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Das Kalifat des Bösen

Wer Eugen Sorgs Buch "Die Lust am Bösen" zu lesen beginnt, meint es mit einer Abhandlung über das Phänomen Gewalt zu tun zu haben. Doch was der Verlag "Nagel & Kimche" da herausbringt, ist eine empörte Streitschrift wider den radikalen Islam. Denn das Böse, das Sorg für sein Buch suchte, fand er manifestiert im radikalen Islamismus, der sich über weite Teile der Welt ausbreitet.
Von PRO

Foto: Nagel & Kimche / pro

Eugen Sorg war Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Außerdem arbeitete er viele Jahre als Journalist. Unter anderem bei seiner Reise im Jahr 1992 als IKRK-Delegierter ins zerfallene Jugoslawien wurde er mit viel Leid und Geschichten über Brutalitäten und Quälereien konfrontiert. Dass Sorg zudem als Psychotherapeut gearbeitet hatte, lässt erahnen, woher sein Interesse an dem Phänomen "Das Böse" kommt. Der 61-jährige in Zürich Geborene ist heute Textchef bei der "Basler Zeitung".

Sorg geht das Thema zunächst so an, wie man es erwarten würde. Er beschreibt verschiedene Formen des Bösen. Von mordenden Krankenpflegern, die argumentierten, sie hätten zum Wohl der Patienten gehandelt, über Schergen afrikanischer Despoten wie Charles Taylor, bis hin zu Adolf Eichmann, dessen "Banalität des Bösen" Hannah Arendt beschrieb. Beinahe die Hälfte der Morde im Dritten Reich war nur möglich, weil ehemals unbescholtene Bürger bereit waren, ihren moralischen Kompass zu ignorieren. Auch das berühmte Milgram-Experiment darf bei einer Betrachtung des Bösen im Menschen nicht fehlen. Dabei stellte sich 1961 heraus, dass Menschen bereit sein können, anderen Menschen Schmerzen zuzufügen oder gar zu töten, nur weil ein Aufseher in Uniform es von ihnen verlangt.

Unsere moderne Gesellschaft habe die These von der "Erbsünde" des Menschen immer mehr infrage gestellt. Und damit das Dogma von der Notwendigkeit der Erlösung. "Die Humannatur sei primär gutartig und unschuldig, verkündeten die radikalen Aufklärer des 18. Jahrhunderts (…)." Auch die Psychoanalyse Sigmund Freuds habe einen "Therapiekult" ausgelöst, der auf der Annahme aufbaute, den Menschen von allem Bösen zu heilen, sprich: ihn gut zu machen. Aber gehört das Böse nicht wesentlich zum Sein des Menschen? "Das Böse existiert allenfalls noch als Plot von Krimiautoren; als Thema amerikanischer Forensik-TV-Serien (…)", stellt der Journalist und Psychotherapeut fest. "Wird der intrinisische Charakter des Bösen negiert, erkennt man es auch nicht mehr, wenn es direkt vor einem steht."

Warten auf den Erlöser "Mahdi"

Dann kommt Sorg auf die Attentäter des 11. September 2001 zu sprechen. Und er nimmt eine Fährte auf, die ihn für den Rest des Buches "Die Lust am Bösen" nicht mehr loslässt. Sicher lauert das Böse überall, in Bosnien, im Zweiten Weltkrieg, in Ruanda und in unseren Vororten. Doch kaum irgendwo erscheint das Fehlen irgendeines rational nachvollziehbaren Hintergrundes einer bestialischen Tat so frappierend wie im radikalen Islam. Nationalismus und Religion könne man nicht als primäre Ursache von Kriegen ansehen. Vielmehr gebe es einen "mächtigeren Antrieb". Der sei schlicht die Lust am Bösen.

Die neun Todesflieger vom 11. September waren keineswegs verzweifelt oder verarmt, so Sorg. "Palästinensische Selbstmordattentäter aus Gaza oder der West Bank beispielsweise stammen, wie Claude Berrebi von der Princeton Universität nachgewiesen hat, überwiegend aus Familien, die oberhalb der Armutsgrenze leben, und beinahe sechzig Prozent von ihnen haben das Gymnasium absolviert – von der Gesamtbevölkerung kommen weniger als dreizehn Prozent zu einem Gymnasialabschluss."

Mohammed Bouyeri machte in Holland Abitur, studierte Informatik und später Sozialpädagogik. Im November 2004 erschoss er auf offener Straße den Künstler Theo van Gogh mit fünfzehn Schüssen, anschließend durchschnitt er ihm mit einem Krummdolch die Kehle und rammte ihm dann zwei Messer in die Brust. Die Liste derartiger Fälle ließe sich fortführen. Fast nie war der Täter verarmt, besonders dumm oder psychisch krank.

Sorg mach sich die Mühe, in die Geschichte des fanatischen Islams zu blicken und stößt auf die Hoffnung strenggläubiger Moslems auf den Mahdi, der eines Tages von Allah geschickt werden wird, "um den blutigen Machtkämpfen unter den muslimischen Brüdern ein Ende zu bereiten". Mahmud Ahmadinejad, gegenwärtiger Präsident des Iran, will das Erscheinen dieses Erlösers vorantreiben, in Teheran will er ihm einen Prachtboulevard errichten. Als  Ahmadinejad 2005 vor den Vereinten Nationen sprach, glaubte er sich in ein himmlischen Licht gehüllt – ein Zeichen jenes Mahdis. So wie im schiitischen Islam erwache auch im sunnitischen Islam der Wunsch nach einer weltgeschichtlichen Erlösung wieder neu, so Sorg. Und das zeige sich an einem brutalen Kampf, mit Bomben, Gemetzel, Verstümmelung von Frauen, die nicht richtig verschleiert sind oder anders gegen die Scharia verstießen. Die Muslimbrüder wollen alle vom Glauben abgefallenen Staatschefs eliminieren, den Westen in seine Schranken weisen und für den Unglauben bestrafen.

Ungewollte Aktualität erhält das Buch, als Sorg über Algerien schreibt: "Würden heute freie Wahlen stattfinden, wäre ein erneuter Sieg der radikalen Muslime gut möglich. Genauso wie in Ägypten, Jordanien und anderen arabischen oder auch asiatischen Staaten. Die Ikhwan, die Muslimbruderschaft, hat in mehr als siebzig Ländern Anhänger."

Wenn Elias Canetti recht habe, dass der Islam eine "Kriegsreligion" sei und für deren Gläubige der Kampf gegen die Ungläubigen die "Schlacht der genaueste Ausdruck des Lebens" sei, dann vertreten die Muslimbrüder einen authentischen Islam. "Dies wird jedoch von den meisten westlichen Politikern, Redaktoren, Pfarrern, Pädagogen vehement bestritten. Islam bedeute in Wirklichkeit Frieden, beschwören sie nach jedem Anschlag, als könnten sie mit dieser Formel das Unheil bannen."

Außer Chaos und Gewalt kein Konzept anzubieten

Sorg warnt, dass in europäischen Städten immer mehr Frauen Kopftücher tragen wollten, obwohl deren Mütter oder Großmütter "in den türkischen oder nordafrikanischen oder pakistanischen Herkunftsländern noch mit offenen Haaren in den Straßen spazierten". Immer mehr junge Euro-Muslime würden es vorziehen, unter dem Diktat der Scharia statt dem des säkularen Rechtsstaats zu leben. Sorg beschreibt eine Kultur, in der Kinder von Grund auf das Prinzip Gewalt erlernten, und wo Auspeitschen, Verstümmeln, Köpfen und Hängen für Delikte wie Fluchen, Diebstahl, Hexerei, Glaubensabfall oder Homosexualität normal sind.  

Der Al-Kaida-Kommandant Zarkawi sei für seine Enthauptungen bekannt und werde "Prinz der Metzger" genannt. Er und seine Kollegen zeigen sich regelmäßig auf dem Handy Videos der neuesten Enthauptungen von "Ungläubigen", als seien es Familienfotos. "Wo der radikale Islam regiert, erstickt er die Freiheit, und alles stirbt ab. Intelligenz, Lebendigkeit, Neugierde, Menschlichkeit", schließt Sorg. "Außer dumm-religiösen Schwadronaden haben die heiligen Eiferer nicht einmal die Karikatur eines politischen oder wirtschaftlichen Konzepts anzubieten. Es interessiert sie nicht. Alles, was man wissen muss, hat Gott im Koran offenbart (…). Der "Kern des radikalen Islam" sei ein Todeskult, so der Schweizer Journalist. "Seine Krieger sind Partisanen des Nichts. Ihr Kalifat ist die Verneinung der Schöpfung, eine schwarze Utopie, die Herrschaft des Antihumanen. Ihre Religion heißt Sadismus, ihre Gebete sind der Albtraum jedes empfindsamen Lebewesens, ihre Messen sind Orgien der Verstümmelung." Auf seiner Suche nach dem Bösen stellt Sorg fest: "Der radikale Islamismus verkörpert die zeitgenössische Ideologie des Bösen." Doch schon der französische Schriftsteller Baudelaire habe gewusst: "Die größte List des Teufels war es, uns zu überzeugen dass es ihn nicht gibt." (pro)

Eugen Sorg: "Die Lust am Bösen. Warum Gewalt nicht heilbar ist." Verlag Nagel & Kimche, Zürich 2011, 14,90 Euro

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