Das christliche Medienmagazin

Christ & Welt wird Tochter der Zeit

Es kommt einem Beben in der kirchlichen Medienszene gleich: Die Wochenzeitung Die Zeit will fortan ihr Beilagenheft Christ & Welt selbst produzieren. Auf der Strecke bleibt das Katholische Medienhaus und somit auch die Katholische Kirche.
Von PRO
Die Christ & Welt-Redaktion zieht im Oktober von Bonn nach Berlin

Foto: pro/Michael Müller

Die Christ & Welt-Redaktion zieht im Oktober von Bonn nach Berlin
Die Zeit-Beilage Christ & Welt und das Katholische Medienhaus gehen getrennte Wege. Ab dem 1. Oktober wird die sechsseitige Beilage von der Zeit-Tochterfirma Credo produziert, schreibt die Süddeutsche Zeitung (SZ). Die fünfköpfige Redaktion um den stellvertretenden Redaktionsleiter Raoul Löbbert zieht bei gleichbleibendem Etat von Bonn nach Berlin. „Christ & Welt hat sich publizistisch und in der Auflage hervorragend entwickelt. Jetzt freuen wir uns darauf, die Publikation unter das Dach der Zeit-Verlagsgruppe zu holen“, sagte der Geschäftsführer der Zeit, Rainer Esser, gegenüber pro. Mit der Eigenproduktion unterstreiche die Wochenzeitung das gewachsene Interesse der Leser an religiösen Themen. „Wir wollen bei der Zeit nicht missionieren, aber mir war es immer wichtig, die Themen Religion und Sinnsuche bei uns zu verankern“, erklärte Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Einfluss der Katholischen Kirche schwindet

Mit dem Ausscheiden des Katholischen Medienhauses, dem bisherigen Partner von Christ & Welt, wird der Einfluss der Katholischen Kirche schwinden. Das Unternehmen, das vom Verband der Diözesen Deutschlands und damit von der Deutschen Bischofskonferenz getragen wird, hatte Christ & Welt in den vergangenen Jahren mit der Tochterfirma dreipunktdrei mediengesellschaft mbh produziert und der Zeit zugeliefert. Der Geschäftsführer von dreipunktdrei, Theo Mönch-Tegeder, blickt mit Dankbarkeit auf die Zusammenarbeit mit der Zeit zurück: „Wir haben gemeinsam bewiesen, dass der Dialog zwischen Religionen und Gesellschaft attraktiver Medienstoff ist.“ Aber natürlich sei nicht zu leugnen, dass der Abschied von Christ & Welt schwerfällt. Der Kooperationsvertrag war zwar bis zum 30.09.2017 befristet. Nach dem Wechsel der Christ & Welt-Redaktionsleiterin Christiane Florin zum Deutschlandfunk im vergangenen Dezember musste aber vorzeitig ein Zukunftskonzept erarbeitet werden. Die nun gefundene Lösung sei für die nächsten Schritte von Christ & Welt die beste. „Wir bedauern, dass Christ & Welt im Medienhaus nicht fortgeführt werden kann“, teilte die Deutsche Bischofskonferenz auf Anfrage von pro mit. Sie hoffe aber auf eine gute Zukunft für Christ & Welt in Hamburg und Berlin. Im Katholischen Medienhaus in Bonn verbleiben die Katholischen Nachrichtenagentur, die Internetseite katholisch.de sowie die Fachmedien Filmdienst und Medienkorrespondenz als Marken vereint.

Spekulation: Die „unbequeme“ Zeit-Beilage

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) spekuliert, dass den katholischen Bischöfen die offene Debattenkultur der „unbequemen“ Zeit-Beilage ein Dorn im Auge gewesen sein könnte. Christ & Welt habe „nicht einfach bei der Verkündung des katholischen Glaubens“ geholfen. Gegenüber pro wollte eine Sprecherin der Zeit-Verlagsgruppe diese Interpretation nicht kommentieren. Sie sagte, dass die Zusammenarbeit mit dem Katholischen Medienhaus gut und vertrauensvoll gewesen sei. Die Leitung der Zeit-Verlagsgruppe glaube aber, Christ & Welt unter dem eigenen Dach am besten absichern und weiterentwickeln zu können: „Finanzielle Überlegungen spielten keine Rolle.“ Der Geschäftsführer von dreipunktdrei sieht in der Spekulation der SZ keinen Vorwurf. „Ja, Christ & Welt hat eine eigene journalistische Kultur entwickelt und dabei sehr von der Zeit gelernt“, sagte Mönch-Tegeder gegenüber pro. Die These „unbequem für die katholische Kirche“ gehe allerdings in die völlig falsche Richtung: „Die deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZDK) haben viele Male dokumentiert, dass sie den Dialog mit der Gesellschaft für eine ihrer dringendsten Aufgaben halten.“ Genau das sei die Stärke von Christ & Welt und werde es in der Zukunft hoffentlich bleiben. Christ & Welt war in der Nachkriegszeit ursprünglich eine der auflagenstärksten Wochenzeitungen der Bundesrepublik. Nach schwächelnden Zahlen übernahm die Deutsche Bischofskonferenz im Jahr 1980 das Blatt. Die im Rheinischen Merkur aufgegangene Zeitung wurde so ein wichtiger Bestandteil der katholischen Publizistik. Seit 2010 heißt sie wieder Christ & Welt und ist fester Bestandteil der Wochenzeitung Die Zeit. Anfangs galt das Projekt für die Zeit als finanzielles und publizistisches Risiko. Das Beilagenheft rühmt sich inzwischen aber, die „meistzitierte Publikation im Bereich Religion“ zu sein. (pro)
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