Das christliche Medienmagazin

Christen – Meister im Lügen

Christen lügen. Und das permanent, wenn auch meistens eher unbewusst und intuitiv als absichtlich. Das zumindest ist die These von Ulrich Eggers, Verlagsleiter des Bundes-Verlags und Chefredakteur des Magazins „Aufatmen“. Eine Rezension von Salome E. Mayer
Von PRO

Foto: Alex Bikfalvi / Flickr (CC BY-SA 2.0)

In seinem neuen Buch „Ehrlich leben“ schildert Eggers, warum Christen an ihren hohen Idealen oft scheitern und sich deshalb eine Fassade aufbauen. Der Autor möchte zeigen, wie Betroffene aus dem System aus Lügen und Halbwahrheiten ausbrechen können.

Im ersten Teil des Buches möchte der Autor seine unbequemen Thesen durch Alltagssituationen belegen, wählt allerdings eher schwache Beispiele aus: schon wer Liedtexte mitsingt, die er beim genauen Hinhören eigentlich gar nicht meint, sei unehrlich. Wer zu den Vorschlägen und Meinungen von anderen schweigt, obwohl er dagegen ist, sei ebenfalls nicht wahrhaftig.

Eggers sieht die Gründe für dieses Verhalten in einer Gemeindekultur, in der jeder meint, der „perfekte Christ“ sein zu müssen. Doch Anspruch und Wirklichkeit klafften auseinander. Durch Anpassungsdruck entstehe nach und nach ein Doppelleben, das die Betroffenen durch weitere Lügen und durch weiteres Schweigen aufrechterhielten. Angst vor Verurteilung und vor Ablehnung sei ein weiteres Motiv, seine Fassade sorgfältig zu pflegen. Eggers verdeutlicht Probleme so einer Doppelmoral und lädt zu einem ehrlichen und authentischen Leben ein. Warum ein solches im Sinne der Bibel sei, behandelt der Autor in einem extra Kapitel. So könnten Leser, die „das biblisch Kleingedruckte“ „ermüdend“ finden, es leicht auslassen. Schade, dass der Autor in den restlichen Kapiteln weitgehend auf Bibelverweise verzichtet.

Ehrlichkeit und Wahrheit

Eggers Definition von Wahrheit ist eine vorsichtige. Er benutzt diesen Begriff „in einem allgemeinen Sinn“. Wenn er von „ehrlich glauben“ redet, meint er damit „vor allem jene Wahrheit, die meine persönliche Wirklichkeit ist“. „Wahr sein“, ein Ziel, zu dem Eggers aufruft, bedeutet für ihn „ein ehrliches Zeugnis und Abbild von dem [zu] geben, was in mir tatsächlich drin ist.“ Dies falle nicht immer leicht. Doch er macht Mut, Vertrauen zu wagen und in Beziehungen, in denen man echt sein kann, zu investieren. Er gibt persönliche Erfahrungen aus seiner Ehe und seinem Alltag weiter und wünscht Gemeinden, dass sie Orte werden, an denen Menschen so sein können und dürfen, wie sie sind – begnadigte Sünder. Gemeinden sollten gegen fromme Fassaden kämpfen und nicht dazu beitragen, sie aufzurichten.

50 Impulse zum Weiterdenken

Im zweiten Teil des Buches gibt der Autor 50 kurze Impulse, die jedoch nicht immer das Thema des Buches treffen. Durch Fragen zum Weiterdenken wird der Leser eingeladen, sich und sein Verhalten zu reflektieren und zu hinterfragen. Die kurzen Kapitel eignen sich zum Lesen zwischendurch. Aber auch Kleingruppen und Hauskreisen liefern sie Gesprächsstoff und die Möglichkeit zum Austausch – hoffentlich ohne Masken.

Insgesamt bietet das Buch von Ulrich Eggers einigen Stoff zum Nachdenken. Er fordert seine Leser heraus, ihr Verhalten und ihren Umgang mit der Wahrheit zu überdenken. Seine Einladung zu einem authentischen Leben ist ansteckend. Jesus, der von sich gesagt hat, die Wahrheit zu sein, kommt jedoch ein wenig zu kurz.

Ulrich Eggers: „Ehrlich glauben: Warum Christen so leicht lügen.“ SCM R. Brockhaus, 224 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 9783417265514

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