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„Christen werden in Ägypten nicht verfolgt“

Das Oberhaupt der koptisch-katholischen Kirche in Ägypten, Ibrahim Isaac Sedrak, warnt davor, von Christenverfolgung in Ägypten zu sprechen. Allerdings seien sie in der Tat häufig Opfer von Diskriminierung, sagte der Geistliche gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Von PRO

Foto: Missio

Seit August wurden in Ägypten 37 Kirchen zerstört. Auf die Frage der Zeitung „Werden in Ägypten die Christen verfolgt?“ antwortet der Geistliche: „Es gab Schwierigkeiten, sogar Diskriminierung. Von Verfolgung kann man jedoch nicht sprechen. Die Angriffe im August richteten sich zwar gegen Christen, das eigentliche Ziel war aber Ägypten selbst. Angegriffen wurden ja auch staatliche Institutionen und gemäßigte Muslime, die Christen verteidigt haben.“

Sedrak ist seit dem 15. Januar 2013 das Oberhaupt der koptisch-katholischen Kirche, der zweitgrößten Kirche Ägyptens. Anlässlich des Monats der Weltmission, der an diesem Sonntag vom katholischen Hilfswerk Missio eröffnet wird, hält er sich in Deutschland auf. Er wurde 1955 geboren und studierte Theologie und Philosophie am Priesterseminar von Maadie, einem Vorort von Kairo. 1980 wurde er zum Priester geweiht.

Die Vernachlässigung der Dörfer durch den Staat habe es den Fundamentalisten ermöglicht, an die Stelle des Staates zu treten, indem sie die Armen unterstützten und ihnen halfen, so der Patriarch. „Sie bauten ohn Einschränkungen überall Moscheen.“ Vielen galten daher die Islamisten als „gute Muslime“, da sie ja Moscheen bauten.

Weiter erklärt Sedrak: „Fundamentalistische Muslime, etwa in Minya, erhöhten nach der Absetzung Mursis und der Auflösung der beiden Protestlager der Muslimbrüder im August ihren Durck auf die Christen. Sie sahen, dass sie alles verloren und nichts mehr zu gewoinnen hatten. So griffen sie den Staat an, die Polizei und vor allem die Kirchen.“

Der Theologe ist sich sicher: „Die meisten einfachen Muslime wollen keine Gewalt. Sie respektieren andere. Sie wollen den Islam, aber nicht den politischen Islam.“ Es habe in der Vergangenheit Muslime gegeben, die Christen für Spione des Westens gehalten haben, sagt Sedrak. „Das darf man aber nicht generalisieren. Viele Muslime, sind gut ausgebildet, sehen das nicht so.“

Auf die Frage, ob Christen im Nahen Osten eine Zukunft haben, antwortet Sedrak: „Wir haben nicht wirklich eine Wahl, aber wir haben Hoffnung. Als Christen haben wir eine Mussion, auch im Nahen Osten. Die Region bewegt sich in die richtige Richtung. Das gilt auch die Muslime.“ (pro)

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