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„Das Gesundheitssystem im Kongo zerfällt“

Der kongolesische Priester Apollinaire Cibaka Cikongo berichtet in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angesichts der Coronakrise von den Belastungen durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und dem miserablen Gesundheitssystem in seinem Land. Dass es überhaupt funktioniere, daran habe die Kirche einen wesentlichen Anteil.
Von PRO
Das Gesundheitssystem im Kongo funktioniere vor allem dank der Hilfe von Religionsgemeinschaften und internationaler Hilfe, sagt der kongolesische Priester Apollinaire Cibaka Cikongo. Das Bild zeigt die Übergabe eines gespendeten Krankenwagens durch die UN-Mission zur Stabilisierung der Demokratie im Kongo, MONUSCO, im Jahr 2017.
Das Gesundheitssystem im Kongo funktioniere vor allem dank der Hilfe von Religionsgemeinschaften und internationaler Hilfe, sagt der kongolesische Priester Apollinaire Cibaka Cikongo. Das Bild zeigt die Übergabe eines gespendeten Krankenwagens durch die UN-Mission zur Stabilisierung der Demokratie im Kongo, MONUSCO, im Jahr 2017.

Aus Sorge vor der Corona-Pandemie sind auch in der westafrikanischen Demokratischen Republik Kongo Kirchen, Schulen, Bars, Hotels geschlossen und öffentliche Veranstaltungen verboten. Das berichtet der Theologe und Priester Apollinaire Cibaka Cikongo in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Samstag. Auch sollten die Menschen freiwillig zu Hause bleiben. Die Maßnahmen seien notwendig, um die Ansteckung zu verhindern, sagt Cikongo, jedoch für arme Länder wie seines dramatisch. „Wir werden gebeten, unsere Hände regelmäßig zu waschen, haben aber keinen Zugang zu fließendem Wasser. Wir werden gebeten, in unseren Elendsquartieren eingesperrt zu bleiben, obwohl wir ohne Arbeit, Ersparnisse und soziale Sicherheit sind und nur dank der Krümel überleben, die wir mit unserem Einfallsreichtum jeden Abend nach Hause bringen.“

Zudem seien Krankenhäuser „sterbende Orte“. Es gebe zu wenig Personal und Ausrüstung, die Hygiene sei mangelhaft. Das medizinische Personal arbeite bereits jetzt unter extremen Bedingungen und behandle immer noch wiederkehrende Epidemien wie Ebola oder Cholera. In seiner Region im Landesinneren gebe es in einem katholischen Krankenhaus ein Beatmungsgerät für 1,3 Millionen Menschen, sagte Cikongo. „Das öffentliche Gesundheitssystem Kongos zerfällt. Es funktioniert im Wesentlichen dank der katholischen Kirche, anderer Religionsgemeinschaften und internationaler Hilfe.“ Die katholische Kirche biete auch mehr als die Hälfte der sozialen Dienste im Land an – „insbesondere in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft und Fürsorge für alleinstehende Kinder“.

Schuldenerlass als Buße für Verbrechen

Viele Seuchen und Krankheiten, die die Länder südlich der Sahara heimsuchten, seien auf mangelnde Hygiene und eine schlechte Versorgung mit Trinkwasser zurückzuführen. Vom Coronavirus sei der Kongo jedoch bisher nicht so stark betroffen, da die Mobilität im Land eingeschränkt sei. Laut offizieller Statistik gibt es unter den gut 80 Millionen Einwohnern bisher 307 Infizierte und 25 Todesfälle. Dennoch betont Cikongo, sein Land sei auf Soforthilfe aus den westlichen Ländern angewiesen, damit sich die Pandemie nicht weiter ausbreitet. „Sonst werden wir wie Fliegen sterben.“ Wichtig sei, dass die Staatengemeinschaft sich nicht mit Diktatoren einließe, sondern die Festigung der Demokratie unterstütze.

Angesprochen auf den Schuldenerlass, den der Internationale Währungsfonds den 25 ärmsten Ländern – darunter dem Kongo – vorübergehend gewähren will, sagte Cikongo: „Ein Schuldenerlass wäre kein Gefallen für die Armen, sondern ein Gefallen der Kreditgeber für sich selbst als Reinigung und Buße für die Verbrechen, die mit der Verschuldung verbunden sind.“ Die Schulden seien ein „Wucherfonds“, der die Menschen im Land über Generationen belaste, während Staats- und Regierungschefs afrikanischer Länder Geld veruntreuten und in Steueroasen anlegten. Ethisch sei ein Schuldenerlass zwingend. Einen Schuldenerlass forderte diese Woche auch Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der kirchlichen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ , im Gespräch mit pro. Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus hätten vielen Menschen in armen Ländern die einzigen Verdienstmöglichkeiten genommen.

Von: Jonathan Steinert

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