Das sind die zehn international einflussreichsten Prediger der USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben unzählige einflussreiche Prediger hervorgebracht. Hier sind zehn der international wichtigsten.
Eine persönliche Liste von Christian Biefel
Top 10 international einflussreiche Prediger USA, Titelbild

Die Vereinigten Staaten von Amerika existieren seit einem Vierteljahrtausend. Christliche Prediger sind dabei nicht wegzudenken. PRO-Volontär Christian Biefel stellt seine persönlichen Top 10 der international einflussreichsten Verkündiger vor.

10. Der Fernsehpastor: Charles Stanley (1932–2023)

Charles Stanley, amerikanischer Pastor Foto: In Touch Ministries | CC BY 3.0 Unported
Charles Stanley während einer seiner Sendung

„Gehorche Gott und überlasse ihm die Folgen.“ Es ist eine oft zitierte Aussage des Theologen Charles Stanley. Internationale Bekanntheit erlangte der ehemalige Pastor der „First Baptist Church of Atlanta“ jedoch nicht durch das Zitat, sondern durch seine zahlreichen Bibelauslegungen im Radio und Fernsehen. Mehr als 1.800 Sender verbreiteten seine Predigten international in über 50 verschiedenen Sprachen. Stanley gründete 1977 den noch heute in Amerika bedeutsamen Lehr- und Mediendienst „In Touch Ministries“ (ITM). Laut Angaben der ITM-Website erreichte er dadurch knapp 120 Millionen amerikanische Haushalte. Der bereits verstorbene Theologe wollte Menschen in „Berührung“ mit Gott bringen. Er sprach der Bibel göttliche Autorität zu und verzichtete in seinen Sendungen meist auf Entertainmenteinlagen.

9. Der Vernünftige: Tim Keller (1950–2023)

Timothy Keller Foto: Frank Licorice | CC BY-SA 2.0 Generic
Apologet Timothy Keller spricht auf der Bühne von Gott

Tim(othy) Keller war ein presbyterianischer Theologe. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er 1989 die „Redeemer Presbyterian Church“ in Manhattan. Dort war er als Pastor tätig und predigte regelmäßig vor mehreren tausend Gottesdienstbesuchern. Die „Erlöserkirche“ brachte mehr als 250 Tochtergemeinden in knapp 50 Städten hervor. Keller schrieb zudem Bücher, die sich oft verkauften, darunter der „New-York-Times“-Bestseller „Warum Gott? Vernünftiger Glaube oder Irrlicht der Menschheit“. Das Buch verkaufte sich mehr als eine Million Mal und ist in 15 Sprachen erhältlich. Auch seine Podcasts und YouTube-Predigten erreichten weltweit ein Millionenpublikum. Keller sah zwischen Glaube und Vernunft keinen Widerspruch. Durch zahlreiche rationale Argumente warb er dafür, Jesus Christus nachzufolgen. Der protestantische Gläubige gilt als einer der einflussreichsten Apologeten des Christentums, insbesondere in urbanen Kontexten.

8. Der Genießer: John Piper (1946)

John Piper Foto: Micah Chiang | CC BY 2.0 Generic
Vers für Vers: John Piper bei einer Predigt.

Auch weil er das Internet frühzeitig, strategisch und konsequent nutzte, bekam John Piper eine große Reichweite und weltweiten Einfluss. Bereits im Jahr 1994 gründete er die Organisation „Desiring God“. Eine Website, die neben vielen Infomaterialien auch kostenlose Audiopredigten zur Verfügung stellte. Der im Bundesstaat Tennessee aufgewachsene Theologe lehrte an der Bethel-Universität Praktische Theologie und biblische Exegese. Bekanntheit erlangte er durch seine Theologie und Vers-für-Vers-Bibelauslegungen. Piper schrieb zudem mehr als 50 Bücher. Laut seinem Buch „Sehnsucht nach Gott. Leben als ‚christlicher Genießer‘“ ist das Streben nach Freude und Glück eine von Gott aufgetragene Aufgabe für den Menschen. Seine Auslegungen der Bibel prägen bis heute zahlreiche Kirchengemeinden.

7. Der Studienbibelautor: John MacArthur (1939–2025)

John MacArthur (2013) predigt von der Kanzel Foto: R. Huggins | CC0 1.0 Universal
Der Theologe John MacArthur kommentierte das ganze Neue Testament

Für nahezu jeden konservativen Christen dürfte der Name John MacArthur ein Begriff sein. Der wichtigste Grund dafür ist die Studienbibel, die der Theologe erstmals 1997 veröffentlichte. Darin finden sich neben den Bibeltexten zahlreiche Versauslegungen. Die „John MacArthur Studienbibel“ wurde weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Der ehemalige Pastor der „Grace Community Church“ veröffentlichte zudem die Auslegungsreihe „Kommentare zum Neuen Testament“. Von dieser wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft. Solange der Theologe lebte, war er ein entschiedener Gegner des „Wohlstandsevangeliums“. MacArthur hielt im Laufe seines Lebens tausende Predigten und veröffentlichte mehr als 400 Bücher.

6. Der Millionär: Joel Osteen (geboren 1963)

Joel Osteen Foto: RobertMWorsham | CC BY-SA 4.0 International
Der Unternehmer und Pastor Joel Osteen während einer Fernsehpredigt

Joel Osteen ist Pastor der „Lakewood Church“ in Texas. Als er die Leitung der Megachurch von seinem Vater übernahm, besuchten etwa 6.000 Gläubige die Kirche. Zwei Jahrzehnte später nehmen mehr als 50.000 Menschen an den wöchentlichen Gottesdiensten teil. Mit diesem rasanten Wachstum wuchs auch der Einfluss des Predigers enorm. Der Unternehmer, Motivationstrainer und Buchautor stößt mit seinen Predigten weltweit auf offene Ohren – aber auch auf harte Kritik. Bis zu zehn Millionen Menschen verfolgen seine Predigt-Streams. Osteen gilt als Vertreter des „Wohlstandsevangeliums“. Laut ihm sei es Gottes Wille, dass alle Menschen finanziell gut gestellt seien, schrieb eine Reporterin des kanadischen Magazins „The Thing“. Sie recherchierte zu Osteens Vermögen. Kritiker wie John MacArthur werfen ihm vor, das Evangelium zu verdrehen. Die Website „Celebrity Net Worth“ schätzt das Vermögen des Lakewood-Predigers auf 100 Millionen US-Dollar.

5. Die Predigerin: Joyce Meyer (1943)

Joyce Meyer, Facebook Foto: @joycemeyerministries, facebook | All Rights Reserved
Seit mehreren Jahrzehnten predigt die US-Amerikanerin Joyce Meyer auf internationalen Bühnen

Unter ihren Anhängern ist sie die unumstrittene Nummer eins, unter ihren Kritikern zumindest eine der einflussreichsten Predigerinnen der USA. Joyce Meyer gelangte trotz schwieriger Familienverhältnisse zu Weltruhm. Dazu trug auch die Gründung des Missionswerks „Joyce Meyer Ministries“ bei. Die Predigten der mittlerweile Über-80-Jährigen erreichen ein Millionenpublikum auf der ganzen Welt. Mehr als 600 Fernsehsender haben ihre Produktionen übernommen. In Deutschland sind dies unter anderem Super RTL und Bibel TV. Meyer ist zudem Autorin von mehr als 100 christlichen Büchern. Ihre Werke sind in zahlreichen verschiedenen Sprachen erhältlich und wurden rund zwölf Millionen Mal verkauft. Das „Time Magazine“ zählt sie zu den 25 einflussreichsten evangelikalen Predigern der USA.

4. Der Bestseller-Autor: Rick Warren (1792–1875)

Rick Warren 2006
Rick Warren 2006

Das US-amerikanische Magazin „Christianity Today“ würdigte ihn als den einflussreichsten Pastor der USA: Rick Warren. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem durch sein Buch „The Purpose Driven Life“, das auf Deutsch als „Leben mit Vision“ erschien. Darin beschreibt er fünf Prinzipien, die für ein zielgerichtetes und sinnerfülltes Leben wesentlich seien. Mehr als 50 Millionen Menschen kauften das Buch. Der „New-York-Times“-Bestseller ist in 137 verschiedenen Sprachen erhältlich. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Werk durch eine Geiselnahme in Atlanta im Jahr 2005. Die Geisel Ashley Smith hatte ihrem Entführer kurz vor ihrer Freilassung Passagen daraus vorgelesen. Warren ist Gründer der baptistischen „Saddleback Church“. Ableger seiner Gemeinde finden sich unter anderem in Berlin und Hongkong. Außerdem sprach Warren das Gebet bei der Amtseinführung von Barack Obama im Jahr 2009.

3. Der Ausbilder: Dwight Lyman Moody (1837–1899)

Dwight Lyman Moddy Foto: Paul J. Scheips | Public Domain Mark 1.0
Dwight Lyman Moddy

Das Wirken des Erweckungspredigers Dwight Lyman Moody liegt schon mehr als ein Jahrhundert zurück. Dennoch gilt er nach wie vor als einer der international einflussreichsten Prediger der USA. Gemeinsam mit dem Sänger Ira David Sankey reiste er seinerzeit durch ganz Amerika. Auf seinen „Evangeliums-Feldzügen“ predigte Moody insgesamt zu knapp 100 Millionen Menschen. Was seine internationale Bedeutung förderte, war sein aktiver Einsatz für die Weltmission. Unter anderem gründete er 1889 das „Bibelinstitut von Chicago“. Es hatte die Aufgabe, evangelische Missionare auszubilden. Bis heute hat das Institut insgesamt 260.000 Evangelisten und Missionare ausgebildet und international entsendet. Heute heißt das Zentrum „Moody Bible Institute“.

2. Der Märtyrer: Martin Luther King jr. (1929–1968)

Martin Luther King jr., 1968 Foto: Dick DeMarsico | Public Domain Mark 1.0
Martin Luther King Jr., 1968

„I have a dream.“ Die Anfangsworte der Rede von Martin Luther King können viele in Deutschland nach wie vor auswendig rezitieren. Es ist ein Zeugnis für Kings breiten internationalen Einfluss. Der Baptistenpastor gilt als Sinnbild des gewaltlosen Widerstandes. King war der bedeutendste Sprecher der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die sich zwischen Mitte der 1950er und 1960er Jahre in Amerika gegen die Rassentrennung richtete. Seine Methode: gewaltloser ziviler Ungehorsam. Der Einsatz des schwarzen Pastors trug unter anderem dazu bei, dass die US-Regierung die Rassentrennung gesetzlich aufhob. Der studierte Soziologe und Theologe sah sich durch den Glauben stets in der Verantwortung, die Gesellschaft mitzugestalten. King erhielt 1964 für sein Wirken den Friedensnobelpreis. Vier Jahre später erschoss der mehrfach vorbestrafte Rassist James Earl Ray den Pastor auf dem Balkon eines Motels.

1. Das Maschinengewehr Gottes: Billy Graham (1918–2018)

Billy Graham, 1966 Foto: Warren K. Leffler | Public Domain Mark 1.0
Billy Graham, 1966

Die Medien nannten ihn „das Maschinengewehr Gottes“. Billy Grahams Spitzname ist zurückzuführen auf seine markante und unermüdliche Evangelisationsarbeit. Diese machte ihn zum wohl einflussreichsten Prediger der USA. Auf 417 Großveranstaltungen sprach er zu mehr als 200 Millionen Menschen in fast 200 Ländern. In Deutschland predigte Graham allein siebenmal. Der studierte Theologe war Mitbegründer der evangelistischen Jugendorganisation „Youth for Christ“ (YFC). Zudem gilt Graham als Initiator des Internationalen Kongresses für Weltevangelisation, der 1974 in Lausanne seinen Anfang nahm. Das „Maschinengewehr Gottes“ hatte außerdem seelsorgerlichen Kontakt zu mehreren amerikanischen Präsidenten beider Parteien. Durch Graham verstärkte sich die Verflechtung des evangelikalen Christentums und der politischen Machthaber. Der letzte Auftritt des einflussreichen Predigers in Deutschland war 1993 bei „proChrist“.

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