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Das Hakenkreuz und gloria.tv

Spiegel TV will eine Verbindung zwischen katholischen Würdenträgern und dem vermeintlich katholischen Internetportal gloria.tv aufgedeckt haben. Die Kirche dementiert eine Zusammenarbeit.
Von PRO

Foto: Screenshot pro

„Gloria.tv steht für eine anti-demokratische Haltung. Also alles, was mit offener Gesellschaft zu tun hat, ist für gloria.tv eine Gefahr“, sagt Burkhard Hose, katholischer Hochschulpfarrer in Würzburg im Spiegel TV-Beitrag.

Weil „Gloria TV Productions“ im Handelsregister in der Schweizer Gemeinde Ilanz eingetragen sei, begab sich Spiegel TV-Reporter Hendrik Vöhringer in das Kanton Graubünden. An der Adresse traf er jedoch niemanden an. So reiste ein weiteres Kamerateam nach Moldawien, wo gloria.tv laut seines Impressums seinen juristischen Sitz hat. Dort traf das Team auch niemanden an.

Der Bischof von Chur, Vitus Huonder, soll eine Verbindung zu gloria.tv gehabt haben. In einem gloria.tv-Beitrag aus dem Juni 2008 empfehle Huonder „die Arbeit von Gloria TV als ein Werk, welches dazu beiträgt, den katholischen Glauben in Einheit mit dem Heiligen Vater darzustellen und zu fördern. Er bittet die Gläubigen, das Unternehmen wohlwollend zu unterstützen“, heißt es in dem Spiegel TV-Beitrag.

Im Schweizerischen Ort Sedrun versuchte das Fernseh-Team, Pfarrer Reto Nay zu sprechen, der dort tätig war. Er ist einer der Mitbegründer von gloria.tv. Doch er wollte laut des Berichts nicht mit dem Reporter sprechen. Mittlerweile wurde ihm als Pfarrer gekündigt. Der Präsident der Kirchengemeinde, Leci Brugger, erklärte gegenüber Spiegel TV: „Wir haben beschlossen, den Pfarrer Nay zu entlassen, weil er die Publikation in gloria.tv gemacht hat über die deutschen Bischöfe in Zusammenhang mit den Hakenkreuzen und das können wir nicht tolerieren. Das hat mit dem katholischen Glauben nichts zu tun.“ Auch Pfarrer Markus Doppelbauer, der laut Spiegel TV für die Internetserver des Portals zuständig sei, soll angeblich aus der Schweiz zurück in sein Heimatbistum Liechtenstein gehen.

Das Internetportal gloria.tv hatte Mitte Februar einen Beitrag über sechs deutsche Kardinäle und Bischöfe gezeigt, die sich für die „Pille danach“ ausgesprochen hatten – und legte über deren Bilder Hakenkreuze. Laut eigenen Angaben orientiert sich das Portal an der katholischen Lehre.

„Gloria.tv ist ein Internet-Portal für Katholiken und Internet-Nutzer aller Sprachen und Nationen. Unsere Ausrichtung orientiert sich streng an der katholischen Lehre“, heißt es auf der Internetseite des Senders. In der englischsprachigen Sendung des Portals „gloria.tv News“ vom 18. Februar zeigte der Sender sechs Bischöfe und Kardinäle, die sich für die „Pille danach“ ausgesprochen hatten. Über deren Bilder legte die Redaktion Hakenkreuze.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte sich bereits im Februar von dem Internetportal gloria.tv distanziert. Anlass war die Ausstrahlung des Beitrags über die Kardinäle, in welchem auch die Hakenkreuze gezeigt wurden. Der Sprecher der Konferenz, Matthias Kopp, erklärte laut der Seite der Katholischen Kirche in Deutschland, katholisch.de, dem Portal sei offenbar „die Seriosität abhanden gekommen“. Die Bischofskonferenz will dafür sorgen, dass Inhalte von der kirchlichen Internetseite kirche.tv nicht mehr von gloria.tv verwendet würden.

Sprecher: Keine Verbindung zwischen gloria.tv und Bistum

Nun dementiert auch der Sprecher des Bistums Chur, Giuseppe Garcia, eine Zusammenarbeit mit gloria.tv. Es gebe keine finanzielle, strukturelle oder ideelle Verbindung zu gloria.tv, sagte er gegenüber Spiegel TV-Reporter Vöhringer.

Gloria.tv bezeichnete den Redakteur als Stalker und baute in einem Beitrag in das Spiegel TV-Logo ein Hakenkreuz. In dem Bericht „Spiegel TV wird handgreiflich“ heißt es: „Vöhringer ist ein Anhänger von Kardinal Meisner und dessen abtreibender Pille danach.“

Texte auf kreuz.net

Nay hatte nicht nur gloria.tv mit ins Leben gerufen, in der Vergangenheit waren auch Texte von ihm auf kreuz.net zu lesen, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die vermeintlich katholische Nachrichtenseite kreuz.net ging im Dezember vergangen Jahres offline. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Volksverhetzung gegen sie. Kreuz.net hetzte unter anderem Anfang Oktober gegen den verstorbenen, homosexuellen Schauspieler Dirk Bach. (pro)
http://www.spiegel.tv/filme/magazin-17032013/
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