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Bischof: „AfD missbraucht Christen“

Unter massivem Protest haben beim Evangelischen Kirchentag am Donnerstag die AfD-Vertreterin Anette Schultner und der Berliner Bischof Markus Dröge miteinander diskutiert. Dröge erklärte, er spreche Christen in der AfD ihren Glauben nicht ab, aber: „Es steht kein christliches Menschenbild im Parteiprgrogramm."
Von PRO
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Die AfD-Repräsentantin Anette Schultner diskutierte beim Kirchentag mit Bischof Markus Dröge
Die AfD-Repräsentantin Anette Schultner diskutierte beim Kirchentag mit Bischof Markus Dröge

Die Debatte hatte schon im Vorfeld massiven Protest ausgelöst: Am Donnerstagvormittag trafen der Berliner Bischof Markus Dröge und die Sprecherin der „Christen in der AfD“, Anette Schultner, aufeinander. Während sich vor den Toren der Sophienkirche Demonstranten versammelten, suchten Schultner und Dröge das ruhige Gespräch, immer wieder unterbrochen von Zwischenrufen und Gesängen.

Schultner sagte: „Ich glaube, dass jeder Mensch, der existiert, von Gott gewollt ist.” Jeder Mensch habe die gleiche Würde. Das aber habe noch nie bedeutet, dass jeder tun und lassen könne, was er wolle. Auch in der Bibel habe der Fremde in einem Land nicht dieselben Rechte besessen wie der Einheimische. Es sei kein Ideal, „dass es ganze Völkerwanderungen gibt”. Stattdessen müsse „Menschen sinnvoll in ihrem natürlichen Raum” geholfen werden. „Wir möchten helfen, aber wir müssen auswählen”, sagte sie zum Thema Einwanderung. Wirtschaftsflüchtlinge seien nicht willkommen. Wenn die Bibel dazu aufrufe, den Nächsten zu lieben, sei damit nicht jeder Mensch auf der Welt gemeint. Schultner verwehrte sich gegen den Vorwurf, ihre Partei schüre Ängste. Mit der Flüchtlingsbewegung seien tausende Terroristen mit eingereist. Das sei Grund genug für Angst.

Bischof: Provokation ist das Geschäft der AfD

Bischof Dröge konterte, Gläubigen seien dazu aufgerufen, Fremde aufzunehmen und zu achten wie sich selbst. „Wir können keine Unterschiede machen.” Schultner stelle die Tradition des christlich-jüdischen Erbes in Frage. Er habe Christen in der AfD nie ihren Glauben abgesprochen, wohl aber Christen dazu aufgerufen, sich kritisch mit den Positionen der Partei auseinanderzusetzen. Dröge erklärte, zur Strategie der AfD gehöre der Populismus. Probleme sollten nicht gelöst werden, sondern würden primär angesprochen, um zu provozieren. „Aus diesen Gründen lehne ich es ab, mit Funktionären der AfD zu diskutieren, weil ich mich solchen Schauspielen nicht hingebe.” Mit einer Schwester im Glauben aber ziehe er das Gespräch wie an diesem Tag in Betracht.

Christen in der AfD würden als Feigenblatt missbraucht. „Es steht kein christliches Menschenbild im Parteiprogramm der AfD.” Christen könnten nicht sagen, dass die Familie die einzige würdige Lebensform sei, auch wenn er selbst sie für eine wunderbare Einrichtung halte. Es gebe keine spezifisch christliche Familie, erklärte Dröge. Jesus Christus sei der Maßstab und die rote Linie der Bibel. Wer dem nicht folge, rutsche in ein unhistorisches Bibelverständnis ab. Jesus wolle Menschen zur Freiheit und Verantwortung berufen, daran richte sich christliche Ethik aus. Schultner erklärte hingegen, keine außer ihrer Partei setze sich etwa kritisch mit der aktuellen Familienpolitik oder dem Gender Mainstreaming auseinander.

Konservative Repräsentationslücke

Schultner sagte, sie sei jahrelang in der CDU engagiert gewesen. Sie habe aber festgestellt, dass es eine „konservative Repräsentationslücke” gebe. Auch in der AfD gebe es Dinge, die ihr nicht gefallen. Sie halte etwa ein Ausschlussverfahren gegen Björn Höcke für richtig. Höcke hatte in einer Rede das deutsche Gedenken an den Holocaust kritisiert, darauf folgte eine breite Debatte über einen Ausschluss aus der AfD. Schultner sagte, ihre Partei werde von der Kirche „dämonisiert”. „Die Kirche sagt immer etwas gegen Rechts, aber so gut wie nie gegen Links. Das zeigt, dass es um einen Richtungsstreit geht und nicht um Demokratie.”

Sie sei vor 17 Jahren aus der Evangelischen Kirche ausgetreten und besuche seitdem ein Freikirche. Schultner begründete das damit, dass die Kirche ihren Missionsauftrag nicht wahrnehme. „Das kritisiere ich auch am Kirchentag.” Statt Evangelium würde dort Politik verkündet. „Und zwar Linkspolitik.” „Viele konservative Christen finden sich in der Evangelischen Landeskirche nicht wieder.” Jeder, der den Kirchentag besuche, solle erkennen, dass er Jesus Christus in seinem Leben brauche. (pro)

Von: al

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