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Bischof: In Ägypten herrscht keine Christenverfolgung

In Ägypten sind in den vergangenen Tagen über 60 Kirchen teilweise oder völlig zerstört worden. In dem Land herrsche derzeit jedoch keine Christenverfolgung, sagt der koptisch-katholische Bischof Youhanna Golta in einem Interview mit Radio Vatikan. Unter den Muslimbrüdern litten „sowohl Christen wie Muslime“.
Von PRO

Foto: Takver, flickr CC BY-SA 2.0

Der ägyptische Bischof Golta betonte: „Diese Islamisten attackieren unterschiedslos Kirchen, Schulen, Museen und andere Einrichtungen. Zwar nutzen sie die Schwäche der christlichen Minderheit, um anzugreifen, um zu töten, aber unsere muslimischen Freunde, das heißt die Mehrheit der Muslime, hilft den Christen und unterstützt sie.“

Gegen besondere Aufmerksamkeit für Christen

Der Vertreter des koptisch-katholischen Patriarchen Ibrahim Sidrak sprach sich gegen eine besondere Aufmerksamkeit für die ägyptischen Christen aus. Die Gesellschaft Ägyptens dürfe nicht geteilt werden. Das hätten weder die USA noch die Europäische Union verstanden. Golta sagte weiter im Radio Vatikan-Interview: „Dabei gibt es keine Straße, kein Gebäude, keine Stadt, die allein für die Muslime oder allein für die Christen wäre. Neben der islamischen Al-Azhar-Universität sind christliche Läden, neben der großen Kathedrale von Kairo leben Muslime. Ägypten ist ein Land, das keine Teilung akzeptiert.“ In westlichen Ländern kursierten „verzerrte und falsche Informationen“, sagte der Bischof.

Er bestätigte in dem Interview, das am Montagmorgen veröffentlicht wurde, dass in den vergangenen Tagen rund 40 Kirchen angezündet und hunderte christliche Geschäfte in Brand gesteckt worden seien. Zudem habe es Morde an Christen gegeben. Die christliche Organisation „Maspero Jugendunion“ schreibt auf ihrer Facebook-Seite, dass neben den 38 komplett zerstörten Kirchen 23 Gotteshäuser angegriffen und teilweise zerstört wurden sowie rund 60 Häuser und 85 Läden von Kopten. Sechs Menschen seien wegen ihrer christlichen Identität getötet und sieben Kopten in Oberägypten gekidnappt worden. Überdies teilte die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte  mit, dass in der Provinz Beni Suef Muslimbrüder drei Nonnen vergewaltigt haben.

Kauder: „Es gibt Zeichen der Hoffnung“

Unterdessen meldet sich der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, am Sonntag zur Lage am Nil zu Wort: „Die Situation der Christen in Ägypten bereitet uns große Sorgen. Noch nie in den vergangenen Jahrzehnten waren die Kopten so in ihrem Land bedroht wie heute.“ Er hält es für richtig, dass Deutschland und die EU Hilfsgelder einfrieren, „nachdem Appelle zur Zurückhaltung an das ägyptische Militär keinen Erfolg hatten“. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, „dass sich die Muslimbrüder jedem Dialog zur Beendigung der Gewalt verweigern und aus ihren Reihen die Übergriffe gegen die koptischen Christen begangen werden“.

Die Lage in Ägypten sei furchtbar. Kauder ergänzt: „Und doch gibt es auch noch Zeichen der Hoffnung, so versuchen viele Muslime ihre christlichen Nachbarn vor der Gewalt der Radikalen zu schützen.“

Meinhardt fordert Bündnis für Religionsfreiheit

Der Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt, der auch Sprecher der Gruppe der Christen in der FDP-Bundestagsfraktion ist, kommentierte die Übergriffe in Ägypten: „Das ist eine neue Qualität der Gewalt, auf die die internationale Staatengemeinschaft konsequent reagieren muss.“ Er forderte konkrete Vorstöße: „Wir brauchen ein Bündnis für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung. Gemeinsame Eckpunkte, Kriterien und vor allem direkte und spürbare Konsequenzen bei Verstößen gegen Religionsfreiheit und insbesondere bei Christenverfolgung sollten hier schnell erarbeitet werden.“ Geberländer könnten in der Entwicklungspolitik unter Beweis stellen, dass die Forderung nach Religionsfreiheit für sie keine leere Worthülse sei. Meinhartdt fügt hinzu: „Aussetzung, Reduzierung und der Stopp von Finanzhilfen sind dann ein enormes Gestaltungsmittel, wenn sich eine ganze Reihe von Ländern gemeinsam darauf verabreden.“

Der Publizist Hugo Müller-Vogg schrieb am Sonntag in einem Kommentar in der Bild-Zeitung: „Christenverfolgungen gab es eben nicht nur vor 2000 Jahren; es gibt sie auch noch heute. Etwa 100 Millionen Christen leben in Ländern, in denen sie dem Terror des Staates und der Straße ausgesetzt sind. […] Vor allem in islamischen Staaten müssen bekennende Christen um ihr Leben fürchten.“ Die Lage in der Bundesrepublik hält er für „schizophren“: „In Deutschland sorgen sich viele ‚Gutmenschen‘ um die Religionsfreiheit der hier lebenden Muslime. Über die Christenverfolgung in muslimischen Ländern gehen sie achselzuckend hinweg.“ Wer es mit Religionsfreiheit ernst meine, könne zur weltweiten Christenverfolgung nicht schweigen. (pro)

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