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Computerspielsucht hinterlässt Spuren – im Gehirn

B e r l i n (PRO) – Computerspielsucht ist vergleichbar mit einer Alkohol- oder Haschischabhängigkeit. Diese Erkenntnisse stellte die Interdisziplinäre Suchtforschungsgruppe der Berliner Charité in der neuesten Ausgabe des Ärzteblattes vor. Demnach fanden die Experten deutliche Parallelen zwischen PC-Missbrauch und so genannten stoffgebundenen Süchten, wie beispielsweise Alkoholabhängigkeit.
Von PRO

“Auch beim PC-Missbrauch entsteht ein Suchtgedächtnis im Gehirn. Die zugrunde liegenden Lernmechanismen sind vergleichbar mit denen bei einer Drogensucht”, so die Leiterin der  Suchtforschungsgruppe, Sabine Grüßer-Sinopoli.

PC-Spiel verschafft Kick wie ein Bier bei Alkoholikern

Die Wissenschaftler untersuchten die Gehirnströme von Computerspiel-Abhängigen und fanden ähnliche Muster wie bei Alkoholikern. Exzessive Computerspieler seien viel erregter als andere PC-Nutzer. Grüsser-Sinopoli erklärt die körperlichen Zusammenhänge so: “Das PC-Spiel verschafft den Abhängigen einen Kick und unterdrückt unangenehme Gefühle genauso wie das Bier beim Alkoholiker. Das Belohnungssystem im Gehirn wird aktiviert, die berauschende Erfahrung im Suchtgedächtnis gespeichert. “Das Hirn lernt, dass der Computer das Einzige ist, was Spaß macht”, sagt Grüßer-Sinopoli.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Gruppe britischer Ärzte in London. Sie fanden heraus, dass der Körper eines Computerspielers nach etwa 50 Minuten Spielzeit die Dopaminausschüttung verdoppelt. Dies führt zu Glücksgefühlen, die ein Spieler immer wieder erleben möchte.

Wird die Zahl der Mediensüchtigen weiter ansteigen?

Internetsüchtige, exzessive Spieler und Chatwütige tauchen in allen Gesellschaftsschichten und Altersklassen auf. Die Berliner Forschungsgruppe stufte bereits im Jahr 2006 rund zehn Prozent aller Computerspieler als süchtig ein. Nach Untersuchungen von Berliner Kindern der fünften und sechsten Klassen wurden drei Prozent der Kinder als computersüchtig bewertet. Grüsser-Sinopoli rechnet mit einem weiteren Anstieg: “Es ist anzunehmen, dass die Zahlen steigen, da es immer mehr perfekt auf die Bedürfnisse zugeschnittene Internet- und Spielangebote gibt.” Unter Jugendlichen sei der soziale Druck, den PC regelmäßig zu nutzen, besonders groß. Die Erlebnisse im Chat und in Computerspielen seien für sie ein wichtiger Gesprächsstoff.

Nicht nur die Dauer des PC-Spielens entscheidet über den Grad der Abhängigkeit. Erst wenn der Computer täglich dafür herhalten muss, dem Ärger Luft zu machen und als einziges Mittel eingesetzt wird, um Stress zu verarbeiten, bestehe eine Sucht. “PC-Süchtige interessieren sich beispielsweise überhaupt nicht mehr fürs Essen und reagieren aggressiv, wenn man sie vom Rechner trennen will”, so Grüsser-Sinopoli.

Betroffene kommunizieren meist ausschließlich über den PC, andere Hobbys und Freunde haben in ihrem Leben kaum noch Bedeutung. Laut Grüsser-Sinopoli haben spielsüchtige Kinder vermehrt Konzentrationsprobleme. Außerdem reden und schlafen sie sehr wenig. Allerdings warnt die Medizinpsychologin vor Pauschalverurteilungen: “Man muss schon genau hinschauen und darf nicht pauschal alles als Sucht abstempeln.”

Klar ist für die Suchtforscherin, dass es nicht darum geht, absolute Abstinenz zu verordnen. “Die modernen Medien sind Teil unserer Welt. Die Menschen müssen einen kompetenten Umgang mit diesen erlernen.”

Weitere Informationen zu der Interdisziplinären Suchtforschungsgruppe Berlin gibt es im Internet unter www.verhaltenssucht.de

Informationen zum Thema Mediensucht unter www.webaholic.info

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