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Corona mal positiv betrachtet

Von der Corona-Welle will pro-Kolumnist Jürgen Mette sich nicht erschüttern lassen. Er hält es mit dem Liederdichter Paul Gerhardt, der in ganz anderen Krisenzeiten seine Wege Gott anbefahl. Der Glaube hält Hoffnung bereit. Und Corona möglicherweise unverhoffte Zeit für zu kurz gekommene Dinge.
Von PRO
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Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Foto: pro/Jürgen Mette

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Nein, die Welt braucht nicht auch noch meinen Senf zum Thema Corona. Die Bühne gehört jetzt den Gesundheitspolitikern und Virologen, es ist Zeit für nüchterne Expertise und besonnene und konsequente politische Durchsetzung. Ich gewöhne mich gerade daran, die Hand in der Hosentasche aufzubewahren, statt sie jedem freundlich entgegenzustrecken. Und ich mache aus jeder Handwaschung ein Ritual: auf den klugen Ratschlag meiner Gemahlin während des Waschvorgangs zwei Mal „Happy birthday“ singen.

Vielleicht brüten hier und da endzeitfixierte Schreiber Weckrufe aus, die im Coronavirus das Gericht Gottes sehen und den „Fünf Minuten vor zwölf“-Reflex auslösen. Für mich ist der Theologe und bedeutendste Liederdichter Paul Gerhardt (1607–1676) mit seinem Bestseller „Befiehl du deine Wege“ mit dieser Liedzeile maßgebend: „Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl!“ Paul Gerhardt war Zeitzeuge einer finsteren Epoche, die durch den 30-jährigen Krieg (1618–1648), durch Pest, Pocken und die Bakterienruhr um die sechs Millionen Opfer forderte. Wir beklagen bis jetzt drei coronabedingte Todesopfer in Deutschland.

„Die Angst vor morgen ist eine zutiefst heidnische Lebenseinstellung. Ein Christ lebt im Heute.“ (Sören Kierkegaard). Das schreibt einer, der als Prediger und bedeutender Philosoph nach kurzer Wirkungszeit 1855 auf der Straße in Kopenhagen einen Schlaganfall erlitt und zusammenbrach – im Alter von 42 Jahren. Eine kleine Parabel aus seiner Feder:

In einem Theater brach hinter den Kulissen Feuer aus. Der Pierrot (männliche Bühnenfigur) trat an die Rampe, um das Publikum davon zu unterrichten. Man glaubte, es sei ein Witz und applaudierte. Er wiederholte seine Mitteilung; man jubelte noch mehr. So, denke ich mir, wird die Welt eines Tages untergehen.

Zeit für die Botschaft der Hoffnung

Corona ist kein Witz! Aber auch das stimmt:

Unsere Heimat ist im Himmel. Das ist Trost und Grund genug, uns hier auf Erden als Botschafter des Friedens und der Hoffnung zu bewähren. Großveranstaltungen sind vorläufig tabu, jetzt kommt die Zeit der Kleingruppen, der Hauskirchen, die Chance für kleine Gebetsgruppen in der Nachbarschaft, für Christen und Andersglaubende.

Und jetzt haben wir auf einmal mehr Zeit. Zeit zum Lesen, zum Denken, zum Hören auf Gottes Stimme, zum Danken und Loben, zum Eintauchen in die geistliche Musik der Barockzeit, Musik ohne Verfallsdatum. Die kurze Verweildauer heutiger Musik ist auffällig.

Und es ist Zeit für frische Luft. Zeit zum Vorbereiten des Hochbeets, um Salat zu pflanzen. (Obacht: sollte Väterchen Frost noch mal vorbeischauen, das Beet gut abdecken.) Und Bücher aussortieren, Dokumente scannen und Ordner auflösen, Steuererklärungen vorbereiten, Werkbank im Keller aufräumen. So gewinne ich der Corona-Epoche noch was Gutes ab.

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