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Computerspiele machen hilfsbereit

Gut programmierte Computerspiele können positive Inhalte vermitteln. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität in München haben herausgefunden, dass Computerspiele eine Auswirkung auf Zivilcourage und Hilfsbereitschaft haben können. Wie couragiert oder hilfsbereit jemand reagiert, hängt nach Ansicht der Forscher davon ab, welche Art PC-Spiel er zuvor gespielt hat. 
Von PRO

Foto: Fotolia /goodluz

Über Computerspiele mit gewalttätigen Inhalten wird viel geforscht und diskutiert. Nun zeigt eine Studie, dass andere Computerspiele durchaus positive Einflüsse haben können. In der aktuellen Ausgabe des Magazins "Psychologie Heute" beschreibt der Journalist Jochen Paulus, wie die Wissenschaftler der Münchener Universität vorgingen: Die Testpersonen waren im Raum, als die Versuchsleiterin scheinbar von einem wütenden Exfreund angegriffen wurde. Von der Gruppe, die zuvor ein neutrales Geschicklichkeitsspiel am PC gespielt hatte, kamen 22 Prozent der angegriffenen Frau zu Hilfe. Von denjenigen, die zuvor mit einem prosozialen Spiel beschäftigt waren, schritten 56 Prozent ein und versuchten, der Frau zu helfen. Diese Testpersonen hatten das Spiel "City Crisis" gespielt, in dem der Spieler als virtueller Hubschrauberpilot Einwohner aus brennenden Häusern rettet und der Polizei beim Verfolgen von Einbrechern hilft.

Erst Wiederholungen prägen dauerhaft

"Prosoziale Spiele fördern die Hilfsbereitschaft – zunächst im Kopf", zitiert "Psychologie Heute" die Sozialpsychologen Sylvia Oßwald (München) und Tobias Greitemeyer (Innsbruck). Diese ließen die Probanden nach dem Spielen aufschreiben, woran sie gerade dachten. Dabei kamen Aussagen wie "Ich sollte im Wohnheim mehr helfen" auf das Papier. Als ein Glas mit Stiften umfiel, halfen 63 Prozent beim Einsammeln. In der Vergleichsgruppe, die zuvor bei einem "neutralen" Spiel gedaddelt hatten, waren es nur 22 Prozent.

Nach bisherigen Erkenntnissen halten die positiven Auswirkungen allerdings nicht lange an. Erst stetige Wiederholungen prägen die Spieler für längere Zeit. Untersuchungen in Japan deuten darauf hin, dass prosoziale Spiele dauerhaft hilfsbereiter machen können. Dabei hätten die Untersuchungsleiter bereits berücksichtigt, dass hilfsbereite Kinder von vorneherein eher zu "ethisch korrekten" Spielen greifen.

"Gute Computerspiele können alles vermitteln"

Der amerikanische Wissenschaftler Craig Anderson spricht gegenüber "Psychologie Heute" sogar davon, dass Spiele zu Lehrern ihrer Benutzer werden könnten. Seiner Ansicht nach könne ein gut programmiertes Spiel "alles vermitteln". Dies haben auch Schulbuchverlage erkannt und arbeiten daran, passende Programme für Schulkinder anzubieten. Theoretisch könnten Lernspiele leisten, was der Lehrer im Unterricht nicht kann. Jeder Spieler kann Aufgaben individuell lösen und erkennt im Spiel, ob seine Ideen und Spielreaktionen funktioniert haben. Lernspiele verfolgen genau, wie das Kind voran kommt und passen die Schwierigkeit automatisch an. Richtige Lösungen werden belohnt.

In der Praxis funktioniert es nicht, einfach eine Mathematikaufgabe in eine spannende Handlung einzubetten. Die jugendlichen Nutzer merken die pädagogischen Ansätze sofort und finden das Spiel schnell langweilig. "Die Aufgaben müssen in die Handlung integriert werden, aber das gelingt oft nicht", sagt der Medienwissenschaftler Peter Vorderer in "Psychologie Heute": "Die Spiele machen entweder Spaß oder sind pädagogisch wertvoll." Echte Lernspiele zu entwickeln bleibt also eine Herausforderung im 21. Jahrhundert. (pro)

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