Christlicher Medienkongress: Die Zukunft der Medien

Hochkarätige Redner, Vorträge und Diskussionen mit Qualität: Auf dem 1. Christlichen Medienkongress haben sich Journalisten und Medienprofis über die Zukunft der Mediennutzung und Trends in der Gesellschaft unterhalten. An dem Medienkongress im Württembergischen Schwäbisch-Gmünd nahmen rund 180 Fachjournalisten und Medienschaffende teil.

Von PRO

Foto: pro

Der Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz ("Gott – Eine kleine Geschichte des Größten"), diagnostizierte in der heutigen Gesellschaft das vorherrschende Gefühl, dass Glück machbar sei. "Wert wird sehr häufig schlicht als Geldwert verstanden", so Lütz in seinem Vortrag auf dem Medienkongress. Dieser Gedanke jedoch sei zentral für einen "menschlichen Irrsinn". Ähnlich wie Drogenabhängige, die ihr Glück durch Rauschmittel suchen, führe die Suche nach Glück über den "Geldwert" in die irre. Vielmehr sei es die zutiefst menschliche Überzeugung, dass es mehr gebe zwischen Himmel und Erde als das rein Irdische, dass den Weg zum Glück aufzeige.

Über die aktiven Onliner

Die ZDF-Redakteurin Beate Frees wies darauf hin, dass sich das Mediennutzungsverhalten in den vergangenen Jahren massiv verändert habe. Jugendliche seien aktive Onliner. "Gerade die jüngeren Medienkonsumenten zwischen 14 und 29 Jahren sind etwa in Netzwerken aktiver als ältere Nutzer", so Frees. Diese Altersgruppe verbringe zudem mehr Zeit mit dem Internet als vor dem Fernseher. "1964 haben die Menschen im Durchschnitt 200 Minuten mit Medien verbracht, heute sind es 600 Minuten." Nach wie vor sei das Fernsehen dabei das meistgenutzte Medien, 2009 verbrachten die Menschen durchschnittlich 228 Minuten vor dem TV-Gerät. Verloren habe jedoch das Radio, das 177 Minuten am Tag genutzt werde.

Anders sieht laut Frees die Mediennutzung bei den 14 bis 29-Jährigen aus: "Sie verbringen 148 im Internet und jeweils 135 Minuten mit Fernsehen und Radio." Überwiegend werde das Internet zur Kommunikation genutzt (41 Prozent), zu 19 Prozent zur Unterhaltung und zu 18 Prozent zur Suche nach Informationen. "16 Prozent der Nutzung entfallen auf Spielen, der Rest auf Onlineshopping." Die über 30-Jährigen nutzten das Internet ebenfalls überwiegend zur Kommunikation (38 Prozent), mit 27 Prozent werde das Internet jedoch zur Suche nach Informationen genutzt.

In 10 Jahren, so Frees, werde das Internet als "All-in-one-Medium" und einer weiteren Vernetzung mit dem Fernsehen das meistgenutzte Medium. Fernsehen werde ein individuelleres Programm bieten, das Radio durch technische Neuerungen wie Webradio oder Empfang auf Mobiltelefonen weiter Bedeutung haben. "Zeitungen hingegen werden gegenüber dem Internet weiter an Bedeutung verlieren." Bereits jetzt zeichne sich ab, dass Tageszeitungen als aktuelle Nachrichtenquellen gegenüber dem Internet verlieren.


Digital gespalten

Wolfgang Stock, Kommunikationsexperte in Berlin, gab in seinem Referat einen detaillierten Einblick in die gegenwärtigen Medientrends. "Online-Lesen am PC-Bildschirm ist out , die traditionelle Zeitung ist tot, das gedruckte Buch ist tot und das traditionelle Fernsehen ist tot", fasste Stock die Entwicklung der Medienlandschaft zusammen. So sei etwa das Anzeigenaufkommen in Zeitungen in den vergangenen neun Jahren um 40 Prozent gefallen, was Auswirkungen auf die Profitabilität der gedruckten Medien habe. Hinzu käme, dass etwa 75 Prozent der jungen Menschen heute keine Zeitungen mehr lesen und nicht bereit seien, für gedruckte Produkte Geld auszugeben. Hingegen seien die erst in dieser Woche gestarteten Apps von "Bild" und "Welt" bereits ein großer Erfolg unter den Online-Nutzern, so Stock. Damit können Nutzer des iPhones von Apple die "Bild"-Zeitung oder die "Welt" auf ihrem Mobilgerät bereits am Vorabend lesen. Ähnlich sei dies etwa beim Angebot der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die auf Amazons "Kindle" in digitaler Fassung gelesen werden könne. "Printmedien werden in mobile Handhelds abwandern, Fernsehen wird zu ‚video on demand’", so Stock. Medien würden daher schneller und mobiler, zudem persönlicher – "jedoch auch viel oberflächlicher", warnte der Kommunikationsprofi. Hinzu komme: "Unsere Gesellschaft ist bereits jetzt digital gespalten, das wird sich in Zukunft noch verstärken."

Der Vortandsvorsitzende von ERF Medien und Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Jürgen Wert, forderte insbesondere evangelikale Journalisten, auf Augenhöhe zu  beobachten und zu berichten. Christen seien Experten darin, andere von oben herab zu beurteilen. "Wir sollen urteilen, aber ohne zu verurteilen", so Werth. Das wichtigste Mandat für Christen in einer Gesellschaft, in der täglich eine Flut von Informationen auf die Menschen einströmte, sei es, Orientierungswissen zu vermitteln. "Daher müssen Journalisten sich die Frage stellen, ob sie im Berufsalltag noch Zeit haben, ‚eine Schippe tiefer zu graben‘."

Im Hinblick auf die rasante Veränderung in der Medienlandschaft beschrieb der Allianz-Vorsitzende das Spannungsfeld zwischen Auftrag und Wirklichkeit, in dem Journalisten sich täglich bewegen. Einerseits nah bei den Menschen, aber auch nah bei Gott zu sein, erzeuge unvermeidliche Spannungen. Auch der Gegensatz zwischen Anspruch und Lebenswirklichkeit, zwischen Mandat und Macht, lasse sich nicht wegdiskutieren. Aber: "Wer nicht in der Welt lebt, hat der Welt auch nichts zu sagen." Daher ermutigte Werth Christen dazu, "hellwach" zu bleiben, um die Entwicklungen nicht zu verschlafen. "Wenn wir vom Evangelium her denken, können wir nicht modern genug sein, wir müssen Trendsetter sein, die Avantgarde der gesellschaftlichen Entwicklung, nicht ihre Nachhut."

Weitere Referenten des 1. Christlichen Medienkongresses waren etwa Markus Bräuer, Medienbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Baake, Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP, Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik, Thomas Schiller, Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes (epd), Jürgen Mette, Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien, Dan Peter, Leiter der Publizistik der  Evangelischen Kirche in Württemberg, und der Tübinger Theologe Professor Hans-Joachim Eckstein.

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