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„Christliche Kirchen sollen als Einheit wiedererkannt werden“

Reiner Haseloff ist Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Im Interview der Kirchenzeitung Glaube und Heimat erzählt der „lutherische Katholik“, wie er sich selbst bezeichnet, was er von den Kirchen erwartet und warum er es für wichtig hält, auf das Gemeinsame der Konfessionen zu blicken, ohne die Unterschiede aufzuheben.
Von PRO
In Reiner Haseloffs Familie wurde Ökumene von Kindesbeinen an gelebt – seine Eltern gehörten verschiedenen konfessionen an, sagte er der Zeitung Glaube und Heimat. pro traf Haseloff 2013 zum Interview, die Aufnahme ist da entstanden.

Foto: pro

In Reiner Haseloffs Familie wurde Ökumene von Kindesbeinen an gelebt – seine Eltern gehörten verschiedenen konfessionen an, sagte er der Zeitung Glaube und Heimat. pro traf Haseloff 2013 zum Interview, die Aufnahme ist da entstanden.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) wünscht sich für die Gesellschaft, dass Katholische und Evangelische Kirche das christliche Menschenbild plausibel vertreten. Dazu gehören für ihn auch ethische Themen wie die Würde des Menschen, die Diskussion um Sterbehilfe oder der Schutz des ungeborenen Lebens. Das sagte er im Gespräch mit der mitteldeutschen Kirchenzeitung Glaube und Heimat für die kommende Ausgabe (19. Juli). Es gehe darum, „in Grundfragen zu einheitlichen Positionen“ zu finden – „aus der Schrift und der Tradition heraus“, sagte er. „Entscheidend ist für mich, dass die christlichen Kirchen als Einheit wiedererkannt werden.“

Die Familie von Reiner Haseloff ist väterlicherseits seit der Reformation evangelisch. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt stammt aus einem gemischt-konfessionellen Elternhaus. Im spirituellen Leben sieht er Martin Luther „uns Katholiken aktuell näher, als ich das in der evangelischen Kirche erkennen kann“. Er selbst sehe sich als lutherischen Katholiken. Ökumene sei für ihn von klein auf Normalität gewesen. Die DDR habe den christlichen Konfessionen keine andere Wahl gelassen. Heute sei die Heimat Martin Luthers mit 15 Prozent Christen die entchristlichtste Region in Europa.

Die Minderheiten-Situation der Kirchen habe schon in der Zeit der Friedlichen Revolution für ein geistliches Miteinander gesorgt. Christen seien zwar für verschiedene Parteien angetreten, hätten aber in der gleichen Kirchenbank gesessen. Diese Erfahrungen könnten in der heutigen Situation hilfreich sein, in der Christen wieder eine Minderheit seien: „Deshalb sehe ich die Kirchen als eine Gemeinschaft, die zusammengehört. Das Gemeinsame ist viel stärker als das Trennende.“

Kirchen auch in der Minderheit „Salz der Erde“

Allerdings betonte Haseloff, Unterschiede zwischen den Konfessionen aufzuheben führe weder zu ihrer Belebung noch zu einer höheren Attraktivität der Kirchen. Bis auf die Position zum Papsttum könne er zwischen Katholiken und Lutheranern keinen Widerspruch entdecken: „Wir müssen nicht alle Protestanten oder Katholiken werden, wir müssen wieder christliche Kirche werden.“

Während der Corona-Einschränkungen habe Haseloff sich mit der Familie und anderen sonntags digital „verabredet und eine gemeinsame Andacht gefeiert“. Ein Versagen der Kirchen in dieser Zeit sieht er für Sachsen-Anhalt nicht: „Es gab ziemlich schnell digitale kirchliche Angebote. Die Kirchen waren für Gebet und innere Einkehr geöffnet.“

Diese Erfahrungen gelte es in der Zukunft zu nutzen. Nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle seien die Kirchen mit ihren Seelsorge-Angeboten die erste Adresse gewesen: „Die Gotteshäuser sind Orte des Trostes und der Gemeinschaft. Sie sind Fixpunkte in der Stadt und auf dem Land.“ Dies gelte auch im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. Obwohl ihr nur noch eine Minderheit angehöre, sei sie das „Salz der Erde“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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