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Das liebe Geld und das Böse in der Welt

Der frühere Notenbanker Otmar Issing versucht in der FAZ eine Ehrenrettung des Geldes. In der Bibel und im kirchlichem Denken entdeckt er dabei eine antikapitalistische Haltung.
Von PRO
Verteufelt das Christentum das Geld? Ein Artikel in der FAZ sagt: Ja
Verteufelt das Christentum das Geld? Ein Artikel in der FAZ sagt: Ja
Der erste Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, hat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegen die Auffassung angeschrieben, ohne Geld sei alles besser. Offenbar verortet er dieses Denken bei Vertretern der Blockupy-Bewegung, die zuletzt bei der Eröffnung des neuen Sitzes der EZB protestiert hatten. Auch im biblischen und kirchlichen Denken entdeckt er antikapitalistische Gedanken.

Die Frage des Zinses

Laut seiner Analyse, die den ersten Teil des Artikels ausmacht, haben Judentum, Christentum und Islam eine „Aversion gegen das Zinsnehmen“ entwickelt. Doch wer sich das Zitat aus der Thora ansieht, das Issing anführt, wird zumindest für das Judentum keine generelle „Aversion“ als beherrschenden Gedanken feststellen, sondern Schutz der Armen: „Wenn Du Deinem Bruder, der arm ist, Geld leihst, dann sollst Du ihm gegenüber nicht wie ein Wucherer handeln; Du sollst keine Zinsen von ihm nehmen“ (2. Mose 22,24). Mit anderen Worten: Zinsnahme ist im biblischen Denken nur dann verpönt, wenn sie Ausbeutung bedeutet. Zu seiner Auffassung, es gebe eine „im Religiösen begründete Haltung, das Geld zu verteufeln“ kommt Issing unter anderem aufgrund einer Äußerung des Papstes. Dieser kritisiert, dass das Geld Vorrang vor den Menschen bekommen habe. Dies sei der eigentliche Grund für die Finanzkrise. Faktisch sprach der Papst eine Rangfolge an, die er als problematisch bewertete. Issing schlussfolgert daraus, dass im Christentum das Geld „zum Schuldigen für fast alle Übel der Welt“ gemacht werde.

Geld, Zins und Wucher

Mit dieser These stellt er Judentum und Christentum in eine Reihe mit nationalsozialistischen und sozialistischen Gedankengängen in ihrer antikapitalistischen Haltung. Er führt den kirchlichen Denker Thomas von Aquin an, der von einer „Zinssünde“ gesprochen hat. Wenig später zitiert er aus dem Parteiprogramm der NSDAP von 1920, dass die „Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes“ fordert. Dabei ist aber auch zu erwähnen, dass sich Thomas von Aquin zumindest für Strafzinsen ausgeprochen hat. Es ist zwar korrekt, dass die Kirche zinsskeptisch gehandelt und gedacht hat. Aber von den Kirchenvätern bis hin zu Luther – wie auch in der Torah – ging es nie um ein absolutes Verbot. Luther wettert eben nicht gegen den Zins, sondern gegen den Wucher, eine Unterscheidung, der Issing überhaupt nicht nachgeht.

Das liebe Geld

Am Ende ist es für Issing allein die Sicht der wirtschaftlichen Vernunft, die von abstrusen Gedanken wie „Abschaffung des Geldes“ befreit. Entsprechend folgt im zweiten Teil des Artikels ein Plädoyer für die Sinnhaftigkeit des Geldes: Es vereinfache als Zahlungsmittel und Recheneinheit die Wirtschaftsabläufe und bedeute letztlich auch persönliche Freiheit – zum Beispiel lasse sich Geld auf einfache Weise auf Reisen mitnehmen. Die Schriften des Judentums und Christentums taugen in dem Artikel allenfalls als Quelle für Geschichten und Metaphern, um die wirtschaftliche Sicht zu unterstreichen. Und so findet Issing: Das Geld sei gar nicht das Böse, denn Kain habe Abel schon vor der Erfindung des Geldes erschlagen. Und schließlich: „(Das Geld) ist zwar nicht vom Himmel gekommen, aber ebensowenig aus der Hölle.“ (pro)
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