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Christen werden zur Zielscheibe

Christen in muslimischen Ländern müssen dafür bezahlen, wenn in westlichen Demokratien religiöse Gefühle von Muslimen verletzt werden. Das zeigen die jüngsten Angriffe auf Kirchen in Niger.
Von PRO
Christen in Niger waren vergangenes Wochenende die Zielscheibe muslimischer Aggressionen gegen die Mohammed-Karikaturen des französischen Magazins Charlie Hebdo
Christen in Niger waren vergangenes Wochenende die Zielscheibe muslimischer Aggressionen gegen die Mohammed-Karikaturen des französischen Magazins Charlie Hebdo
Das französische Satiremagazin Charlie Hebdo druckt Mohammed-Karikaturen, Christen in Niger müssen deswegen um ihr Leben fürchten: Nach dem muslimischen Freitagsgebet vergangene Woche brach in dem westafrikanischen Land die Gewalt los. In den zwei größten Städten, Zinder und der Hauptstadt Niamey, zogen radikale Muslime durch die Straßen und zündeten über 70 Kirchen, Wohnhäuser sowie Restaurants und Bars von Christen an. Auch ein französisches Kulturzentrum wurde angegriffen. Mindestens zehn Menschen starben wegen der Unruhen am Wochenende. Eine Mitarbeiterin des christlichen Missions- und Hilfswerkes „DMG interpersonal“ habe in Niamey gesehen, wie junge Menschen skandierend durch die Stadt zogen, sagte Andrew Howes, DMG-Personalleiter für Afrika. Es habe den Anschein, dass vorwiegend junge Männer nach dem Freitagsgebet in der Moschee auf die Straße geschickt worden seien. Dabei seien Christen zur Zielscheibe für die Empörung gegen den Westen geworden. „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Christen im Niger ihren muslimischen Nachbarn selbst ein Ärgernis sind“, sagte Howes gegenüber pro. „Die Angreifer sahen in ihnen ein Bild für westliche Einflüsse.“ In der früheren französischen Kolonie Niger sind 98 Prozent der Bevölkerung Muslime. Die kleine christliche Minderheit werde jedoch normalerweise sehr geschätzt, sagte Howes, insbesondere für medizinische und landwirtschaftliche Projekte, die sie betrieben, wie beispielsweise das größte Krankenhaus im Land. „Die aktuellen Anschläge kamen ziemlich überraschend und lassen sich nicht durch die Verhältnisse vor Ort erklären.“ Der Präsident Nigers, Mahamadou Issoufou, nahm die Christen seines Landes in einer Fernsehansprache am Samstag in Schutz: „Können wir akzeptieren, dass Kirchen im Namen unserer Religion verbrannt werden? Welches Unrechts sind die Kirchen und Christen im Niger schuldig? Diejenigen, die diese Orte der Anbetung entweihen, die ihre christlichen Mitbürger verfolgen und töten, […] haben nichts vom Islam verstanden.“ Howes bewertete diese Stellungnahme als „sehr bemerkenswert und mutig“. Issoufou sei dafür von konservativen Muslimen öffentlich kritisiert worden. Vergangene Woche hatte er bereits bei einem Trauermarsch nach den Anschlägen auf die Charlie-Hebdo-Redaktion in Paris teilgenommen.

„Religiöse Gefühle sind zu respektieren“

Für Deutschland sieht Howes keine Gefahr von ähnlichen Anschlägen gegen Christen. Vor einer Islamisierung der Gesellschaft müsse man sich hier keine Sorgen machen, sagte er. Jedoch betonte er auch, dass Islam nicht nur eine Religion, sondern ein Gesellschaftsmodell sei, das mit dem Modell christlich geprägter Gesellschaften nur schwer zusammenpasse. „Wir müssen darauf achtgeben, dass keine Parallelwelten entstehen, und ein Miteinander der Kulturen schaffen.“ Hier könnten sich Christen in besonderer Weise einbringen, indem sie Fremden gegenüber offen sind und Flüchtlinge willkommen heißen – „Integration gestalten, nicht nur geschehen lassen“, sagte Howes. Dazu gehöre auch, Verständnis für die religiösen Gefühle anderer Menschen zu entwickeln. So stelle sich in der westlichen Welt die Frage, inwiefern man sich bei aller Freiheit über eine Religion lustig machen dürfe. Muslimen würde es „nie in den Sinn kommen, ein Bild von Mohammed oder Allah zu zeichnen. Das ist tabu, das tun sie einfach nicht“, erklärte Howes. Das sei zu respektieren und zu achten. Wenn man sich darüber hinwegsetze, sei es nicht verwunderlich, wenn sich Muslime beleidigt fühlten, auch wenn dies Anschläge wie den in Paris keineswegs entschuldige. Auch das christliche Hilfswerk Open Doors nahm zu den Gewalttaten in Niger Stellung. Dessen Leiter Markus Rode sagte in einer Erklärung, Christen müssten „erneut den Preis für die unbegrenzte Inanspruchnahme unserer Pressefreiheit im Umfeld eines zunehmend extremistischen Islam zahlen“. Zum wiederholten Mal seien Christen die Leidtragenden, weil Mohammed-Karikaturen in demokratischen Ländern Europas veröffentlicht wurden. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/journalismus/detailansicht/aktuell/charlie-hebdo-weder-sinnvoll-noch-logisch-noch-klug-90729/
https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/detailansicht/aktuell/gott-kann-man-nicht-beleidigen-90730/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/muslime-demonstrieren-fuer-pressefreiheit-90749/
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