Christlicher Rave – Gotteslob oder Gotteslästerung?

Der portugiesische Priester Guilherme Peixoto verbindet elektronische Tanzmusik mit religiöser Musik. Nicht nur hierzulande löst er eine Debatte darüber aus, wie weit christliche Musik gehen darf.
Von Jörn Schumacher
Über ihn wird heftig debattiert: der portugiesische Priester und DJ Guilherme Peixoto.

Der 52-Jährige Guilherme Peixoto ist Priester des portugiesischen Bistums Braga. Bekannt wurde er, weil er als DJ auftritt und elektronische Musik mit Lobpreis verbindet. Nun wurde auch die ARD-„Tagesschau“ auf den ungewöhnlichen Geistlichen aufmerksam. In den Kommentaren streiten sich die Zuschauer, ob das noch gottgewollt ist.

Berühmt wurde sein Auftritt beim Weltjugendtag im Sommer 2023 in Lissabon. Dort legte Padre Guilherme beim Abschlussgottesdienst als DJ Techno-Musik auf – christliche Techno-Musik. Denn der Portugiese verbindet Gebete und klassische christliche Musik mit modernen Sounds. Bei seinem 30-minütigen Auftritt war den Besuchern ebenso wie den Geistlichen die Begeisterung über den ungewöhnlichen Auftritt anzusehen. Der Mitschnitt auf YouTube wurde mittlerweile über 1,4 Millionen Mal aufgerufen.

Nun wies die Redaktion der „Tagesschau“ in ihren Sozialen Kanälen auf DJ Padre Guilherme hin. „Abends DJ, tagsüber Priester“, heißt es da. Das Kurz-Video bekam 144.000 Likes, über 750 Menschen kommentierten. „Das ist moderne Kirche! Gerne mehr davon“, schreibt ein Nutzer. Es regnet viele Herzchen. Einer hinterlässt einen Bibelvers: „Und David tanzte mit aller Kraft vor dem Herrn. 2. Samuel 6:14“. Ein anderer schreibt: „Jesus hätte es geliebt glückliche und in der Liebe zur Musik und dem Glauben vereinte ‚junge‘ Menschen in seinem Haus zu haben.“ Viele verweisen auf den Song „God Is a DJ“ der britischen Gruppe Faithless. Doch es gibt auch kritische Stimmen. „Das widerspricht komplett der Bibel“, mahnt jemand, ein anderer schreibt: „Gott würde das nicht gut finden.“

Herzchen und Lob für Rave-Priester

Seit dem Auftritt beim Weltjugendtag ist Padre Guilherme weltbekannt geworden. Er hat bereits zwei eigene EPs veröffentlicht: „We Want an Unarmed and Disarming Peace“ (2026) und „Si Tuvieras Fe“ (2025). Auf Instagram hat der Geistliche 2,7 Millionen Follower, auf TikTok 2,3 Millionen. Vor einem Jahr trat er vor der Christusstatue Cristo Redentor in Rio de Janeiro auf, einen Mitschnitt davon hat er auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht.

Als Militärgeistlicher war der Portugiese bereits in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz. Während eines Einsatzes in Afghanistan im Jahr 2010, als Peixoto Veranstaltungen für Soldaten organisierte, begann er mit dem Abmischen. Während der Corona-Pandemie machte er im Livestream für seine Gemeinde elektronische Musik. Diese basierte auf Zitaten aus Papst-Texten, Gebeten und anderen religiösen Inhalten.

Der musikbegeisterte Priester wollte anfangs Geld für die Kirche mit seinen Auftritten sammeln. Mittlerweile ist es für ihn Ausdrucksmittel seines Glaubens geworden, wie er sagt. „Der Psalter fordert uns auf, den Herrn mit allen unseren Instrumenten zu preisen, und nun gibt es dieses neue Instrument, die elektronische Musik“, sagt Guilherme im „Tagesschau“-Beitrag.

Bei seinen „Raves“ (Englisch für Tanzveranstaltungen mit elektronischer Musik) ist er meistens in seinem schwarzen Hemd und dem weißen Kragen zu sehen, die ihn als katholischen Priester erkennen lassen. Häufig steht bei ihm ein großes leuchtendes Kreuz auf der Bühne.

Klage gegen Priester-DJ in Beirut

In Beirut hatte eine konservative Gruppe von 18 Personen versucht, einen Auftritt des portugiesischen Priesters im AHM Club zu verhindern. Sie argumentierten, die Mischung aus elektronischer Musik und Glauben untergrabe kirchliche Werte. Ein Richter in Beirut lehnte den Antrag auf Konzertverbot ab und erklärte, es gäbe keine rechtliche Grundlage dafür. Rund ein Drittel der fünf Millionen Einwohner Libanons sind Christen. Damit weist das kleine Land an der Ostküste des Mittelmeers den höchsten Anteil an Christen im Nahen Osten auf.


Das Konzert konnte wie geplant am 13. Januar stattfinden. Die Reaktionen in den sozialen Medien waren geteilt. „Wir, die wir dazu erzogen wurden, das Wort Gottes und die Heiligkeit seiner Botschaft in all ihren Formen zu achten, können es nicht akzeptieren, dass der Glaube zu einer Unterhaltungsshow verkommt, die mit Alkohol und Rauch inszeniert wird“, sagte ein libanesischer X-Nutzer. „Ich glaube nicht, dass Gott gewollt hat, dass seine Botschaft auf eine Musikshow mit Alkohol und Rauch reduziert wird.“ Andere lobten den Priester dafür, dass er moderne Wege gefunden habe, die Jugend der Religion näherzubringen. „Die Leute, die ihn angreifen, verstehen einfach nicht, wie wichtig und notwendig seine Arbeit ist“, sagte ein anderer X-Nutzer.

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