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Bleibt Deutschland christlich?

Muslime werden in Zukunft aufgrund des demografischen Wandels immer mehr Einfluss auf die Gesellschaft haben. Auch die traditionellen Wertvorstellungen in Deutschland werden "unter Druck geraten". Das prognostiziert ein neues Heft der "Bundeszentrale für politische Bildung" (bpb) mit dem Titel "Kirche in Deutschland".
Von PRO

Foto: pro

Anfang August erschien das 20 Seiten umfassende Heft, das wie die meisten Broschüren der bpb kostenlos erhältlich ist. Wolfram Kinzig, Universitätsprofessor für Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn, schreibt darin über die Kirchengeschichte seit dem Mittelalter und diskutiert die Auswirkungen von Reformation, Glaubenskriegen und Kirchenspaltung. Doch auch eine Prognose über die Zukunft der Kirchen in Deutschland wagt Kinzig, der geschäftsführender Herausgeber der "Studien des Bonner Zentrums für Religion und Gesellschaft" ist.

"Die Geschichte Europas ist auch eine Geschichte des Christentums. Die Kirchen waren über Jahrhunderte von zentraler politischer und kultureller Bedeutung. Der Säkularisierungsprozess der Moderne bedeutet jedoch eine neue Herausforderung", schreibt der Theologe. Die Kirchen seien "die maßgeblichen Träger karitativer Einrichtungen, in ethischen Fragen finden christliche Standpunkte weithin Gehör. Von einem Ende der Bedeutung des Religiösen kann somit keine Rede sein, doch neuere Entwicklungen stellen die Kirchen vor Herausforderungen".

"Muslime werden Führungspositionen einnehmen"

Der Wissenschaftler stellt fest: "Deutschland ist unverändert ein christlich geprägtes Land: 74 Prozent der insgesamt 82,3 Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger gehören einer Religionsgemeinschaft an oder bezeichnen sich als einer solchen zugehörig." Protestanten machen dabei 30,5 Prozent der Deutschen aus, Katholiken 31,2 Prozent. Es gibt etwa 3,2 Millionen Muslime in Deutschland (3,9 Prozent), und 106.000 Juden (0,1 Prozent).

"Der Anteil der nichtchristlichen Religiösen, hauptsächlich der Muslime, wird schon aus demografischen Gründen weiter wachsen", schreibt Kinzig. Dabei werde der Einfluss des türkischen Staates unter türkischen Zuwanderern in Deutschland immer weiter zurückgehen. Die gesellschaftliche Teilhabe von Muslimen werde jedoch zunehmen. "Mehr Muslime werden Universitäten besuchen und auf lange Sicht Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen. Erste Anzeichen hierfür sind erkennbar (zum Beispiel türkischstämmige bzw. islamische Universitätslehrer oder Bundestagsabgeordnete)." Dies werde "weitreichende zivilreligiöse Veränderungen" nach sich ziehen, "angefangen von der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an staatlichen Schulen bis hin zu staatlich geschützten islamischen Feiertagen". Kinzig weiter: "Dadurch werden der traditionelle Bildungskanon und die überkommenen Wertvorstellungen unter Druck geraten. Man wird neuartige Kompromisse aushandeln müssen. Die Kirchen können hierbei auf einen großen Fundus historischer Erfahrungen zurückgreifen."

"Kirchen als Dienstleister für religiöse Fragen"

Der Theologe sieht zudem eine deutliche Abnahme des öffentlichen Einflusses der Institution Kirche in den letzten Jahrzehnten. Gleichzeitig hätten die Kirchen ihren Einfluss in den elektronischen Medien Fernsehen, Radio und Internet "deutlich verstärkt". "Die Kirche wird – auch als moralische Instanz – eine Stimme neben anderen bleiben, mit unterschiedlicher Autorität bezogen auf die einzelnen religiösen Milieus."

Eine abnehmende öffentliche Akzeptanz der Kirchen allgemein, das Fehlen einer zentralen Repräsentationsinstanz, der Mitgliederschwund und die daraus resultierende wachsende Finanznot werden die evangelischen Landeskirchen nach Meinung Kinzigs langfristig zwingen, zu einer Form von bundesweiter föderaler Kirchenstruktur zu finden. "Daneben wird das Christentum verstärkt neue Formen der Präsenz im gesellschaftlichen Leben suchen, etwa dadurch, dass es sich als Dienstleister für religiöse Fragen profiliert" – etwa durch "unkonventionelle Webauftritte", öffentliche Aktionen oder "griffige Werbeslogans an Bussen und Bahnen". Diese Entwicklung sei jedoch nicht unproblematisch, "weil Kirche sich damit als ein Anbieter von religiöser Sinnstiftung neben anderen etabliert und ihr Anderssein nivelliert". (PRO)

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