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Bruder Paulus Terwitte kritisiert Paris-Berichterstattung

Die Berichterstattung über die Attentate von Paris muss zwischen tatsächlicher Information und emotionaler Aufladung abwägen. Das erklärte der Mönch und Medienexperte Bruder Paulus im Domradio.
Von PRO
Bruder Paulus Terwitte mahnt besonnene Aufklärung in der Berichterstattung über die Terrorakte in Paris an
Bruder Paulus Terwitte mahnt besonnene Aufklärung in der Berichterstattung über die Terrorakte in Paris an
Er wünscht sich „besonnene Aufklärung“ und weniger Profilierung von selbsternannten Terrorexperten, erklärte der Kapuzinermönch und Medienprofi Bruder Paulus Terwitte im Interview mit dem Domradio. Die Medien hätten in diesen Tagen die Aufgabe „der ruhigen, verhaltenen und besonnenen Aufklärung“, sagt er. „Wir müssen wissen, was da geschehen ist. Aber gleichzeitig müssen sie uns auch davor schützen, dass wir denken, da ist jetzt etwas geschehen, was es vorher noch nie gegeben hat und was so schlimm ist, dass die ganze Welt bedroht ist.“ Terwitte gesteht ein, dass die Medien über schreckliche Dinge berichten müssen. Doch die „Logik der Medien“ funktioniere leider nach dem Schema: „Je schlimmer etwas ist und je unsäglicher das Leid ist, desto mehr muss darüber berichtet werden.“ Dabei sei in der Welt doch eigentlich auch „vieles in Ordnung“. Doch leider sei eben die Grausamkeit eine „gute Nachricht“. Die Quantität der Berichterstattung über die Anschläge in Paris halte er für übertrieben.

„Experten wollen sich profilieren“

„Wir brauchen nicht zum hundertsten Mal zu hören, wie jemand verzweifelt ist und weint. Es reichen auch drei Bilder, es müssen nicht 20 sein.“ Eine Verwüstung könne man sich auch vorstellen, ohne dass man Bilder sieht, auf denen sogar noch die Toten abgebildet sind, sagt Terwitte. Der Priester warnt davor, allzu schnell in Kriegsrhetorik zu verfallen. „Dass aus Kriegsregionen Gewalttaten, die dort an der Tagesordnung sind, mitten in das Herz von Europa transportiert werden, ist sicher eine neue Dimension. Aber wenn wir die Dimension wissen, dann kennen wir die auch.“ Auch über die Verwundbarkeit der Sicherheit müssten die Medien berichten, gesteht Terwitte ein. Doch weil viele Medien privatisiert finanziert würden, werde darüber zu viel gesprochen. „Hier existiert sicher auch bei den Medien ein Marktdruck.“ Auf die Frage, ob die kollektive Angst nicht immer größer werde, wenn Experten vor neuen Anschlägen warnen, antwortet Terwitte: „Tatsächlich bin ich auch selber verunsichert, weil ich diese Experten registriere und mich frage, warum sie ständig im Fernsehen zu hören sind und ständig in den Medien Präsenz zeigen. Sind sie nicht genug gehört worden?“ Es gebe sicher viele Menschen, „die sich als sogenannte Experten profilieren wollen, die nun eine Plattform bekommen“, so Terwitte. Eine „ordentliche Medien- und Öffentlichkeitsarbeit“ sei nun, das Für und Wider von Sicherheitsmaßnahmen in unserem Staat darzustellen. Bruder Paulus trat in den digitalen Medien zuerst mit einem täglichen Newsletter zur Schlagzeile der Bildzeitung hervor. Er war danach für Radio- und Fernsehsendungen tätig, unter anderem in „Um Gottes Willen“ in der Reihe N24 Ethik. Seit 2011 ist die Sendung „So gesehen – Talk am Sonntag“ jeden zweiten Sonntag auf SAT.1 zu sehen. (pro)
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