Dänische Regierung will mehr Christliches in den Medien

Die Dänen müssen in Zukunft nicht mehr für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahlen. Stattdessen wird der Sender über den Staatshaushalt finanziert. Die Regierung will auch das Programm verändern.
Von PRO
Das dänische und das christliche Erbe soll der Dänische Rundfunk in Zukunft stärker im Programm berücksichtigen
Das dänische und das christliche Erbe soll der Dänische Rundfunk in Zukunft stärker im Programm berücksichtigen

Bereits im Frühjahr hatte die dänische Regierung bekanntgegeben, dass sie die Rundfunkgebühren abschaffen wolle. „Danmarks Radio“, das dänische öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen, solle in Zukunft aus dem Staatshaushalt bezahlt werden. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel im März meldete, sollen dafür Steuerfreibeträge gesenkt werden.

Nun gab „Danmarks Radio“ bekannt, wie der damit zusammenhängende Sparplan umgesetzt werden soll. Das Budget des Senders wird in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent gekürzt. Die Tageszeitung taz meldete, dass jährlich umgerechnet 56 Millionen Euro eingespart werden sollen. Dafür werden 400 Stellen, sowie jeweils drei Fernseh- und Radiokanäle wegfallen.

Fokus auf christliches Erbe

„Statt mit dem Rasenmäher das gesamte Budget gleichmäßig zu kappen, haben wir versucht zu priorisieren“, betonte Generaldirektorin Maria Rørbye Rønn. Gekürzt wurde vor allem beim Sport und der Unterhaltung. Außerdem sollen weniger ausländische Filme und Serien eingekauft werden. Auch beim Internetangebot wird gekürzt. Der Sender muss nun darauf verzichten, Themen im Internet zu vertiefen.

Das dänische Kultusministerium gab gleichzeitig auch die neuen Programmrichtlinien bekannt. Die verbleibenden fünf Radiokanäle sollen in Zukunft zu 48 Prozent dänische Musik spielen. Das Kulturangebot des Senders soll sich mehr auf das dänische und christliche Erbe fokussieren.

Scharfe Kritik von Opposition und Journalisten

Die Einsparungen sind im neuen Medienabkommen, dem dänischen Rundfunkstaatsvertrag, festgeschrieben. Das Abkommen wird alle vier Jahre ausgehandelt und wurde diesmal nur von der Regierungspartei und der Dänischen Volkspartei getragen.

Die Opposition nannte die Änderungen laut Deutschlandfunk „beunruhigend und ausgrenzend“. Der Vorsitzende des dänischen Journalistenverbandes Lars Werge sagte: „Es mag dramatisch klingen, aber das ist der erste kleine Schritt auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der die Politik verschärfte Forderungen an die Medien stellt. Dieses Abkommen beschützt die Pressefreiheit in Dänemark nicht.“

Für die dänische Tageszeitung Der Nordschleswiger geht das neue Medienabkommen zu nah an die Redaktionsarbeit. Sie zitiert Morten Ostergaard von der sozialliberalen Oppostionspartei Radikale Venstre: „Das ist ein beunruhigender Schritt, der am Vertrauen der Dänen in unabhängige und freie Medien rüttelt.“

Von: Tobias Schneider

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