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Das alte Schiff Islam

Der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad nimmt in seinem neuen Buch "Der Untergang der islamischen Welt" kein Blatt vor den Mund. Auf 240 Seiten erklärt der Wissenschaftler, warum aus der Misere der islamischen Staaten eine globale Gefahr erwächst. Er zeichnet gleichzeitig ein düsteres Bild der islamischen Kultur und wagt herausfordernde Prognosen.
Von PRO

Foto: Foto: Verlag Fackelträger/ "Mein Abschied vom Himmel"

Der Islam prägte Abdel-Samad seit jüngster Kindheit. Der Sohn eines Imam
lernte die Suren des Korans auswendig. Gleichzeitig erlebte er in
seiner ägyptischen Heimat eine islamisch geprägte Gesellschaft, die es nicht schaffte, überkommene Rituale, Gewalt und Ausbeutung zu
überwinden. "Die meisten islamischen Länder sind einer Konsummentalität
verfallen", schreibt er. Die Religion sei nicht dazu in der Lage, ein
Gegengewicht zu schaffen oder dies ins Gleichgewicht zu bringen.
Abdel-Samad sieht Parallelen zwischen der arabisch-islamischen Welt und der Titanic kurz vor dem Untergang: "Das Schiff steht einsam und gebrochen mitten im eiskalten Ozean der Neuzeit und weiß nicht, woher die Rettung kommen soll." Das islamische Schiff sei allerdings von vorn herein veraltet und voller Löcher gewesen, obwohl es die Muslime für unsinkbar hielten.

Eine selbstverherrlichende Darstellung

Ein weiterer Vorwurf des 38-Jährigen lautet, dass der Islam Geschichte verzerre und einseitig lehre. Die eigenen Errungenschaften würden in selbstverherrlichender Weise dargestellt, Eroberungskriege und Aggressionen hingegen übergangen oder als rechtmäßig dargestellt. Die Schulbücher spiegelten das Denken der Gesellschaft wider und die Idee, "wie Machthaber ihre Untertanen formen".

Der Islam selbst nehme eine einfache Unterteilung der Welt vor: In Gläubige, die alles richtig machen und Ungläubige, die, wann immer sie auftauchen, nur Unheil bringen. Viele Islamreformer hätten ihre Versuche mit dem Leben bezahlen müssen. Ein Kapitel trägt die Überschrift: "Ich bin Muslim, also bin ich beleidigt". Das Selbstbild der Muslime sei verantwortlich für ihr chronisches "Beleidigtsein". Sie sähen den Westen als einzige gleichgeschaltete Masse, wollten aber nicht wahrhaben, dass sie für den Westen beinahe bedeutungslos seien: "Für mich persönlich stellt Islamkritik in der heutigen Zeit einen Ausdruck von ‘Humanismus’ dar, denn der Islam schadet sich selbst, seinen Anhängern und dem Rest der Welt. Der Islam hat in erster Linie ein Problem mit sich selbst und mit der Interpretation seiner Rolle in der modernen Welt."



Das muslimische Gefühl der Isolation und der moralischen Überlegenheit gegenüber der Außenwelt habe zu einem "Kulturinzest" geführt. "Größtes Defizit des Islam ist seine Haltung zur Individualität und persönlichen Entfaltung. Das Beharren auf Normen und Lebensformen, die im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß sind." Auch der Wohlstand habe es nicht geschafft, eine demokratische Zivilgesellschaft entstehen zu lassen, die alle Bürger gleich behandle. Die Wissenschaft werde entweder vernachlässigt oder dazu benutzt, zu beweisen, dass die Aussagen des Koran korrekt seien.

"Nicht geschafft, die Freiheit zu nutzen"

Die muslimischen Emigranten in Europa und Nordamerika hätten es dagegen nicht geschafft, die Freiheit zu nutzen, um sich von autoritärem Denken und Herrschaftsansprüchen zu lösen und eine "neue Theologie auf der Basis der Vernunft entstehen zu lassen". Stattdessen benutzten sie die demokratischen Mittel, um die Demokratie zu unterwandern. Wer Muslime tatsächlich ernst nehme, müsse auch Islamkritik üben (dürfen).

Im Islam sei der Begriff Integration eher negativ besetzt, weil er mit dem Wort "sich auflösen" verschmelze. Diese Tatsache hindere viele Kinder von Emigranten an einer positiven Beziehung zu ihrer neuen Heimat. Dem Islam sagt Abdel-Samad seinen Zusammenbruch voraus. Die Islamreformer seien Jahrhunderte lang nicht in der Lage gewesen zu reformieren, weil ihnen die Unantastbarkeit der Religion immer im Wege stand. Für den Islam sei es deswegen wichtig, eine geregelte "Insolvenz" anzutreten und sich von dem Bild einer "unantastbaren Religion mit einem absolutistischen Gottesbild" zu verabschieden.

Hamed Abdel-Samad ist Politologe und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Zurzeit forscht der 38-jährige am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur in München. Zuvor arbeitete er für die Unesco in Genf und am Lehrstuhl für Islamwissenschaft in Erfurt. Abdel-Samad hat auch vor, nach Ägypten zu reisen und dort öffentlich zu seinen Thesen Stellung beziehen. (pro)
"Der Untergang der islamischen Welt". Droemer Knaur. 240 S., 18 Euro.

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