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Brasilien: ZDF berichtet über Verbindung zwischen Evangelikalen und Bolsonaro

Mit einem evangelikalen Kinderprediger aus Brasilien hat sich das ZDF-Auslandsjournal befasst. Zudem ging es um die Verbindungen von „Ultrakonservativen“ zu Präsident Jair Bolsonaro, in dem sie ihren „irdischen Messias“ gefunden hätten, wie es in der Sendung heißt.
Von PRO
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Jair Bolsonaro ist seit Beginn des Jahres brasilianischer Präsident

Foto: © ZDF/François Cardona

Jair Bolsonaro ist seit Beginn des Jahres brasilianischer Präsident

„Zehnjährige, die zum Glauben aufpeitschen“: So leitet Moderatorin Antje Pieper am Mittwoch ins ZDF-Auslandsjournal. Die Sendung thematisiert in einem Beitrag Kinderprediger in Brasilien und evangelikale Gläubige im Land. Im brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro hätten „Ultrakonservative“ ihren „irdischen Messias“ gefunden: Der Glaube könne Wahlen entscheiden, sagt die Moderatorin.

Der Einfluss der Evangelikalen nehme im bislang vor allem katholischen Brasilien „massiv“ zu: „Die überwiegende Mehrheit der fundamentalen Christen wählte den Rechtspopulisten Bolsonaro an die Spitze des Staates.“ Ihre Anhängerschaft wachse. „Sie bieten einfache Antworten und verkünden einfache Botschaften. Sie schicken dafür sogar Zehnjährige ins Rennen“, moderiert Pieper den Beitrag an.

Moderatorin des ZDF-Auslandsjournals: Antje Pieper Foto: © ZDF/Jana Kay
Moderatorin des ZDF-Auslandsjournals: Antje Pieper

„Ultrakonservative Bewegung“ als „wichtiger Machtfaktor“

Zu sehen sind Bilder des zehnjährigen João, ein Kinderprediger, der in einer Gemeinde mit Inbrunst predigt, schnell durch die Reihen der Gottesdienstbesucher läuft und leidenschaftlich gestikuliert. In Brasilien gebe es tausende Kinderprediger. „Der zehnjährige João ist mehr als ein religiöses Kuriosum. Er ist zum politischen Instrument einer wachsenden Gemeinde geworden, die nach der Macht strebt. Brasiliens Evangelikale unterstützten den neuen Präsidenten Bolsonaro.“ Auch João sei „auf Linie“. Der Junge erzählt den Reportern, Brasilien müsse „die korrupten Politiker loswerden und durch Menschen ersetzen, die wirklich etwas verbessern wollen und bereit sind, zu handeln“. Das könne Bolsonaro erreichen.

Die „ultrakonservative Bewegung“ sei zu einem wichtigen Machtfaktor geworden. Bolsonaro suche ganz bewusst die Nähe zu den Evangelikalen. Silas Malafaia, ein bekannter Fernsehprediger in Brasilien, habe Bolsonaro groß gemacht, heißt es in dem Beitrag. Malafaia wird gezeigt, wie er laut und mit Leidenschaft auf der Bühne predigt. Seine Position zur „Ehe für alle“ greift das Auslandsjournal auf und blendet ein Video des Predigers ein, in dem er erklärt, dass er „niemandem verbiete, homosexuell zu sein“. Das sei etwas ganz Persönliches. „Aber die Ehe ist eine heterosexuelle Angelegenheit“. Weiter heißt es, dass der Prediger in seinen Büchern, die ihn reich gemacht hätten, den Kreationismus vertrete – „das Gegenteil der wissenschaftlichen Evolutionslehre“.

„Hinterbänkler Bolsonaro hat wenig vorzuweisen außer reaktionäre Ansichten“

Zu Bolsonaro erklärt der ZDF-Reporter Christoph Röckerath: „Der Hinterbänkler hat wenig vorzuweisen bis auf reaktionäre Ansichten, eine ausgeprägte Homophobie und Ehrgeiz. Er ist der ideale Kandidat. Malafaia erfindet Bolsonaro neu. Er selbst tauft den ehemaligen Katholiken um zum Evangelikalen. Zwei Jahre vor der Wahl.“ Der Beitrag beinhaltet ein Video, in dem Malafaia dazu aufruft, Bolsonaro zum Präsidenten zu wählen.

Ein Grund für den Erfolg der Evangelikalen sei das „Versprechen einer gottgewollten Ordnung“. Röckerath nennt unterschiedliche Schätzungen, laut denen sich mittlerweile zwischen einem Viertel und einem Drittel der Brasilianer zu „ihrer ultrakonservativen Ausrichtung des christlichen Glaubens“ bekennen. Einst sei Brasilien „eine katholische Festung“ gewesen. Doch die Evangelikalen breiteten sich laut Beitrag immer weiter aus. Gerade die Armen im Land ziehe es in die Kirchen, die ihre „Volksnähe und die einfachen Botschaften zelebrieren“. Und die Botschaft müsse einfach bleiben, „damit sie wirkt in Zeiten, die viele Brasilianer überfordern“. Das sei es, was Bolsonaro und die Evangelikalen verbindet, „warum sie einander brauchen, um zu herrschen – solange die Menschen nur an sie glauben wollen“.

In dem Bericht geht es allgemein formuliert um „die Evangelikalen“. Dass es verschiedene Strömungen in der Bewegung gibt, behandelt der Beitrag des Auslandsjournals nicht. Zudem unterscheidet er nicht zwischen Evangelikalen in Deutschland, zu denen etwa die Pietisten zählen, und in Südamerika. Evangelikale auf der anderen Seite des Atlantiks spielen gesellschaftspolitisch eine andere Rolle. In Brasilien unterstützen sie mehrheitlich den rechtskonservativen Präsidenten.

Von: Martina Blatt

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