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Das Wort zum Sonntag: Recycling-Tipps am Samstagabend

Seit 60 Jahren läuft jeden Samstagabend das „Wort zum Sonntag“ im Ersten. Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung hat sich die Sendungen über mehrere Wochen hinweg kritisch angesehen und kommt zu einem wohlwollenden Ergebnis.
Von PRO
Ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung hat sich über mehrere Wochen samstagabends das Wort zum Sonntag angesehen

Foto: ARD

Ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung hat sich über mehrere Wochen samstagabends das Wort zum Sonntag angesehen
Am Anfang klingt es wie ein klassischer Verriss. Matthias Drobinski beschreibt in der Süddeutschen Zeitung eine typische Samstagabend-Ansprache der Wort zum Sonntag-Sprecherin Nora Steen. Sie ziehe Vergleiche zwischen der Zeit Jesu und dem Medienzeitalter von heute, und Drobinski möchte der Pastorin zurufen: „Halt! Tun Sie das bitte nicht! Man möchte nicht wissen, ob Jesus heute Golf fahren würde, ob er bei den Grünen wäre oder bei der CSU.“ Sehr überrascht habe ihn die Ansprache Steens dann nicht.

Biedere Blusen oder Cordjacketts

„So ist es, das Wort zum Sonntag“, resümiert Drobinski. „Wenn einer sagen will, dass etwas hohl pathetisch ist, onkelhaft oder tantig, ins Leere gesprochen, dann sagt er: Wie beim Wort zum Sonntag.“ Die Sprecher der Sendung trügen „biedere Blusen oder Cordjacketts“. „Der Wasserverbrauch steigt, wenn das Wort zum Sonntag beginnt. Dann geht das Volk pinkeln.“ Doch der SZ-Autor fragte sich: „Woher kommen die knapp zwei Millionen Menschen, die jeden Samstag einem Sendeformat folgen, das allen Gesetzen des Mediums spottet?“ und schaute sich die Sendungen von Neujahr 2015 bis Ostern an.

„Geistlicher ist kein Recycling-Experte“

Vier Frauen und vier Männer schreiben und sprechen die Beiträge. Sie sind zwischen 38 und 64 Jahre alt, vier sind katholisch, vier evangelisch. Die erste Sendung lief bereits am 8. Mai 1954. „Die Ansprachen beginnen meist mit einem aktuellen Beispiel aus der Zeitung oder dem Privatleben und führen übers allgemeine Philosophieren hin zum Glauben, in Struktur und Aufbau sind die Beiträge selten originell. Manchmal reduzieren die Texte den Gottesbezug auf Andeutungen.“ Enttäuscht habe ihn besonders Alfred Buß, der für das Recyceln plädierte und dagegen, das alte Handy einfach in den Müll zu werfen. „Das hat man schon tausend Mal gehört – und neunhundert Mal war es besser. Ein Geistlicher ist ein Geistlicher und kein Recycling-Experte.“

„Viel Nachdenkliches, Suchendes, Tastendes“

Doch Drobinski kann dem Format unterm Strich etwas abgewinnen. „Insgesamt aber sind die Vier-Minuten-Stücke meist besser als erwartet, befürchtet“, schreibt er. Ja, es gebe lahme Einstiege und schiefe Bilder, und die Beiträge könnten mutiger sein, findet er. Aber: „Es gibt Samstagabend für Samstagabend sehr viel Nachdenkliches, Suchendes, Tastendes.“ Die Sendung wolle die Leute nicht in die Kirche ziehen. „Es versucht, Sinn und Leben zusammenzubringen.“ Am Ende die direkte Ansprache an die Wort zum Sonntag-Macher: „Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Aber man muss eurer Sendung noch viele gute Jahre wünschen. Wer sonst wagt es, den durchgestylten Samstagabend zu unterbrechen? Religion ist Unterbrechung, hat der Theologe Johann Baptist Metz einmal gesagt. Ihr seid im besten Sinne religiös.“ (pro)
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