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Bundestagswahl: Sieg mit Facebooks Hilfe

Das Internet gewinnt stetig an Bedeutung – auch für die Politik. Das hat eine aktuelle Forsa-Studie ergeben. Demnach hält jeder dritte Deutsche den Wahlkampf im Netz für entscheidend. Über die Hälfte informiert sich online über entsprechende Inhalte, viele davon in Sozialen Netzwerken. Dort werden Netznutzer oft selbst zum Fürsprecher von Politikern und Parteien.

Von PRO

Foto: momius/Fotolia

Über ein Drittel der Deutschen hält das Internet für wahlentscheidend. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist sogar knapp die Hälfte dieser Ansicht. Das hat eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Forsa im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom ergeben. Für die Studie „Demokratie 3.0 – Bedeutung des Internets für den Bundestagswahlkampf” wurden 1.000 Deutsche ab 18 Jahren befragt. „Das Internet spielt im Wahlkampf eine wichtige Rolle”, erklärte Bitkom-Präsident Dieter Kempf am Dienstag in Berlin. Insgesamt 60 Prozent aller Bürger informieren sich demnach online über Politik. 2009 waren es 45 Prozent. Unter den 18- bis 29-Jährigen spielt das Internet eine besonders große Rolle: Acht von zehn jungen Erwachsenen informieren sich dort über Politik.

Internet ist „extrem wichtige Informationsquelle”

Auch wenn das wichtigste Informationsmedium für die meisten Deutschen nach wie vor das Fernsehen sei, habe das Netz in den vergangenen Jahren rasant aufgeholt, sagte Kempf. Forsa-Chef Manfred Güllner stimmte zu: Das Internet sei eine „extrem wichtige Informationsquelle, allerdings ohne, dass die anderen Medien vollständig verdrängt werden”. 84 Prozent der Netznutzer klicken sich bei Recherchen durch die gängigen Online-Medien von Spiegel, der Welt, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder n-tv. Doch besonders Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter werden laut Studie eine große Rolle im Wahlkampf spielen. Über Soziale Netzwerke informieren sich 35 Prozent, in der jüngeren Generation sind es 55 Prozent. Mit weitem Abstand folgen die Angebote von Nichtregierungsorganisationen. Weniger als ein Drittel der Bürger nutzt Internetangebote von Ministerien, Behörden oder Parteien. Ein Sechstel liest in politischen Blogs oder auf den Webseiten von Politikern.

Über Soziale Netzwerke beteiligen sich zudem viele Menschen aktiv am Wahlkampf, wenn auch oft unbewusst: Knapp die Hälfte der jüngeren Netzaktiven teilt dort politische Inhalte, insgesamt tut dies jeder Sechste. An politischen Web-Kampagnen beteiligen sich hingegen nur drei Prozent.

Politiker twittern und teilen

Viele Politiker haben den Trend erkannt und nutzen das Netz für sich: Knapp 90 Prozent der Bundestagsabgeordneten haben ein Profil bei mindestens einem Sozialen Netzwerk. 76 Prozent sind bei Facebook, 50 Prozent bei Twitter und 41 Prozent bei Youtube. Angela Merkel liegt im Ranking der Online-Aktiven vorne. Insgesamt hat sie bei den unterschiedlichen Plattformen 246.000 Follower. Ihr Herausforderer bei der Bundestagswahl, Peer Steinbrück (SPD) kommt auf 43.000 Unterstützer. Kempf lobte das Online-Engagement Merkels: „Es ist spürbar, dass sie in ihrer Öffentlichkeitsarbeit neue Medien besonders intensiv benutzt.” Die Wahl habe die Kanzlerin deshalb aber noch nicht automatisch gewonnen, ergänzte Forsa-Geschäftsführer Güllner: Einen unmittelbaren Einfluss von Medien auf die Wahlentscheidung gebe es nicht. „Die Menschen filtern noch und haben ihre eigene Priorität.”

„Das Internet ist kein Allheilmittel”

Ist es also nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Wahlen selbst ins Internet verlagern? Über die Hälfte der Bundesbürger kann sich vorstellen, im Netz die Stimme abzugeben, acht Prozent mehr als vor vier Jahren. Güllner ist dennoch skeptisch, was die Bekämpfung von Politikverdrossenheit durch eine zunehmende Verlagerung ins Netz betrifft: „Das Internet ist kein Allheilmittel, es kann die Politik nicht besser machen.” Eine Online-Wahl könne aber durchaus eine gute Sache sein: Die Sicherheitsmechanismen im Netz seien heute besser als bei der Briefwahl.

Für viele sind bei ihrer Wahlentscheidung auch netzpolitische Themen wichtig. So gaben fast alle Befragten an, dass sich die neue Bundesregierung stärker um den Datenschutz kümmern und Internetkriminalität bekämpfen sollte. 84 Prozent halten die Vermittlung von Netzkompetenz bei Kindern und Jugendliche für politisch wichtig. 79 Prozent fordern eine Reform des Urheberrechts und 76 Prozent die Sicherung der Netzneutralität. (pro)

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