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Das Ende der Hängepartie

Heinrich Bedford-Strohm ist froh, dass die Koalitionsverhandlungen zu einem Ergebnis geführt haben. Dies hat er in einer Mitteilung über Facebook verlautbaren lassen. Etlichen Nutzern geht das zu weit: Der Kirchenchef sei zu politisch. Ein Kommentar von Johannes Weil
Von PRO
Wird für seine Aussagen zum Koalitionsvertrag kritisiert: der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm

Foto: pro/Norbert Schäfer

Wird für seine Aussagen zum Koalitionsvertrag kritisiert: der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm

Die Hängepartie ist hoffentlich bald zu Ende. Die Koalitionsverhandlungen haben ein Ergebnis, mit dem die Unionsparteien und die SPD leben können, glaubt man ihren Aussagen vor den Kameras. Die SPD muss das Ergebnis noch ihren Mitgliedern schmackhaft machen, die in einer Basisbefragung über das Zustandekommen der neuen Regierung entscheiden.

Auch der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, freut sich über das Verhandlungsergebnis. „Alle, die nun über Annahme oder Ablehnung dieses Ergebnisses zu entscheiden haben, müssen gründlich abwägen, wie sie ihrer Verantwortung am besten gerecht werden können“, schreibt der EKD-Ratsvorsitzende auf Facebook im Bezug auf die abstimmenden SPD-Mitglieder.

Und schon setzt sich die unbarmherzige Maschinerie des sozialen (?) Netzwerks Facebook in Gang. Die Kommentare zum Kommentar des Theologen häufen sich. Das Oberhaupt der Protestanten mische sich zu sehr in politische Angelegenheiten ein. Die Meinung des Theologen sei irrelevant, und Kirche sowieso zu politisch, lautet ein Vorwurf. Interessanterweise kommen diese – nicht wie sonst üblich – aus dem konservativen, sondern eher aus dem linken Lager. Die Kirche habe ganz andere Baustellen zu bearbeiten.

Fokus auf die Schwachen und Verletzlichen legen

Ja, das stimmt. Das denke ich auch, wenn ich per Pressemitteilung über die eine oder andere Aktion der Landeskirchen informiert werde. Doch in dieser Angelegenheit prügeln viele wieder viel zu schnell und reflexartig auf den obersten Protestanten ein. Klar ist zwischen den Zeilen die politische Meinung Bedford-Strohms erkennbar. Und sicher stören sich auch viele Kommentatoren daran, dass Bedford-Strohm selbst der SPD angehört, in deren Abläufe er sich nun einmischt. Seine Mitgliedschaft ruht, während er den EKD-Ratsvorsitz innehat.

Auf Facebook hat Bedford-Strohm lediglich zum Ausdruck gebracht, dass er sich jetzt von den Handelnden Verantwortung wünscht. Persönliche Befindlichkeiten und Machtspiele müssten hinten anstehen. Der Fokus sei auf die Schwachen und Verletzlichen in der Gesellschaft zu richten. Bedford-Strohm fragt nach realistischen Alternativen zur Bildung dieser Koalition. Er wünscht sich Schritte in die richtige Richtung. Eine eindeutige Festlegung oder Parteinahme kann ich darin nicht erkennen. In der Vergangenheit gab es schon Ratsvorsitzende, die deutlichere politische Worte gewählt haben. Bedford-Strohm würdigt die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: für das Land und für die Menschen. Vor allem für diejenigen, die darauf angewiesen sind.

In diesem Sinne ist Bedford-Strohms Appell ein konstruktiver. So kann Kirche sich positionieren, ohne ihr Gesicht zu verlieren. In diesem Sinne hat sich der Ratsvorsitzende zu Recht geäußert, weil das, was er gesagt hat, relevant und wichtig war.

Von: Johannes Weil

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