Das katholische Hilfswerk „missio“ ist angesichts des Irankriegs besorgt über die Lage von Christen in Ländern des globalen Südens. Der Krieg zwischen Iran, Israel und den USA schüre kurz vor Ostern Ängste unter bedrängten Christen in Ländern wie Nigeria oder Pakistan, berichtet „missio“ am Dienstag in Aachen und beruft sich auf eine Umfrage in 20 Ländern mit Partnerorganisationen. Sicherheitsmaßnahmen würden verschärft, weil islamistische Extremisten die Eskalation im Nahen Osten nutzen könnten, um Christen als vermeintliche Verbündete der USA oder Israels zu brandmarken, hieß es.
Aus Nigeria berichtet Augustine Akhobga, Sekretär für Flüchtlingsarbeit der katholischen Bischofskonferenz, von alarmierenden Entwicklungen aus dem Norden und der Mitte des Landes. Islamisten bereiten sich dort offenbar auf Aktionen zu Ostern vor. Bischof Stephen Dami Mamza aus dem Bistum Yola reagiert laut „missio“ mit einem neuen Sicherheitskonzept für die Diözese. Zugleich suche die Diözese den Dialog mit muslimischen Würdenträgern. „Wir sind alarmiert, handeln aber besonnen und bleiben hoffnungsvoll.“
Mehr europäisches Engagement gefordert
Die befragten Partner fordern „missio“ zufolge Deutschland und Europa auf, sich entschlossener für einen Waffenstillstand und politische Verhandlungen einzusetzen. „Je mehr wir in Nigeria von Europas Ablehnung des Krieges und seinen Bemühungen um Frieden hören, desto besser“, schreibt Bischof Bulus Dauwa Yohanna aus der Diözese Kontagora. Ein solcher Einsatz stärke Europas Glaubwürdigkeit im globalen Süden. Auch Bischof Yousaf Sohan aus Multan in Pakistan fordert europäische Politiker auf, die Vermittlungsbemühungen Pakistans zwischen Iran, den USA und Israel zu unterstützen. „Das würde ihre Wirksamkeit erheblich steigern.“
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Mit Sorge blicken „missio“-Partner auf die wirtschaftlichen Folgen. Viele Länder des globalen Südens hängen von importiertem Öl und Gas ab. Steigende Energiepreise treiben laut Missio Inflation, Lebensmittel- und Transportkosten in die Höhe. Auch die Kirchen stünden aufgrund verstärkter Sozialarbeit und Überlebenshilfe unter Druck, bei gleichzeitiger Ausgabensteigerung für Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und Flüchtlingsarbeit. Im „missio-Stimmungsbild“ forderten sie von Europa humanitäre Hilfe sowie eine stärkere Zusammenarbeit in der Friedensarbeit und beim Schutz religiöser Minderheiten.