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Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt

Im Sommer 2011 verabschiedeten die großen christlichen Kirchen "Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt", um den interreligiösen Dialog weltweit zu fördern. Jetzt soll das Dokument auch in Deutschland mit Leben gefüllt werden. Das Mitglied der Kommission für Religionsfreiheit der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Thomas Schirrmacher, bezeichnet die Entwicklung als Schritt auch in der konfessionellen Breite ins Gespräch zu kommen.


Von PRO

Foto: Martin Bucer Seminar

Vertreter unterschiedlicher Kirchen, Gemeinschaften und Organisationen einigten sich bei einer Tagung in Hamburg, den Prozess auch in Deutschland anzustoßen. Dazu zählen Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ihrer Gliedkirchen, Missionswerke, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD), der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend (aej), des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung an der Uni Greifswald, des Mühlheimer Verbandes, der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), der Siebten-Tags-Adventisten und Gäste der weltweiten Ökumene.



Offiziellen Dialog forcieren



Das Dokument "Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt" beginnt mit dem Satz, dass "Mission zutiefst zum Wesen der Kirche gehört" und war in fünfjähriger Arbeit von kirchlichen Repräsentanten weltweit erarbeitet worden – mit dem Ziel, den christlichen Glauben im 21. Jahrhundert in einer multireligiösen Welt zu bezeugen und weiterzugeben. Zudem gehe es darum, "Kirchen, Kirchenräte und Missionsgesellschaften dazu zu ermutigen, ihre gegenwärtige Praxis zu reflektieren und die Empfehlungen zu nutzen, um dort, wo es angemessen ist, eigene Richtlinien für Zeugnis und Mission unter Menschen zu erarbeiten, die einer anderen oder keiner bestimmten Religion angehören", heißt es in dem Dokument.



Laut EKD-Pressemitteilung, herrschte bei den Tagungsteilnehmern in Hamburg Einigkeit darüber, dass christliches Zeugnis entsprechend den Formulierungen des Dokuments erfolgen solle. Mitautor Thomas Schirrmacher forderte dazu auf: "Da, wo christliche Mission nicht diesen Vorstellungen entspricht, muss sie deutlich kritisch besprochen werden." Auf Wunsch der Teilnehmer soll die EKD-Leitungsebene einen offiziellen Dialog zwischen den christlichen Kirchen in Deutschland fördern.



Der Umgang mit dem Dokument und die Gespräche mit den Partnern sollten von dem Geist des Respektes und der Sanftmut geleitet sein. Außerdem entstand der Vorschlag, den Text etwa in Gemeindebezügen, Forschungsvorhaben und ökumenischen Studientagen zu bearbeiten. Die Teilnehmer wollen das Papier in den eigenen Zusammenhängen diskutieren und sich in einem Jahr über den Prozess austauschen.



Schirrmacher, der den fünfjährigen Prozess bis zur Entstehung des Dokuments als Chefunterhändler für die WEA begleitet hat, machte deutlich, dass es sich keineswegs um ein Kompromisspapier handele. Trotz anhaltender Skepsis, stünden am Ende klare Empfehlungen, die einerseits den Auftrag Jesu an seine Kirche deutlich bezeugten, andererseits aber auch die Grenzen einer an der biblischen Botschaft ausgerichteten Mission aufzeigten.



Ein weiterer Impuls



"Das Projekt hat seine weltweite Wirkung bereits unter anderem in Indien und Kanada entfaltet. Jetzt hoffen wir, dass wir diesen Prozess auf nationaler und regionaler Ebene wiederholen können", freut sich Schirrmacher im Gespräch mit pro. "Es ist schön zu sehen, dass ein weiterer Impuls gegeben werden konnte und wir hier bei allen Denominationen auf eine breite Zustimmung stoßen." Das Dokument stelle lediglich die freie Ausübung der Religion und nicht irgendwelche politischen Vorrechte der Religion heraus, erklärte der Theologe. (pro)

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