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Die digitale Welt kann auch bei Glaube und Gottesdienst nicht außen vor bleiben, meinen ambitionierte Pfarrer und Gemeindemitarbeiter. Einige von ihnen haben auf dem Kirchentag in Berlin ihre Projekte vorgestellt: Vom Fürbitte-Anliegen per WhatsApp über das Abendgebet auf Twitter bis hin zum Aufbau der eigenen Kirche auf Minecraft.
Von PRO
Digitale Kirche war Thema beim Kirchentag

Foto: Christina Bachmann

Digitale Kirche war Thema beim Kirchentag

„Wenn ich sehe, was 15-jährige Jugendliche heute auf ihren Telefonen mache, fühle ich mich sehr alt!“, gesteht der 28 Jahre alte Lorenz Schuster. Er ist einer der Technikcoaches bei LUX, der Jungen Kirche Nürnberg. Kernalter der Besucher dort: 15 bis 27 Jahre.

Star-Wars- und Snapchat-Gottesdienste

„Bei uns machen die Jugendlichen selbst das Programm, sagt LUX-Pfarrer Norbert Ehrensperger. „Wir sind die Ermöglicher.“ Das heißt, die Themen der jungen Leute kommen zur Sprache, es gab schon Star-Wars- und Snapchat-Gottesdienste. Die Gebete landen per WhatsApp direkt auf der Leinwand. Ihr Kirchengebäude in Nürnberg haben die Jugendlichen mit dem Computerspiel „Minecraft“ originalgetreu nachgebaut und laden zum virtuellen Rundgang ein. Möglich macht das alles ein großes Mitarbeiterteam und eine optimale technische Ausrüstung. Lorenz Schuster sieht seine Gemeinde deshalb als eine „Insel der Glückseligkeit“, die es seit 2009 mit Hilfe der Evangelischen Landeskirche in der Kirchengemeinde St. Lukas in Nürnberg gibt.

Interaktive Predigten mit sublan.tv

Für Gemeinden auch mit weniger Personal hat Rasmus Bertram, Pfarrer bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, sublan.tv entwickelt. Seine Vision sei die eines interaktiven Gottesdienstes gewesen, erzählt er: „Das Netz ermöglicht ein aktives Beteiligen aller, die das möchten.“ Mit begeisterten Technikfreaks entwickelte er eine Software für genau solche Veranstaltungen, erprobt in der Selbstanwendung. Der Gottesdienst kann im Internet live gestreamt werden. Gottesdienstbesucher, ob in den Kirchenbänken sitzend, im Krankenhausbett liegend oder im Urlaub, können bei vorhandenem Datenvolumen eigene Beiträge schreiben und senden. „So kann ich per Tablet während der Predigt schon meine Schwerpunkte ändern und aufgreifen, was die Leute beschäftigt“, begeistert sich Bertram. Der Gottesdienst werde dadurch nicht länger, die Predigt nehme aber die Hälfte der Zeit ein. Seiner Erfahrung nach werden auch Ältere miteinbezogen: „Da setzt sich der Konfirmand eben mal zu Frau Krause und die beiden bilden ein Team.“ Er selbst macht diese besonderen Gottesdienst noch zweimal im Jahr, ermutigt aber andere, sich auf dieses Experiment einzulassen und bei Bedarf Kontakt zu sublan.tv aufzunehmen. Gemeinden, die die Applikation einsetzen, werden mit ihren Veranstaltungen auf www.sublan.tv gepostet.

„Singstar“ auf Christlich

Die Jugendlichen der Evangelischen Jugend Brilon im nordrhein-westfälischen Sauerland haben das interaktive Playstation-Spiel „Singstar“ in den Gottesdienst integriert. Im Jugendtreff der Gemeinde sei das beliebte Karaoke-Spiel der Renner gewesen, berichtet der 20-jährige Benjamin Meckel. In einem Singstar-Gottesdienst kommen die Teens mit ihrer Musik und ihren Themen vor. In der Vorbereitung sind diese speziellen Gottesdienste allerdings sehr aufwändig. Laut Meckel kommt bei fast zwei Stunden für jedes Lied bei insgesamt fünf bis acht Liedern einige Zeit zusammen. Und Leute mit technischem Know-how sind nötig, um Laptop, Beamer, Verstärker und Co. zu bedienen. Doch der Aufwand lohnt sich offenbar: Die Jugendlichen seien mit viel Begeisterung dabei, schwärmt Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer. Es gab in Brilon schon Gottesdienste zu den Themen Träume und Liebe. Gesungen werden keine Kirchenlieder, sondern die Charts. Bei allseits bekannten Liedern stehen oft spontan Gemeindemitglieder mit den Jugendlichen hinter den Mikros. „Es ist generationenverbindend“, so Koppe-Bäumers Fazit.

#twomplet – Gebet per Twitter

Iris Battenfeld, ebenfalls nordrhein-westfälische Pfarrerin, hat mit #twomplet ein Abendgebet bei Twitter ins Leben gerufen. Twomplet ist gebildet aus den Worten Twitter und Komplet, der Bezeichnung für das kirchliche Nachtgebet. Jeden Abend ab 21 Uhr wird bei #twomplet für 30 bis 45 Minuten twitternd gebetet. Der Account hat 1750 Follower und rund 30 Vorbeterinnen und Vorbeter verschiedener Konfessionen. Diese eröffnen jeder auf seine Weise das Abendgebet. Battenfeld begrüßt die Mitbeter zum Beispiel mit dem Bild einer Kerze. Die Beter bringen sich mit Likes, Retweets und eigenen Fürbitten ein. „Zerschossen“ etwa mit bösen Kommentaren wurde ihr das Gebet bisher noch nie, sagt die Pfarrerin. Dagegen hat #twomplet bereits ehestiftend gewirkt: Zwei Beter lernten sich dort kennen, tauschten sich aus und haben schließlich geheiratet.

„Das Internet ist ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Marktplatz, den wir haben!“, betont sublan.tv-Entwickler Bertram in der Schlussrunde. Seine Forderung: Der Einsatz des Internets sollte fester Bestandteil des Dienstauftrags eines Pfarrers sein. Dahingehend wünsche er sich mehr Fortbildungen, so Bertram. Die Hauptamtlichen müssten sich mehr mit dem Thema befassen, so der Konsens der Vortragenden. Denn Kirche sollte nicht nur im Internet präsent, sondern auch aktiv sein.

Auf ein Bier in World of Warcraft

Digitale Welten waren auch in anderen Kirchentagsveranstaltungen Thema. Unter dem Motto „Fantasy und Religion“ beschreibt der Pfarrer und bekennende Gamer Heiko Erhardt aus Neuwied der Minderheit nicht-jugendlicher Teilnehmer das Eintauchen in die Fantasiewelt des Computerspiels „World of Warcraft“. Die Welt der Zwerge, Trolle, Blutelfen und anderer Wesen sei hochreligiös aufgeladen und hätte durchaus Suchtpotential. Er sei neulich mit jemandem in eine virtuelle Kneipe gegangen und habe ein virtuelles Bier getrunken, erzählt Erhardt. „Da kann man sich fragen: Wieso geht der nicht in eine reelle Kneipe und trinkt ein reelles Bier? Naja – das ist eben so!“ Bei zwölf Euro im Monat für „World of Warcraft“ sei die CVJM-Mitgliedschaft günstiger und man lerne viele nette Menschen kennen, so darauf der Kommentar von Stefan Piasecki von der CVJM-Hochschule in Kassel.

von: Christina Bachmann

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