierte dafür, dass sich die Kultur im Journalismus ändern müsse. „Relotius hat dazu geführt, dass Journalisten ehrlich miteinander sprechen.“ Im amerikanischen Raum gebe es Faktenchecker, die nichts anderes tun, als den Text auf die Inhalte hin zu prüfen, so Löwisch. So sei es dort etwa nicht erlaubt, mehrere Interviewpartner im Text zu einer Quelle zu machen. „Man sollte sich dann lieber die eine Person aussuchen, die am aussagekräftigsten ist.“

Gianna Niewel, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung (SZ), forderte mehr Ethik im Journalismus und nannte ein Beispiel für fragliche Methoden im Journalismus: Reporter hatten vor dem Haus der Eltern des Piloten Andreas Lubitz Kameras ausgebaut. Lubitz hatte 2015 als Kopilot einen Airbus A320 von Germanwings in den französischen Alpen bewusst zum Absturz gebracht und den Tod von 149 weiteren Menschen verursacht. Niewel plädierte dafür, in den Redaktionen mehr Diskussionen darüber zu führen, was ethisch vertretbar ist. Redakteure sollten mehr Mut haben zu sagen, wenn sie Aufträge aus ethischen Gründen ablehnten. Auch Niewel stellte klar: „Seit Relotius hat sich etwas geändert. Wir haben in unserer Redaktion danach den Faktencheck intensiviert.“

Isolde Fugunt, Studienleiterin am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München, sagte, Medienethik sei Teil jedes Journalistenausbildungsgangs. „Wir versuchen dem Zweifel Raum zu geben. Das versuchen wir an der Journalistenschule zu vermitteln.“ Sie betonte, dass bei der Recherche die Leit-These eines Journalisten immer mehr an Substanz verlieren könne, bis sie eventuell am Ende nicht mehr tragbar sei. Sie plädierte dafür, dass beim Redigieren eines Textes nicht nur auf den Stil geachtet werde, sondern auch auf die Wahrheit der Fakten.

Von: Jörn Schumacher

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