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Computerspiele: Halbe Million Jugendliche ist suchtgefährdet

Über 450.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind gefährdet, süchtig nach Computerspielen zu sein, oder zeigen krankhaftes Verhalten. Das hat eine Studie der Krankenkasse DAK ergeben.
Von Anna Lutz
15 Prozent der 12- bis 17-Jährigen Computerspieler in Deutschland sind suchtgefährdet

Foto: Pablo029

15 Prozent der 12- bis 17-Jährigen Computerspieler in Deutschland sind suchtgefährdet

89 Prozent der Jungen und 53 Prozent der Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren in Deutschland spielen mindestens einmal wöchentlich Computerspiele. Das entspricht rund drei Millionen junger Menschen. 36 Prozent zocken sogar täglich. 15 Prozent der regelmäßigen Computerspieler gelten den Forschern als sogenannte Risikogamer. Das heißt: 465.000 Kinder und Jugendliche sind suchtgefährdet. Jeder fünfte von ihnen zeigt bereits krankhaftes Verhalten. Das hat eine Erhebung des Instituts Forsa im Auftrag der Krankenkasse DAK ergeben. Befragt wurden im vergangenen Jahr 1.000 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren.

Jungen zeigen dabei ein weit intensiveres Spielverhalten als Mädchen. In der Gruppe der Risikospieler ist nur jeder fünfte Jugendliche weiblich. Und auch unter den unauffälligen regelmäßigen Spielern verbringen Jungen mehr Zeit mit dem Zocken: Im Durchschnitt zweieinhalb Stunden täglich, im Gegensatz zu zwei Stunden bei den Mädchen.

Risikospieler fehlen häufiger in der Schule

Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen in Hamburg, erklärte bei der Vorstellung der Studie in Berlin am Dienstag, pathologisch sei das Verhalten der Kinder und Jugendlichen dann, wenn sich deren ganzes Denken nur noch um das Spielen drehe. Krankhafte Züge zeigten sich auch daran, dass Entzugserscheinungen aufträten, die Spieler immer mehr Zeit am Computer verbrächten, um ihr Bedürfnis zu stillen, sie die Kontrolle über Spieldauer und Intensität verlören oder sich ihr allgemeines Verhalten zum Negativen verändere.

Wer zur Risikogruppe der Spieler gehöre, fehle mehr als doppelt so oft in der Schule als unauffällige Gamer. Diejenigen Jugendlichen berichteten häufiger über emotionale Probleme, über 40 Prozent zeigten hyperaktive Symptome. Bei unauffälligen Spielern seien es 26 Prozent. Emotionale Probleme hätten 21 Prozent, im Vergleich zu sechs Prozent bei den unauffälligen Gamern.

Darauf sollten Eltern achten

Thomasius benannte auch Warnsignale, auf die Eltern achten können. Demnach sollten sie spätestens dann aufmerksam werden, wenn ihre Kinder Begegnungen aus dem Weg gehen, das Internet immer häufiger nutzen oder Tagesstrukturen nicht einhalten. Auch emotionale Anzeichen wiesen auf ein problematisches Spielverhalten hin, etwa wenn die Kinder oft launisch, wütend, depressiv oder etwa verstimmt sind, Nachlässigkeit oder mangelnde Selbstreflexion zeigen. Eltern rät er, klare Grenzen zu setzen, sich über Spiele zu informieren, gegenüber den Kindern Interesse zu zeigen und Alternativen anzubieten.

Bei der Vorstellung der Stuide verweisen die Autoren auf das Internationale Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsfernsehen. Das empfiehlt Eltern, die Spielzeiten der Kinder und Jugendlichen ab 14 Jahren auf maximal 1,5 Stunden am Tag zu beschränken. Es gilt: Je jünger das Kind, desto weniger sollte es am Computer spielen. Vier- bis Sechsjährige sollten nicht mehr als 30 Minuten digital spielen und auch nur unter Aufsicht.

Andreas Storm, Vorstandschef der DAK, forderte als Konsequenz aus der Studie Warnhinweise auf Computerspielen mit Informationen über empfohlene Spielzeiten. Außerdem ist für ein Verbot von Glücksspielelementen in Computerspielen notwendig. Gemeint sind damit etwa sogenannte Loot-Boxen, Überraschungskisten, die ein Spieler online im Spiel gegen Geld oder mit guten Leistungen erwerben kann. Storm argumentiert, dass die Nutzer so an die klassischen Mechanismen des Glücksspiels herangeführt werden.

Von: Anna Lutz

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