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Brasilien: Pfingstler drängen Katholiken zurück

Einst war in Brasilien so gut wie jeder katholisch – heute ist ein Fünftel der Bevölkerung evangelisch. Vor allem die Pfingstler ziehen der katholischen Kirche Mitglieder ab.  
Von PRO

Foto: granitepeaker/Fotolia

Brasilien hat die größte katholische Population der Welt – doch sie schrumpft. 65 Prozent der Brasilianer gehören dieser Volkskirche derzeit an, das sind 123 Millionen Menschen. 1970 waren es noch 92 Prozent der Einwohner. Zwei Millionen Mitglieder hat die Kirche allein in den letzten 12 Jahren verloren. Das hat das amerikanische Meinungsforschungszentrum PEW herausgefunden. Demnach ist zeitgleich die Zahl der Protestanten gestiegen. Waren im Jahr 2000 noch 26 Millionen Brasilianer evangelisch, sind es nun 42 Millionen – unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums ist das ein Anstieg um sieben auf derzeit 22 Prozent. Wo der Katholizismus in 40 Jahren rund ein Drittel seiner Anhängerschaft verloren hat, haben die Protestanten sich mehr als vervierfacht.

Besonders stark wächst die Gruppe der Pfingstler. 1991 gehörten noch sechs Prozent der Bevölkerung zu ihnen, 2010 waren es bereits doppelt so viele. Die Zahl der Anhänger evangelikaler Denominationen wie Baptisten oder Presbyterianer lag in den vergangenen zwei Jahrzehnten stabil bei drei bis vier Prozent der Bevölkerung.

Viele Pfingstler sind konvertierte Katholiken

Schon 2006 hatte das PEW Center herausgefunden, dass ungefähr die Hälfte der brasilianischen Pfingstler konvertierte Katholiken sind. Die Abwendung der Brasilianer vom Katholizismus geht quer durch die Gesellschaft: Junge, Alte, Städter, Landbewohner, Menschen mit und ohne weiterführende Schulbildung haben die Kirche verlassen. Unter den 15- bis 29-Jährigen ist die Zahl der Katholiken seit 1970 um fast ein Drittel geschrumpft, bei jenen über 70 ist es ein Sechstel. In den Städten sind heute ebenfalls ein Drittel weniger Menschen katholisch als noch vor 40 Jahren. Auf dem Land ist die Zahl wiederum um ein Sechstel gesunken.

Zunehmend gehören die Brasilianer auch anderen Religionen wie dem Buddhismus und dem Islam an. Seit 1970 ist deren Zahl um drei Prozent auf insgesamt fünf gestiegen. Auch der Atheismus hat Befürworter gewonnen – 1970 machten sie noch ein Prozent der Brasilianer aus, heute sind es acht.

Brasiliens Population hat sich in den vergangenen vier Dekaden verdoppelt. Lebten 1970 noch 95 Millionen Menschen in dem südamerikanischen Land, sind es heute 190 Millionen. Die Zahlen für die Analyse hat das PEW Research Center dem Zensus in Brasilien entnommen.

Evangelikale Lobby gewinnt Stärke

Anlässlich des Papstbesuchs Ende des Monats in Brasilien, hat auch das Magazin Der Spiegel die religiöse Lage dort in den Blick genommen. In der aktuellen Ausgabe beschreiben die Autoren, wie vor allem im Westen Rio de Janeiros Evangelikale den Katholiken den Rang ablaufen. Die Region sei die erste im Land, in der es mehr evangelikale als katholische Gläubige gebe. Die konservativen Christen nähmen auch auf die Politik Einfluss. Evangelikale Lobbygruppen setzten sich für „Schwulen-Heilungen” und gegen Abtreibung ein.

Der Grund für den Zulauf zu solchen Gemeinden sieht der Spiegel vor allem im sozialen Engagement der Gruppen. Viele Menschen in den Metropolen litten unter Süchten, seien entwurzelt. Die Pastoren würden in Gefängnissen und Armenvierteln aktiv, viele ehemalige Drogenhändler ließen sich taufen. Der Vatikan sei alarmiert. Papst Franziskus wolle seinen Priestern beim Besuch empfehlen, sich mehr in aktive Hilfe zu investieren. (pro)

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