Cole Allen und die Bibel: War der Trump-Attentäter Christ?

Nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch auf Donald Trump streitet Amerika über Cole Allen: War er Christ oder antichristlich? Der Theologe Christoph Heilig warnt vor einfachen Antworten.
Von Nicolai Franz
Cole Allen liegt mit dem Gesicht auf dem Boden, die Hände sind gefesselt

Nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch auf US-Präsident Donald Trump beim White House Correspondents’ Dinner am 25. April 2026 rückt die religiöse Begründung des Verdächtigen Cole Thomas Allen in den Blick. Nach der Tat tauchte ein Allen zugeschriebenes „Manifest“ auf, in dem Bibelstellen, Gewaltgedanken und Rechtfertigungen vorkommen. 

Ist Allen also ein durchgeknallter religiöser Fundamentalist? Trump selbst bezeichnete Allen in der Folge jedenfalls als „anti-Christian“. 

Theologe: Allen verstand sich als Christ

Der Neutestamentler Christoph Heilig hält diese Einordnung für zu einfach. Im PRO-Podcast „Glaube. Macht. Politik.“ sagt er: „Er selbst hat sich als Christ verstanden.“

Heilig verweist darauf, dass Allen nicht gegen die Bibel argumentiert, sondern mit ihr. Statt sich einzelne Bibelverse herauszugreifen, die Gewalt rechtfertigen, nehme er Stellen ernst, die dem widersprächen: Zum Beispiel Jesu Wort vom Hinhalten der anderen Wange und „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“. Für Heilig zeigt das: Allen bewege sich in einem christlichen Umfeld, in dem er mit Kritik an seinem Handeln rechnete.

„In dem Moment, wo wir über Trump als eine Art Hitler sprechen, geben wir dem Mainstream des protestantischen Christentums die Legitimation zum Tyrannenmord.“

Gerade deshalb sei der Fall nicht einfach als religiöser Wahn abzutun. Allen folge einer Hermeneutik, also einer Herangehensweise an biblische Texte, „die ich als relativ ausgeklügelt und zurückhaltend einschätzen würde“. Allen sei „kein durchgedrehter Apokalyptiker“. Zwar nutze er auch Bezüge zur Offenbarung des Johannes. Doch Heilig sieht darin keine eindeutige Endzeit-Fantasie, in der Trump schlicht als biblisches Tier identifiziert werde, das es zu beseitigen gälte.

Allen nimmt Bibel ernst – fällt aber politisches Extremurteil

Entscheidend sei vielmehr, wie Allen die politische Gegenwart deutete. Nach Heiligs Einschätzung las er Trumps Politik und die MAGA-Bewegung offenbar in Kategorien von Faschismus und Tyrannei. Aus dieser Deutung heraus habe er Gewalt nicht nur für möglich, sondern offenbar für geboten gehalten. Die Gefahr liege damit weniger in einer völlig wirren Bibelauslegung als in der Verbindung aus politischem Extremurteil und religiöser Selbstrechtfertigung.

Damit berührt der Fall auch die Frage, ob und wann Christen einem Tyrannen mit Gewalt widerstehen dürfen – und wann ein Tyrann so schädlich handelt, dass dies Gewalt rechtfertigt.

Warnung vor enthemmter Sprache

Auch darauf geht Heilig ein. Über Allens Umgang damit sagt er: „Mir fällt auf, dass er anders als zum Beispiel Bonhoeffer keine große theologische Erklärung liefert und auch keine Problematisierung.“ Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hielt den Tyrannenmord nicht einfach für ethisch erlaubt, sondern für eine mögliche Grenzsituation, in der ein Christ aus Verantwortung und Nächstenliebe Schuld auf sich nimmt – Schuld, für die er sich vor Gott rechtfertigen muss.

Stattdessen sei für Allen „das Handeln von Trump so schlimm, dass er gar keine andere Möglichkeit sieht, als jetzt so zu handeln“. Heilig warnt deshalb auch vor enthemmter politischer Sprache. Wer Trump als eine Art Hitler beschreibe, müsse wissen, welche Schlüsse Menschen daraus ziehen könnten. „In dem Moment, wo wir über Trump als eine Art Hitler sprechen, geben wir dem Mainstream des protestantischen Christentums die Legitimation zum Tyrannenmord.“

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen