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„Christen hatten unter Assad Freiheit und Gleichheit“

Der christlichen Minderheit in Syrien ging es während der Regierungszeit von Machthaber Baschar al-Assad relativ gut. Das erklärt der libanesische Erzbischof Flavien Joseph Melki und kritisierte die mangelnde Religionsfreiheit in islamischen Ländern.
Von PRO

Foto: Kirche in Not

„Während der gesamten Geschichte des modernen Syrien ist das Assad-Regime dasjenige, das Minderheiten am meisten respektiert. Niemand wurde bevorzugt, aber allen wurden ihr Recht und ihre Würde zugesprochen“, sagte Melki in einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. In keinem arabischen Land gebe es Demokratie, weil dieser Grundbegriff der Mentalität der Region fremd bleibe. „Wir können sagen, dass die Christen während der letzten 40 Jahre in Syrien Freiheit und Gleichheit genossen haben: Weil die syrische Baath-Partei, ein laiizistisches Regime, sich niemals in Religionsangelegenheiten einmischt, jegliche Glaubensrichtung respektiert. Sie bevorzugt keine Religion vor der anderen.“

Der Bürgerkrieg in Syrien habe mit einem Schrei nach Freiheit, Gleichheit und Teilhabe an der Macht begonnen. „Aber je länger der Konflikt andauerte, hat er sich zu einem Krieg zwischen der muslimischen Mehrheit und Minderheit entwickelt. Die Sunniten kämpfen gegen die Alawiten. Andererseits gibt es auch Angriffe auf Christen.“ Auch andere Staaten spielen in dem Konflikt laut Melki eine wichtige Rolle: „Wir wissen, dass Syrien schon seit langer Zeit, schon zu Zeiten von Baschar al-Assads Vater, einen Friedensvertrag und ein Bündnis mit dem Iran geschlossen hat.“ Syrien sei der Verbündete Irans. Die sozialistische Baath-Partei Assads werde aufgrund ihrer politischen Nähe zu Russland von Moskau mit Waffen beliefert.

Konflikt bedroht auch den Libanon

Es sei bekannt, erklärte Melki, dass die im Süden Libanons ansässige Hisbollah die Macht Assads und seiner Partei mit 500.000 Kämpfern unterstütze. „Diese Situation hat eine Gegenreaktion bewirkt. Die Sunniten haben sich vereint, um zu zeigen, dass auch sie ein Recht auf ihre Milizen haben. Weil die Schiiten, die Armee der Hisbollah, Kämpfer nach Syrien entsendet, senden die Sunniten jetzt auch Waffen und Soldaten, um gegen das Assad-Regime zu kämpfen.“

Als Auswirkung gebe es auch im Libanon unter den beiden Konfessionen Auseinandersetzungen. Dies verursache Aufruhr und Unsicherheit im ganzen Land. Die libanesische Armee habe vergeblich versucht, einzugreifen. Andere Staaten, unter anderem Saudi-Arabien, unterstützen die Unruhen finanziell und mit Waffen.

Auf die Frage, ob er irgendwo in der islamischen Welt eine politische Alternative zum fundamentalistischen politischen Islam sehe, erklärte der Erzbischof, die arabisch-muslimischen Staaten seien noch nicht soweit, Religion und Staat auseinanderzuhalten. „Die Religion wird immer der politischen Macht übergeordnet, weil das islamische Gesetz der Scharia im Gesetz verankert sein muss. Solange es das islamische Gesetz gibt, gibt es keine Religionsfreiheit. Ein Christ kann sich unter diesen Umständen niemals Muslimen entgegenstellen, es sei denn, er wird selbst Muslim. Ein Muslim kann niemals Christ werden.“ Jegliche Veränderung müsse aus kommenden Generationen der islamischen Bevölkerung entstehen.

Viele Christen im Orient verließen derzeit ihr Land, wenn auch schweren Herzens. Gewalt und Armut würden sie zu diesem Schritt zwingen. „Aber solange wir Hirten und verantwortlich für die Christen sind, ermutigen wir die Jugendlichen, ihre Heimat nicht zu verlassen, weil wir noch eine religiöse Mission erfüllen müssen.“ (pro)

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